Ein großes Netzwerk an Neukunden – aber Luft nach oben bei Investoren. Motion Miners aus Dortmund berichtet über das Ökosystem im Ruhrgebiet.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge erzählen Start-ups, die sich in den über das ganze Land verteilten Digital Hubs engagieren, aus ihrem Ökosystem. Heute berichtet Sascha Kaczmarek, Mitgründer von Motion Miners, das mit Sensoren die Arbeitswege in der Logistik auswertet und analysiert. Das junge Unternehmen ist Teil des Digital Hub Logistics in Dortmund.

Ihr seid Teil des Logistics Hub Dortmund. Warum?
Wir sind ein Spin-off des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik. Als wir gegründet haben, wurde parallel der Logistics Hub Dortmund gegründet. Wir brauchten dringend Platz für Arbeitsplätze, die uns der Hub zur Verfügung gestellt hat. Da haben wir also unsere Heimat gefunden. Außerdem ist durch den Hub ein großes Netzwerk entstanden, vor allem zu potenziellen Neukunden. Der Hub in Dortmund fokussiert sich nicht so sehr auf Start-ups, sondern vor allem auf den Mittelstand und Digitalteams dieser Unternehmen. Mit diesen Teams kamen wir in Kontakt und konnten so direkt mit den Kunden sprechen.

Was gefällt euch am Ökosystem vor Ort?
Im Vergleich zu Berlin oder München ist die Region was Start-ups angeht natürlich noch nicht so weit, aber man sieht eine gute Entwicklung. Das Ökosystem wächst, beispielsweise durch das Zentrum für Entrepreneurship der TU Dortmund. Dadurch, dass die Szene eher klein ist, kennt man sich sehr gut und kann sich unterstützen. Außerdem ist die Infrastruktur super, die Wege sind kurz und man ist gut angebunden an das gesamte Ruhrgebiet, welches ja ein starker Logistikstandort ist. Wir wüssten aktuell gar nicht, wo es besser für uns wäre.

Woran mangelt es noch?
Es mangelt noch an der Aufmerksamkeit für den Standort und das Ruhrgebiet insgesamt, wir fliegen noch ein bisschen unter dem Radar. Man wundert sich, wenn man von Start-ups aus Dortmund oder Bochum hört, wobei man da immer mehr gute sieht und viel passiert. Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und Selbstbewusstsein nach außen würde dem Standort nicht schaden.

Was konntet ihr von anderen Gründern in der Region lernen?
Man kann sich wirklich zu den unterschiedlichsten Themen austauschen, sei es wie jetzt in einer Phase, wo jeder ein bisschen leidet und man einfach mal miteinander spricht: Was macht ihr jetzt eigentlich, wo kann man Fördermittel beantragen, was muss man bei Kurzarbeit beachten und solche Dinge. Durch die kurzen Wege kann man da schnell Kontakt aufbauen. Es gibt überhaupt kein Konkurrenzdenken, sondern es geht eher Richtung Kooperation: Wenn wir merken, dass ein anderes Start-up für einen Kunden passen könnte, nehmen wir da direkt Kontakt auf.

Wie leicht findet ihr in eurer Region Mitarbeiter?
Als wir noch kleiner waren, war es deutlich schwieriger. Jetzt mit 28 Mitarbeitern wird es langsam einfacher, da kriegt man relativ viele Bewerbungen. Aber wir stehen vor den gleichen Herausforderungen wie alle anderen Start-ups: Hard- oder Softwareentwickler sind heiß begehrt und werden von den Konzernen noch im Studium abgegriffen. Wir konkurrieren mit größeren Mittelständlern oder Konzernen. Das Gute ist, dass es hier viele gut ausgebildete Leute gibt: Wir sitzen zwischen der TU Dortmund, der FH Dortmund, der Ruhr-Universität-Bochum und der Universität Duisburg-Essen. Man hat also einen großen Pool, aus dem man fischen kann.

Und wie steht es in eurem Ökosystem um den Zugang zu Kapital?
Es gibt hier viele Möglichkeiten. Wir sind unterstützt durch verschiedenste Initiativen wie zum Beispiel die Wirtschaftsförderung Dortmund. Es gibt die NRW Bank, die auch verschiedene Start-up-Programme hat. Man kann hier also schon an Geld kommen. Allerdings ist das Investorennetzwerk hier noch nicht so stark ausgeprägt wie in anderen Städten wie München oder Berlin.

Wie gut gelingt die Zusammenarbeit mit Mittelständlern und Konzernen?
Das kommt sehr aufs Unternehmen an, die unterscheiden sich auf jeden Fall und jeder hat seine Vor- und Nachteile. Das schöne bei der Zusammenarbeit mit einem Mittelständler ist, dass man schnell und einfach auf eine Ebene kommt, wo die Entscheider sind. Dann sitzt man auch mal mit der Geschäftsführung am Tisch und das Angebot wird unterschrieben. Beim Konzern muss man viele Abteilungen durchlaufen, alles dauert etwas länger. Dafür haben die Konzerne natürlich sehr viel Erfahrung und auch das notwendige Kapital, um einfach mal ein erstes Projekt zu starten.

Würdet ihr euch von – lokalen oder regionalen – Behörden und Verwaltungen mehr Unterstützung wünschen?
Wir sind zufrieden, wie das hier in Dortmund läuft. Wenn wir ein Anliegen haben, ist unser erster Ansprechpartner die Wirtschaftsförderung Dortmund und die konnten uns bisher immer weiterhelfen und vernetzen. Sie haben es sich auf die Fahne geschrieben, das ganze Thema zu unterstützen. Man hat die üblichen bürokratischen Hürden bei einer Gründung, die gibt es in allen Städten, aber ansonsten sind wir zufrieden.

Das ist die vierte Folge dieser Serie. Zuvor berichteten bereits Build38 aus dem InsurTech Hub in München, Flynex aus dem Smart Infrastructure Hub in Leipzig, Living Brain aus dem Digital Health/Chemistry Hub vom Rhein-Neckar-Gebiet sowie Nautiluslog aus dem Digital Hub Logistics in Hamburg.