In unserer Kolumne berichten Digital Hubs von ihrer Arbeit. Heute spricht Maria Beck vom Digital Hub Logistics Dortmund über Erfolge und Zukunftspläne.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge berichten Vertreter der über das ganze Land verteilten Digital Hub Initiative in einem standardisierten Fragebogen, wie es um das Start-up-Ökosystem in den jeweiligen Schwerpunktbranchen steht. Heute spricht Maria Beck vom Digital Hub Logistics in Dortmund über die erfolgreiche Zusammenarbeit von Mittelstand und Start-ups und erklärt, warum das Ruhrgebiet eine Innovationsdrehscheibe für Logistik ist.

Was läuft im Ökosystem dieses Hubs besser als gedacht?
Wir haben hier am Standort viele Initiativen und Projekte für verschiedene Zielgruppen in der Anwendungsdomäne Logistik. Besonders stolz sind wir darauf, dass es uns gelungen ist, die unterschiedlichen Akteure, das heißt Forschung, Mittelstand, Konzerne und Start-ups, zusammen zu bringen und miteinander zu vernetzen. Ein Format, was in der Community besonders gut angenommen wird, ist die Eventreihe „Mittelstand meets Start-up“. Mittelständler haben hier die Möglichkeit, Start-ups zu einem ausgewählten Thema, zum Beispiel Predictive Maintenance, kennenzulernen.

Und was läuft schlechter als erhofft?
Es läuft nichts wirklich schlecht, aber manche Dinge gehen nur schleppend voran. Unser Coworking-Space platzt mittlerweile aus allen Nähten und wir warten darauf, weitere Räumlichkeiten anmieten zu können. Ziel ist es, weiterhin in der Nähe des Uni-Campus und der Fraunhofer-Institute zu sein. Und über mehr personelle Ressourcen im Hub-Team würden wir uns natürlich auch freuen, damit all unsere Ideen Wirklichkeit werden. Uns geht es aber nicht darum, einfach nur zu wachsen, wir wollen auch unserem Qualitätsanspruch gerecht werden.

Warum ist dieser Hub ausgerechnet an diesem Ort?
Das Ruhrgebiet ist eine Innovationsdrehscheibe für Logistik – das gewachsene Ökosystem aus Forschung, Lehre, Mittelstand, Start-ups und Industrie ist genau das richtige Umfeld für Unternehmen, die Innovationen vorantreiben wollen. Wir sind ja schon vor neun Jahren als Effizienzcluster Logistik Ruhr ausgezeichnet worden. Über 900 Logistikunternehmen sitzen in der Region. Mit dem Digital Hub Logistics schließen wir nun eine Lücke in der Innovationskette zwischen der anwendungsorientierten Forschung hin zur Einführung von digitalen Produkten auf dem Markt.

Und auf welche Region blicken Sie neidisch?
Wir sind nicht neidisch, sondern stolz auf das, was wir bereits geschaffen haben. Wir sind mit unserem Konzept für sogenannte Start-ins quasi bei null gestartet und da schaut man natürlich immer in Richtung Süddeutschland, was die Infrastruktur und die finanziellen Mittel von anderen Hubs angeht. Außerdem sind wir vielleicht für junge Gründerinnen und Gründer nicht so attraktiv wie andere Standorte, z. B. München oder Berlin. Da unser Fokus aber nicht so sehr auf Start-ups, sondern auf Mittelständlern liegt, finden wir das gar nicht so schlimm.

Stichwort Regulierung: Welches neue Gesetz würde helfen?
Damit Produktideen erfolgreich in den Markt eingeführt werden können, braucht man Testbeds in einer realen Umgebung. Hier ist es unter Umständen sinnvoll rechtliche Rahmenbedingungen für den Testfall einmal auszusetzen. Nur so kann sichergestellt werden, dass auch funktioniert was man sich ausgedacht hat, bevor der breite Rollout stattfindet. Als Beispiel sei hier der unterstützende Einsatz von autonomen Fahrzeugen bei der Brief- und Paketzustellung genannt. Dafür braucht man einen innenstadtnahen Testraum, der die technischen Rahmenbedingungen genau abbildet.

Kooperationen: Sind Mittelständler und Konzerne eher Freund oder Feind?
Bei uns eindeutig Freund. Unser Konzept ist auf Unternehmen und den Mittelstand ausgerichtet. Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und er muss beim digitalen Wandel unterstützt werden. Der Fokus liegt bei vielen Programmen auf Start-ups, aber auch gehobene Mittelständler müssen zukunftsfähig werden. Unternehmen müssen durch eigene Innovationsteams, sogenannte Start-Ins, von innen heraus ihre digitale Zukunft selbst in die Hand nehmen. Hierfür bieten wir mit unseren Partnern Unterstützung an.

Was wird das nächste große Ding in diesem Themenbereich (des Hubs)?
Es gibt zahlreiche spannende Entwicklungen. KI, Blockchain, Plattformökonomie, autonomes Fahren – das alles wird auch für die Logistik eine große Rolle spielen. Hier am Standort liegt gerade ein Entwicklungsschwerpunkt auf der Fragestellung wie Mensch und Maschine auf Augenhöhe zusammenarbeiten können. Wir nennen das Social Network Industry. Es wird auch zukünftig viele logistische Prozesse geben, wo der Mensch nicht wegzudenken ist und als Teil einer vernetzten Logistikwelt gleichwertig mit KI interagieren wird.