In unserer Kolumne berichten Digital Hubs von ihrer Arbeit. Heute spricht Matthias Hornberger über schnelle Erfolge und zähe Finanzierungsfragen.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge berichten Vertreter der über das ganze Land verteilten Digital Hub Initiative in einem standardisierten Fragebogen, wie es um das Start-up-Ökosystem in den jeweiligen Schwerpunktbranchen steht. Heute berichtet Matthias Hornberger, Vorstandvorsitzender CyberForum e.V. und Founding Partner des Digital Hub Applied Artificial Intelligence über die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen, das Vorbild Israel und schleppend verlaufende Finanzierungsfragen.

Was läuft im Ökosystem dieses Hubs besser als gedacht?
Wie sich Partnerschaften oder Projekte entwickeln konnten, ist wirklich eine erstaunliche Sache; insbesondere die Entwicklung bei KI-Gründungen: fast 50 Prozent der in unserem Accelerator CyberLab aufgenommenen Start-ups arbeiten an Einsatzszenarien der KI-Technologien in verschiedenen Domänen – bspw. beim Schutz von Malware und Cyberattacken, bei der Automatisierung des Kassenvorgangs in Restaurants oder aber auch bei der Rettung von Bienen. Die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen läuft hervorragend. Konkret wurden bereits einige Pilotprojekte aufgesetzt bzw. initiiert, z.B. ein KI-basierter digitaler Assistent für eine Versicherung. Innerhalb kürzester Zeit konnten wir die Sichtbarkeit für den Digital Hub deutlich erhöhen. Mehrfach kamen Auslandsdelegationen, um sich an unserem Beispiel zu orientieren, sich über die KI-Möglichkeiten zu informieren und die richtigen Experten und Partner zu finden – angewandte KI eben.

Und was läuft schlechter als erhofft?
Die finanzielle Ausstattung könnte etwas großzügiger ausfallen. Eine Anschubfinanzierung würde dem Projekt guttun. Da der Digital Hub zunächst ein „Titel ohne Mittel“ war, mussten langwierige politische Prozesse angeregt werden, um gemeinsam eine finanzielle Basis zu finden. Das ist bis heute nicht abgeschlossen. Es wäre erstrebenswert, die beteiligten Stellen schneller zur Einigung zu bewegen und das Verfahren zu verkürzen.

Warum ist dieser Hub ausgerechnet an diesem Ort?
Dass KI in ihrer konkreten Anwendung hier angesiedelt ist, liegt am hochtechnisierten Umfeld, vielen tausend IT-Unternehmen, hochkarätigen wissenschaftlichen Instituten und einer weltweit renommierten Hochschullandschaft für technologische Forschung und IT-Berufe. Die Wege hier sind kurz, was eine effektive und effiziente Zusammenarbeit ermöglicht. KI kommt hier schneller zur Anwendung, da alle Stufen der Wertschöpfung abgedeckt sind und „Time-to-Market“ entscheidend ist für künftigen Erfolg!

Und auf welche Region blicken Sie neidisch?
Es gibt Hubs, Start-ups oder Unternehmen, insbesondere aus Israel, die uns an Tempo und finanziellen Ressourcen um einiges voraus sind. Bei Finanzierungen arbeitet bspw. China mit Summen, die für uns völlig unrealistisch sind. Allein die Hafenstadt Stadt Tianjin hat einen Fonds von 16 Milliarden Dollar nur für KI-Projekte aufgelegt. Da nehmen sich die 500 Millionen Euro, die die Bundesregierung an neuen Mittel bereitstellt, eher bescheiden aus. Das sind die berühmten Peanuts auf der Cocktailparty der Großen.

Stichwort Regulierung: Welches neue Gesetz würde helfen? 
Massendaten sind wichtig, um verlässliche Algorithmen zu entwickeln. Es gilt Wege zu finden, wie trotz Datenschutz dieser Zugang – bspw. im industriellen Bereich – gewährleistet wird. Das könnte eine rechtlich und organisatorisch abgesicherte Open-Data-Initiative sein, um die Branche nicht mit der eigenen Nabelschnur zu strangulieren. Hilfreich ist alles was dazu beiträgt, schneller zu gründen, Prozesse zu verkürzen, Förderprogramme zeitig auf den Weg zu bringen und Investitionen zu erleichtern.

Und sind Mittelständler und Konzerne eher Freund oder Feind?
Sie sind beide wichtig und ergänzen sich hervorragend – übrigens ganz besonders hier in Karlsruhe. Partnerschaften, die hier geschlossen werden, beruhen einerseits auf der Schnelligkeit eines jungen und agilen Start-ups oder Mittelständlers. Diese wiederum profitieren von der Reichweite und den vielzähligen Use Cases, die von Konzernen ausgeht. Beide ergänzen sich auf perfekte Art und Weise.

Was wird das nächste große Ding für den Hub?
Wir wollen zum einen die Sichtbarkeit des Standorts europaweit ausbauen sowie die Vernetzung zwischen den Kompetenzträgern aus dem Hub sowie inländischen und ausländischen Partnern (u.a. Israel und Frankreich) vorantreiben. Hier nimmt der Hub eine wichtige Vermittlerrolle wahr. Zum anderen gilt es, KI-Technologien in Richtung KMU zu entmystifizieren, konkrete Mehrwerte durch KI darzustellen und die richtigen Experten an den Tisch zu bringen. Unter anderem veranstalten wir mit der „AIxIA – AI meets Intelligence Artificielle“ die erste deutsch-französische Konferenz für angewandte künstliche Intelligenz, am 1. und 2. Oktober im Medienmuseum ZKM sowie in den Räumlichkeiten des Digitalen Innovationszentrums in Karlsruhe. Damit werden die bestehenden Bande mit mutigen und visionären Initiativen jenseits des Rheins gestärkt und zu einer großen gemeinsamen Anstrengung. Allein auf sich gestellt wird beim Thema KI keiner erfolgreich sein können.