Etwa ein Viertel aller Start-ups wechselt im ersten Jahr noch einmal den Namen. Solch eine Änderung ist oft auch weniger dramatisch als es im Vorfeld scheint, wie viele bekannte Beispiele zeigen.

Scope

Das Schweizer Start-up ist mit seinem kuratierten Nachrichten-Dienst unter dem Namen Niuws gestartet. „Der Name hat nicht funktioniert“, sagt Unternehmenschef Peter Hogenkamp. „Die Leute können sich nicht merken, wie man ihn schreibt.“ Daher erfolgte nun die Umbenennung in Scope.

Angel.ai

Wenige Start-ups sorgten 2015 so für Aufsehen wie GoButler. Starmoderator Joko Winterscheidt investierte genauso in den Concierge-Dienst, wie Ashton Kutcher. Doch die Idee, so ziemlich jeden Wunsch per SMS zu erfüllen scheiterte – der Personalaufwand war zu groß. Unter dem Namen Angel.ai arbeitet das Team von Navid Hadzaad in New York jedoch weiter an ihrer Software, die Sprachanfragen – ob per SMS oder Chat – automatisch erkennt und bearbeitet.

 

Kurier des Restaurant-Lieferservice Foodora (dpa)

Kurier des Restaurant-Lieferservice Foodora (dpa)

Foodora

Das Start-up bietet einen Lieferservice für Restaurants, die keinen eigenen Bringdienst haben. Gestartet ist es unter dem Namen Volo in München, doch nach der Übernahme durch Rocket Internet erfolgte die Umbenennung und der Wechsel nach Berlin. Kurze Zeit später wechselte der Besitzer erneut: Foodora gehört nun zu Delivery Hero. Der Name ist jedoch geblieben.

Raisin

Mit ihrer Plattform Weltsparen sind die Berliner sind eines der erfolgreichsten FinTech-Unternehmen. Kunden haben dort einfach Zugriff auf bessere Zinsangebote in anderen Ländern. Einlagen in Höhe von 700 Millionen Euro von 30 000 Kunden hat Gründer Tamaz Georgadze bereits vermittelt. Sein Start-up hieß bislang Saving Global, nun hat er es in Raisin umbenannt. Das steht für “Raise your interest” und soll zudem als Marke für die nun anstehende Internationalisierung genutzt werden.

Xing

Eines der bekanntesten und erfolgreichsten Internetunternehmen ist das beste Beispiel dafür, dass Start-ups ihren Namen nochmal wechseln können. Als openBC hatte Lars Hinrichs das Business-Netzwerk 2003 gestartet. Doch statt mit „business club“ assoziierten viele gerade im englischsprachigen Raum BC mit „before christ“, räumte Hinrichs bei der Umbenennung ein.

Xing sollte als Name international funktionieren. Dass die Aussprache dabei nicht eindeutig ist, war Hinrichs bewusst und egal. „Wir wollen die Aussprache nicht vorgeben“, sagte der Unternehmensgründer. So sagen Deutsche „Ksing“, Chinesen “Sching” und Amerikaner wiederum „Crossing“, da Xing auf Straßenschildern auf eine Kreuzung hinweist.

Auch international sind Umbenennungen nicht ungewöhnlich, so hieß Ebay anfangs AuctionWeb und statt Amazon nannte Jeff Bezos sein Unternehmen ursprünglich Cadabra. Doch als sein Anwalt „Cadaver“ verstand, entschied er sich für den Wechsel.

Klara

Mit einer App zur Selfie-Diagnose von Hautkrankheiten sind Simon Lorenz und Simon Bolz gestartet. Goderma hieß ihr Start-up: Nutzer können Fotos von Rötungen oder verdächtigen Leberflecken machen und bekommen eine Ersteinschätzung. Was hierzulande bei vielen Ärzten auf Ablehnung stößt, ist in den USA schon weit verbreitet. Bei der Expansion in die USA änderte das Start-up den Namen. Klara soll „emotionaler und menschlicher“ klingen. Zudem halte der Name auch die Vision offen, „die Zukunft der medizinischen Kommunikation im Allgemeinen mitzugestalten.“

Koawach

Koawach: Heiko Butz (28, l.) und Daniel Duarte (26).

Koawach: Heiko Butz (28, l.) und Daniel Duarte (26).

Wer nach dem Auftritt in der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ den mit Koffein angereicherten Kakao kaufen wollte, musste sich gedulden. Das Start-up kam mit der Lieferung nicht nach. Der Auftritt brachte den Berlinern zudem ein Investment von Jochen Schweizer. Ob sie auch mit ihrem ursprünglichen Namen Erfolg gehabt hätten? Da das Koffein aus Guarana stammt und die Rohstoffe fair gehandelt werden, hieß das Start-up erst GUAfair.

Gini

Auch das gerade zum FinTech des Jahres gewählte Gini hieß einmal anders: Unter dem Namen Smarchive war das Start-up von Steffen Reitz 2012 im Finale des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs. Doch im Frühjahr 2013, zwei Jahre nach der Gründung, erfolgte die Umbenennung in Gini. „Der Aufwand war größer als gedacht und die Umstellung dauerte länger als erwartet“, sagt Reitz. Trotzdem würde er den Schritt wieder tun und das obwohl das Start-up auf eine zuvor vorhandene Adresse mit der Endung .de verzichten muss. Da diese von einer Tai-Chi-Lehrerin belegt ist, firmieren die Münchner unter Gini.net.

Skive

Vor allem wenn es ins Ausland gehen soll, überdenken viele Gründer ihre Marke nochmal – so auch Felix Klühr. Der hatte für sein Start-up mit QLearning zwar schon einen international Namen, trotzdem wechselt das Unternehmen nun zum flotter klingenden Skive. Das Start-up hilft Studenten bei der Prüfungsvorbereitung, 150 000 Studierende an 120 Universitäten nutzen das Angebot.

Wunder

Auch Gunnar Froh hat sein Start-up umbenannt. Wundercar hieß das Hamburger Unternehmen ursprünglich, das per App Mitfahrten in Städten vermittelt. Die Idee zum Namenswechsel entstand durch die Nutzer. Viele hätten bei Fahrten gesagt, sie nutzen ein „Wunder“. „Das ist auch schneller und universeller“, sagt Froh. Und somit praktisch, falls sich das Start-up seine Aktivitäten auf andere Felder der Sharing-Economy ausdehnen will.

Volders

Mit den Machern von Aboalarm stritt Jan Hendrik Ansink lange um den Namen Vertragslotse. Doch gerade als er die Auseinandersetzung gewonnen hatte, wechselte er Namen und Branding. Volders soll  internationaler und seriöser sein als Vertragslotse – so wurde auch das bisherige Logo, ein bärtiger Kapitän mit Brille, geopfert. „Wir haben uns gefragt, ob die Nutzer ihre Verträge wirklich einem lustigen Kapitän anvertrauen wollen“, sagt Ansink.