Auch auf dem Schuhmarkt machen sich Gründer breit. Diese neun Start-ups versuchen es mit innovativen Ideen.

Von Anastasia Kourti

Soll niemand sagen, es gäbe keinen Bedarf. Laut einer Studie des Deutschen Schuhinstituts aus dem Jahr 2010 tragen 82 Prozent der Deutschen Schuhe, die ihnen nicht passen. Die Beschwerden über Fußschmerzen häufen sich, die Retourquoten der Online-Shops schießen in die Höhe. Das wollen diese neun Start-ups versuchen, mit eigenen Kollektionen und außergewöhnlichem Kundenservice neben Zalando Fuß zu fassen.

Filii Barefoot

Ihrer persönlichen Schuhkrise sahen Brigitte und Thorsten Weiß mit der Geburt ihrer Tochter Guilia entgegen: Das Paar ist begeisterter Träger von Barfußschuhen – fand für ihr Kind aber kein Exemplar. Nach vier Jahren Entwicklungszeit konnte Familie Weiß dies mit der Gründung von Filii Barefoot ändern. 2015 trat das Start-up mit den ersten Barfußschuhen für Kinder auf den Markt und landete Oktober 2016 bei der „Höhle der Löwen“ vor der Kamera. Bisher kam das junge Unternehmen aus Sindelfingen ohne Fremdkapital aus. Für die großen Zukunftspläne wird sich das früher oder später ändern – Aufträge aus den USA und China sind schon eingetrudelt.

ShoeVita

ShoeVita lässt den Frauentraum von den perfekten Schuhen wahr werden: Mit einem 3D-Konfigurator können Kundinnen des Frankfurter Start-ups seit 2014 passgenaue Schuhe nach ihren eigenen Vorstellungen entwerfen. Mittlerweile haben die Gründerinnen und Studienfreundinnen Katherina Engelhard und Gabriele Sosnizkij eine Kooperation mit Galeria Kaufhof geschlossen.

Mifitto

Der Schuhhandel hat mit hohen Rücksendequoten zu kämpfen. Das Problem: Es gibt keine einheitlichen Schuhgrößen. Bei der einen Marke trägt man noch eine 40, bei der nächsten braucht man eine 41. Das wollten Thomas Harmes und sein Schwager Dominic Köhler ändern. Harmes, zuvor Bezirksfilialleiter bei Intersport Voswinkel, fing damit an, Daten zu sammeln: Daraus entstand ein Algorithmus, der der jeweiligen Fußgröße die passende Schuhgröße pro Modell zuordnet. Mit Versandhändler Otto als Testkunden und weiteren Aufträgen im Einzelhandel ist Mifitto heute in der Schuhbranche etabliert. Das soll erst der Anfang sein – denn das Problem uneinheitlicher Größen kennt auch der Bekleidungssektor.

Serfan

Die vergebliche Suche nach den passenden Schuhen zum Outfit ließ Serhat Yilmaz 2014 in die Schuhbranche schlittern. Mit der Gründung seines Schuhlabels Serfan kehrte er der Lebensmittelindustrie den Rücken. Im Umkreis von 100 Kilometern liefert er die Schuhe mit dem Elektroauto aus, bei nur 15 Kilometern Entfernung zur Geschäftsstelle sogar mit dem Fahrrad. Mittlerweile lässt sich das Schuhsortiment auch in drei Showrooms begutachten und Fragen zu den Produkten werden per Live Chat geklärt.

Myonso

Myonso will Fußbeschwerden bekämpfen. Als Orthopädieschuhtechniker ist sich Gründer Christoph Mätzold der Notwendigkeit von guten Einlagen bewusst. Er entwickelte einen Schuhkonfigurator, mit dem sich ein Schuhsohlen- und Schmerzprofil erstellen lässt. Die individuellen Schuhsohlen sollen dann die Schmerzen lindern. Mätzold erhielt den Leipziger Gründerpreis in der Kategorie „Das beste Start-up 2015“.

Wildling Shoes

2013 verkauften Anna und Ran Yona ihr Fitnessstudio zogen von Israel nach Deutschland. Hier entwickelten sie mit verschiedenen Experten Kinderschuhe. Eine Crowdfunding-Kampagne brachte nach nur 30 Stunden 15.000 Euro.

Shoepassion

Mit Shoepassion machte Gründer und CEO Tim Keding seine Leidenschaft zum Geschäft. Nachdem er das Online-Shopping in einem Auslandsjahr in den USA für sich entdeckt hatte, erweiterte sein Schuhsortiment schnell auf über 100 Paar. Seit 2008 bieten er und Mitgründer Henry Bökemeier handgefertigte und rahmengenähte Schuhe in ihrem eigenen Online-Shop an. Die Zahlen sprechen für sich: Bereits seit 2011 profitabel, stieg der Umsatz des Unternehmens bis 2016 auf 10 Millionen Euro. Damit aber nicht genug: Aktuell fusioniert Shoepassion mit der 1879 gegründeten Schuhmanufaktur Heinrich Dinkelacker und hofft, bis 2019 die 25 Millionen-Euro-Marke zu knacken. Das alles ohne Fremdkapital – die Anteile seines Start-ups behält Keding lieber für sich allein.

Shoemates

Ganz nach dem Prinzip „Get one, Give one“ spenden die Gründer für jeden verkauften Schuh einen weiteren an ein Kind in Afghanistan. Doch hier endet die wohltätige Geschäftsidee noch nicht. Die Schuhe, die die Kunden im Online-Shop bestellen können, wurden in der Passauer Behindertenwerkstätte produziert, die den dort Beschäftigten einen Nebenverdienst ermöglicht. Zusätzlich stammen die gespendeten Schuhe aus dem afghanischen Markt und kurbeln so die lokale Wirtschaft an.

Scarosso

Hohe Qualität bei niedrigen Preisen. Moritz Offeney und Marco Reiter machen es mit ihrem Start-up Scarosso vor. Ihre Strategie: den Zwischenhändler ausschalten. Seit 2010 produziert Scarosso in Italien handgefertigte Schuhe und verkauft sie direkt an den Endkunden. So behält das Duo die Kontrolle über den gesamten Herstellungsprozess. Als Stütze dienen nicht zuletzt die elf Millionen Dollar, die ihnen ihre Investoren zur Verfügung stellten.