Den Hafen im Herzen der Stadt – aber zu wenige Entwickler an Bord. Nautiluslog berichtet über Chancen und Herausforderungen des Start-up-Ökosystems im hohen Norden.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge berichten Start-ups, die sich in den über das ganze Land verteilten Digital Hubs engagieren, aus ihrem Ökosystem. Den Auftakt macht Otto Klemke, Gründer von Nautiluslog. Das junge Unternehmen ist im Digital Hub Logistics in Hamburg zu Hause.

Ihr seid Teil des Logistics Hubs in Hamburg. Warum?
Weil hier alt und neu zusammenkommen. Der Hub ist der perfekte Nährboden für neue Projekte. Wir sind als erstes Startup 2017 in den Hub gezogen und konnten ihn maßgeblich mitgestalten. Die Nähe und das Netzwerk zu den Behörden ist extrem hilfreich. Ein Beispiel: Bisher war gefordert, dass Logbücher auf Papier geschrieben sein mussten, und zwar weltweit. Die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation hat uns dann mit der DIN zusammengebracht, mit der wir eine neue Norm schreiben konnten, die das Papier durch digitale Lösungen ersetzt. Mit der Unterstützung der Behörden konnten wir so das Thema Regulation viel schneller voranbringen.

Was gefällt euch am Ökosystem vor Ort? Was sind die Stärken der Region – inhaltlich und infrastrukturell?
Hamburg hat den Hafen direkt im Herzen, das ist für uns super. Wir haben alle Stakeholder direkt vor der Tür – sei es der Hafen, Terminalbetreiber, Reeder, Gutachter oder der Flaggenstaat. Das bietet uns die perfekte Infrastruktur. Und noch besser ist natürlich, das auch alle Kunden hier sitzen und wir so den direkten Kontakt haben.

Woran mangelt es noch – und warum?
Die Offenheit für die Digitalisierung ist in den letzten Monaten auf jeden Fall sehr gestiegen, das erleichtert und vieles. Bei vielen Logistikunternehmen herrscht aber noch ein Silodenken: Sie wollen Projekte alleine umsetzen. Dabei sollten sie auch häufiger mal was ausprobieren, auch wenn nicht unmittelbar ein Nutzen für sie entsteht. Auch bei den Behörden sind die Entscheidungswege teilweise noch sehr lang, bis es wirklich zu einer Umsetzung kommt. Hier könnte man sicherlich schneller werden. Bei beiden gibt es noch Zurückhaltung, wenn es um neue Modelle und Kooperationen geht.

Was konntet ihr von anderen Gründern in der Region oder im Hub lernen?
Man lernt sehr viel durch den Austausch mit anderen Gründern, etwa wie man gut pitcht, wie man an bestimmte Personengruppen herantritt oder welche Möglichkeiten es für die Gewinnung von finanziellen Mitteln gibt. Manchmal sieht man bei einem Problem auch einfach den Wald vor lauter Bäumen nicht. Jemand anders hat dann vielleicht eine Lösung oder einen passenden Ansprechpartner parat.

Wie leicht findet ihr in eurer Region Mitarbeiter?
Das ist definitiv nicht ganz einfach. Der Markt ist ziemlich leer. Entwickler können sich die Jobs aussuchen und die maritime Branche ist einfach nicht so attraktiv wie zum Beispiel Fintechs. Zudem konkurriert man als Start-up mit den großen Konzernen und die Konzerne konkurrieren wiederum mit internationalen Unternehmen. Uns hilft, dass wir häufig Mitarbeiter aus dem Ausland finden.

Und wie steht es in eurem Ökosystem um den Zugang zu Kapital?
So und so. Bisher wurden wir gut finanziert, ab in den nächsten Runden wird es für uns etwas schwieriger, weil der maritime Markt noch ziemlich am Anfang steht. Wir sind eine Nachkommastelle von dem, was in Fintechs passiert. Wie mache ich das Investoren schmackhaft? Das ist eine Herausforderung, andererseits ist aber auch das Potenzial groß. Man muss sein Vorhaben daher gut erklären und braucht einen strategischen Investor, der den Markt gut kennt. Davon gibt es nicht so viele wie klassische Risikokapitalgeber.

Wie gut gelingt die Zusammenarbeit mit Mittelständlern und Konzernen?
Sehr gut, solange man transparent und partnerschaftlich vorgeht. Man sollte nicht miteinander konkurrieren. Im Gegenteil, wir machen Kunden sehr gerne zu einem Partner von uns, um Synergien zu nutzen und gemeinsam neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. So arbeiten wir mit international mit Häfen an Standards für Schnittstellen um Datenlücken zu Schiffen zu füllen, gemeinsam mit einer Reederei in einem Forschungsprojekt an zukünftigen innovationen im Bereich autonomer Schiffe. Wir haben auch eine Partnerschaft mit der Lufthansa Industry Solution. Dies ermöglicht uns ganz andere Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven. Ich bin der Meinung, dass Unternehmen und Start-ups viel voneinander lernen und gemeinsam mehr erreichen können.

 Würdet ihr euch von – lokalen oder regionalen – Behörden und Verwaltungen mehr Unterstützung wünschen?
Wir wünschen uns vor allem mehr Commitment und mehr Drive, wenn digitale Projekte vorangetrieben werden. Es mangelt oft gar nicht am Geld oder an der Infrastruktur, sondern am Mindset. In Deutschland sind wir oft langsam und wenig pragmatisch. Andere Länder sind da mutiger und setzen Dinge schneller um. Da kann es schon helfen, mit dem politischen Willen das Mindset zu unterstützen und zuzulassen.