Von Till Daldrup

Früher waren es Soziale Netzwerke und Spiele, heute ist es Software: Die deutsche Start-up-Szene setzt mehr und mehr auf die Technik hinter der Digitalisierung. Auch E-Commerce steht bei Gründern hoch im Kurs, wie der Start-up-Monitor des Bundesverbands Deutscher Start-ups und der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht zeigt. Die Studie analysiert seit 2013 jährlich die Gründerszene. Auch international liegen die Themen Software und Onlinehandel im Trend.

Rund 900 Start-ups nahmen 2014 an der Studie teil, mehr als ein Fünftel hat sich auf Software- und Servicelösungen spezialisiert. „Software as a service“ ist damit das größte Start-up-Segment in Deutschland.

Die höchsten Investitionssummen in Technologie-Start-ups

Delivery Hero (Berlin)
656.7 Millionen US-Dollar
Bigpoint.com (Hamburg)
460.5 Millionen US-Dollar
BestSecret.com (Aschheim)
248.0 Millionen US-Dollar
WestWing (München)
149-.1 Millionen US-Dollar
SoundCloud (Berlin)
123.3 US-Dollar

Das Prinzip dahinter: Start-ups wie Planio oder Easybill bieten ihren Kunden IT-Services an, die diese nach Bedarf aus dem Internet abrufen können. „Das sind dann sehr präzise Anwendungen, auf die ich über einen Cloud-Dienst zugreifen kann und die mir Arbeitsabläufe erleichtern“, sagt Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverband Deutsche Start-ups.

Neben Größen wie Amazon und Zalando drängen auch immer mehr E-Commerce-Start-ups auf den Markt. Mit zwölf Prozent folgt die Branche im Start-up-Monitor auf dem zweiten Platz. Dort zeige sich der Trend zur Individualisierung, sagt Ibrahim Evsan, Reputations-Berater und Start-up-Experte. Unternehmen wie Modomoto und Dawanda bieten beispielsweise individuelle Mode und Design-Objekte an und grenzen sich damit bewusst von den großen Marktplätzen ab. Die Idee: „Ich kann mir zum Beispiel meine Tasche oder meine Schuhe in genau den Farben holen, die ich haben möchte“, so Evsan.

Wie beliebt die E-Commerce-Branche ist, zeigt sich auch an den Investitionen. Ein Drittel aller Start-ups, die im ersten Halbjahr 2014 in Deutschland aufgekauft wurden, waren Onlinehändler. Das belegt eine Studie von EY (früher Ernst & Young), die Venture- und M&A-Investitionen – sprich Risikogeschäfte sowie Fusionen und Übernahmen – bei Technologie-Start-ups untersucht. Dieser Trend macht sich auch bei den einzelnen Unternehmen bemerkbar. Unter den Top fünf Technologie-Start-ups, in die die höchsten Summen flossen, stehen mit Delivery Hero (657 Millionen US-Dollar), Best Secret (248 Millionen US-Dollar) und West Wing (149 Millionen US-Dollar) gleich drei E-Commerce-Unternehmen.

Software-Start-ups folgen mit einem Anteil von 19 Prozent hinter dem Internethandel – ein Zuwachs von sechs Prozent im Vergleich zu 2013. Erst dahinter tauchen Investitionen für Netzwerke und Kommunikation auf.

Berater Evsan glaubt, dass sich gerade Investments in kleine Software-Dienstleister lohnen könnten, da das Service-Segment in den nächsten zwei Jahren noch zulegen werde. „Alles, was mir das Leben einfacher macht, was mir Bankgeschäfte, Versicherungsabschlüsse und das Einkaufen im Netz erleichtert, wird meiner Ansicht nach sehr groß werden“, sagt Evsan.

Ein Trend, der sich auch international abzeichnet. Risikokapital-Experte Thomasz Tunguz analysierte dies bereits 2014 in einem Blog-Eintrag: Auf Grundlage von Zahlen der Start-up-Datenbank Crunchbase untersuchte er, welche Neugründungen zwischen 2010 und 2013 von Investoren besonders unterstützt wurden. Sein Ergebnis: Werbe- und Big-Data-Start-ups hatten es schwer, an Kapital zu kommen. Deutlich einfacher war es in den Bereichen E-Commerce und Mode.

Auch Hard- und Software-Firmen waren bei Investoren begehrt, besonders der Bereich Unternehmenssoftware zählte zu den großen Gewinner. Auch in Messaging- sowie Gesundheits- und Wellness-Unternehmen investieren die Kapitalgeber. In Deutschland ist es für Start-ups jedoch immer noch vergleichsweise schwierig, an Geld zu gelangen. „In Deutschland investieren viele Geldgeber nur, wenn sie sich sicher sind, dass dieses Start-up das nächste große Ding wird“, sagt Ibrahim Evsan. In den USA sei dies anders, da könne man auch mal ohne finanziellen Druck „ein wenig rumprobieren“.