In unserer Kolumne berichten Digital Hubs von ihrer Arbeit. Heute spricht Kirstin Hegner, Managing Director Digital Hub Mobility, über Erfolge und Herausforderungen.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge berichten Vertreter der über das ganze Land verteilten Digital Hub Initiative in einem standardisierten Fragebogen, wie es um das Start-up-Ökosystem in den jeweiligen Schwerpunktbranchen steht. Heute spricht Kirstin Hegner, Managing Director Digital Hub Mobility, über die Zusammenarbeit mit Adidas und BMW, die Auswirkungen von E-Kickscootern auf die Verkehrswende und erklärt, wie aktuelle Mobilitätsprobleme gelöst werden könnten.

Was läuft im Ökosystem dieses Hubs besser als gedacht?
Am meisten freut uns, wie gut das Netzwerk für Start-ups und Partner funktioniert. Hier gibt es schon tolle Ergebnisse, die durch den Hub entstanden sind. In unserer Digital Product School arbeiten Unternehmen an konkreten Lösungen für Mobilitätsprobleme. Im ersten Batch haben BMW und Adidas ein Konzept erarbeitet, um die Mitarbeiter zu nachhaltigerer Mobilität zu motivieren. Hieraus entstand das Start-up Moovster, das Unternehmen bei der Einführung von Mobilitätsbudgets statt Dienstwagen für ihre Mitarbeiter unterstützt. Im BMW eDrive gibt es eine neue Funktion, in der Plug-in-Hybridfahrzeuge in der Stadt automatisch auf elektrischen Betriebsmodus umschalten. Diese Idee wurde in der Digital Product School entwickelt.

Und was läuft schlechter als erhofft?
Wir könnten natürlich nationaler noch bekannter werden. Wir sind ein kleines Team, da ist es schwierig, mit vielen Städten und Kommunen gleichzeitig zusammenzuarbeiten. Aber unser Symposium Mikromobilität Anfang Mai zum Thema E-Scooter hat erstmals 17 Kommunen aus ganz Deutschland zu uns nach München gebracht. 

Warum ist dieser Hub ausgerechnet an diesem Ort?
Der Hub ist an der UnternehmerTUM angesiedelt, Deutschlands führendem Zentrum für Innovation und Gründung. München hat eine sehr lebendige Gründerszene und ist eine ausgesprochen attraktive Stadt für Start-ups. Mit großen Automobil- und Nutzfahrzeugherstellern, Zulieferern und Dienstleistern sitzt hier sehr viel geballte Mobilitätskompetenz. Vor allem ist auch die Münchner Stadtverwaltung offen und an neuen Konzepten interessiert.

Und auf welche Region blicken Sie neidisch?
Neid ist eine Wesensart, die mir fremd ist. Wir machen lieber das Beste aus dem, was wir haben. Insgesamt wäre es hilfreich, wenn Dinge schneller umsetzbar wären, das heißt schnellere Genehmigungsverfahren, mehr Testfelder und -möglichkeiten. Das ist aber kein München-spezifisches Problem. 

Welches neue Gesetz würde helfen? Oder welches bestehende Gesetz müsste weg?
Bei uns ist sehr viel auf Landes- oder sogar Bundesebene geregelt, dabei muss beim Thema Mobilität ganz oft schon auf kommunaler Ebene angesetzt werden. Das aktuellste Beispiel sind E-Scooter: Hier wird bundesweit genau vorgegeben, wie lang und breit sie sein dürfen, wie der Bremsweg aussehen muss etc. Aber die Kommunen können keinem Anbieter das Aufstellen der Scooter verweigern und dürfen nicht festlegen, wo man diese abstellen darf! Ähnliches gilt für Parkgebühren: Diese sind in Bayern landesweit einheitlich gedeckelt und haben sich seit 2001 nicht verändert. Wieso darf eine Großstadt wie München mit ganz anderen Problemen als zum Beispiel eine Kleinstadt hier nicht ihren eigenen Lösungsweg finden?

Sind Mittelständler und Konzerne eher Freund oder Feind?
Ich verstehe die Frage gar nicht… Die sind auf jeden Fall Freunde. Die Digital Hubs entstanden ja gezielt, um Konzerne und Mittelständler bei der Digitalisierung zu unterstützen! Mittelständler sind wichtige Arbeitgeber und Träger der Wirtschaftskraft, unter ihnen finden sich viele Hidden Champions. Gute Unternehmen haben erkannt, dass sie nicht alles aus eigener Kraft schaffen können und nutzen gezielt die Innovationskraft von Start-ups.

Was wird das nächste große Ding in diesem Themenbereich?
Wir bauen gerade ein neues Format auf: citizen mobility ist eine agile Umsetzungsplattform für Städte, Unternehmen und Start-ups, die gemeinsam an echten Mobilitätsproblemen arbeiten und schnell Ergebnisse erzielen wollen. Wir stellen hierbei die Probleme der Bürger in den Mittelpunkt und beziehen die Bevölkerung aktiv ein. Verkehrsprobleme kann man nicht durch einzelne Apps lösen, sondern es braucht viele Partner gemeinsam an einem Tisch. In unserem Piloten haben wir Grundlagen für Verbesserungen des Radverkehrs in München erarbeitet. Ab September planen wir, die Auswirkungen von E-Kickscootern auf die Wahl der Verkehrsmittel zu analysieren und ihren Beitrag für eine Verkehrswende zu bewerten. Außerdem arbeiten wir an neuen Ideen zur urbanen Logistik.