Willkommen im Club der „Einhörner“: 13 Start-ups sollen dieses Jahr in den Club der Milliarden-Start-ups aufsteigen – unter ihnen auch einige deutsche.

Es gibt nicht viele Unternehmen, die eine Milliarden-Dollar-Bewertung erreichen – gerade in Europa. Seit 2000 haben jährlich gerade einmal drei Start-ups vom alten Kontinent den Sprung in den Club der „Unicorns“ (deutsch: Einhörner) geschafft, wie aus einer Studie der Investmentbank GP Bullhound hervorgeht. 2015 könnte sich dies nach Angaben der Investmentbank ändern, denn die Europäer starten eine Aufholjagd: In diesem Jahr schaffen es voraussichtlich 13 neue Tech-Start-ups aus Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien, aber auch aus Deutschland  in den Milliardenclub.

Eine Trendwende ist dies allerdings noch nicht: Der Wert der Tech-Start-ups in Europa beträgt insgesamt lediglich 120 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich dazu: Allein Apple wird mit 737 Milliarden Dollar bewertet, selbst Facebook ist mit 230 Milliarden Dollar fast mehr als doppelt so viel wert wie alle europäischen Start-ups gemeinsam.

Unter den Start-ups wachsen die Start-ups aus dem Fintech-Bereich am stärksten. Aber auch in anderen Bereichen gibt es Bewegungen. Eine Auswahl der Start-ups, die 2015 als nächstes mehr als eine Milliarde Dollar wert sein sollen.

Foodpanda

Das Start-up wurde von Ralf Wenzel und Ben Bauer gegründet und ist mittlerweile Teil der Start-up-Schmiede Rocket Internet. Die Essens-Bestellplattform hat im vergangenen Jahr von Wagniskapitalinvestoren 60 Millionen US-Dollar erhalten, Rocket steuerte im Mai ebenfalls einige Millionen bei – und Foodpanda expandiert weiterhin sehr aggressiv. In den ersten drei Jahren nach der Gründung war das Unternehmen bereits in 45 Ländern aktiv. Damals wurde verkündet, dass man zunächst nicht in weitere Länder expandieren, sondern in den Städten Fuß fassen möchte. Dabei konzentriert sich das Unternehmen vor allem auf Entwicklungs- und Schwellenländer, um dort Marktführer zu werden. Denn nur dann lohnt sich das Geschäft mit der Vermittlung von Essensbestellungen: Hohen Initialkosten stehen so sehr geringe variable Kosten gegenüber.

Die derzeitigen Zahlen hingegen sind nicht allzu positiv. Zwar konnte Foodpanda sein Umsatzwachstum mehr als verneunfachen und liegt nun bei einem Wert von 6,7 Millionen Euro. Das liegt allerdings auch daran, dass das Start-up 2013 gerade einmal 700.000 Euro einnahm. Das Plus kommt vermutlich vor allem durch seine insgesamt 16 (!) Akquisitionen beziehungsweise Tauschaktionen zustande. Die Verluste sind mit 38,5 Millionen Euro demzufolge auch ziemlich hoch. Ein Grund dafür dürften die hohen Investitionen für die Zukäufe sein. Gab Foodpanda 2013 nur 400.000 Euro aus, waren es 2014 43 Millionen Euro. Dass das Unternehmen trotzdem liquide ist, liegt an diversen Finanzierungsrunden im vergangenen Jahr. Aktuell liegt die Bewertung bei 310 Millionen US-Dollar.

Es nicht das einzige Rocket-Unternehmen im Bereich der Lebensmittel, viel mehr wird dort voll auf den Markt gesetzt. Mit Hello Fresh, Shopwings oder Bonativo beteiligte sich der Berliner Inkubator gleich an mehreren Geschäftsmodellen. Erst vor kurzem investierte das Unternehmen der Samwer-Brüder auch in den Lieferdienst Delivery Hero.

Hellofresh

Hellofresh ist ein Online-Lieferservice, der 2011 von Dominik Richter gegründet wurde. Konkret verschickt das Start-up Rezeptboxen, in denen sich nicht nur die Kochanweisung, sondern auch die Zutaten für das jeweilige Gericht finden. Hellofresh liefert seine Boxen in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Belgien, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Australien aus. Das Unternehmen zählte 2014 nach Rocket-Angaben 172.000 Abonnenten weltweit. Das waren mehr als fünf Mal so viele wie im Vorjahr.

Auch umsatzmäßig zählte Hellofresh 2014 zu den großen Gewinnern des Rocket-Imperiums. Das Start-up verfünffachte seine Einnahmen im vergangenen Jahr nahezu. Kam es 2013 gerade einmal auf einen Umsatz von 15 Millionen Euro, waren es 2014 schon 70 Millionen Euro. Derzeit wird das Unternehmen mit 193.5 Millionen US-Dollar bewertet.

Huddle

Andy McLoughlin and Alistair Mitchell gründeten das Unternehmen 2006. Das Start-up ermöglicht es großen Unternehmen, ihre Daten online zu sichern und zu teilen. So lässt sich auch bestimmen, wer Zugang zu den Dokumenten hat. Dabei konkurriert das Unternehmen weniger mit Dropbox, sondern mit Software, etwa der von Microsoft, die die Unternehmen oft schon über Jahre nutzen – und (noch) nicht aufgeben wollen. Das Unternehmen mit Sitz in London wird derzeit mit 89.2 Millionen US-Dollar bewertet.

iZettle

Das schwedische Start-up wird derzeit mit 114.3 Millionen Dollar bewertet. iZettle bietet ein mobiles Zahlungssystem an – vor allem für private Nutzer. So soll die mobile Kartenzahlung für den Babysitter ebenso möglich sein wie für den Nachhilfelehrer. Gebraucht wird lediglich der Chipkartenleser von iZettle, der für 24,95 Euro angeboten wird und mit Android und iOS funktioniert. iZettle, das seit Oktober 2012 auch in Deutschland aktiv ist, geht jetzt noch einen Schritt weiter und öffnet sich auch für Privatnutzer.

Kreditech

Das Hamburger Fintech-Start-up Kreditech will spätestens 2016 an die Börse. Nach mehreren Finanzierungsrunden ist das Unternehmen mit mittlerweile mehr als 263 Millionen Dollar bewertet. Gründer Sebastian Diemer hat schon mehr als eine Kaufofferte ausgeschlagen. In Deutschland vergibt das Unternehmen allerdings keine Kredite mehr, sehr wohl aber in Polen, Spanien, Tschechien, Russland und Mexiko: Konsumentenkredite bis 500 Euro und mit einer Laufzeit von 30 Tagen, in Polen 2500 Euro bis ein Jahr. In diesen Ländern achtet Kreditechs Algorithmus auf den Lebenswandel potenzieller Schuldner. Er errechnet, wie wahrscheinlich es ist, dass diese ihre Kredite zurückzahlen. Anders als die deutsche Schufa sucht Kreditech nicht primär nach Versäumnissen in der Vergangenheit, die Firma schnüffelt im Netz nach Charaktereigenschaften, um die Zukunft vorherzusehen.

Soundcloud

Vergangenes Jahr gab es Gerüchte, dass der US-Kurznachrichtendienst Twitter Soundcloud übernehmen könnte. Die Musikplattform gilt als eines der Aushängeschilder der Berliner Start-up-Szene. Soundcloud beschäftigt mehr als 200 Mitarbeiter und hat monatlich mehr als 250 Millionen Nutzer, die Ton-Dokumente anhören oder hochladen. Derzeit wird das schwedische Unternehmen mit 123.3 Millionen Euro bewertet.