Außerdem würden Praktikanten in der Start-up-Branche zumeist bereits fair bezahlt, so die allgemeine Meinung. Das kann DaWanda-Gründerin Helming bestätigen: Werksstudenten hätten bei DaWanda schon vorher deutlich mehr verdient und auch bei den Praktikanten habe sich das Gehalt seit der Mindestlohn-Einführung nicht deutlich bewegt. „Wir stellen weiterhin Praktikanten für sechs Monate ein, freiwillige ebenso wie Pflichtpraktikanten. Allerdings sind wir bestrebt, offene Positionen wo möglich direkt mit einer Festeinstellung zu besetzen.“

Der Praktikantenspiegel aus dem vergangenen Jahr kam zu einem ähnlichen, aber recht eindeutigen Ergebnis: Der Großteil der Praktikanten war demnach weitgehend zufrieden mit seinem Gehalt. Lediglich jeder fünfte Masterstudent äußerte sich unzufrieden. Unter den Bachelorstudenten waren es 18 Prozent. Deshalb sieht Absolventa-Geschäftsführer Christoph Jost, einer der Initiatoren der Studie, das Mindestlohngesetz „an den Bedürfnissen von Studenten und Arbeitgebern vorbei entwickelt. Wenn man die neuen Vorgaben knallhart umrechnet, kommen wir schnell auf eine Mehrbelastung der deutschen Wirtschaft, die bei über acht Milliarden Euro liegt – jedes Jahr.“

Bei der Mindestlohn-Kritik geht es aber nicht nur um die finanzielle Mehrbelastung, sondern auch um steigende Bürokratiekosten. „Der administrative, bürokratische Aufwand hat sich für unsere Personalabteilung durchaus erhöht, ein Pflichtpraktikum muss zum Beispiel von der Hochschule sowie dem Bewerber bescheinigt werden“, berichtet etwa DaWanda-Gründerin Helming. Dabei ist das nur eine Kleinigkeit: Das Gesetz zur Einführung des Mindestlohns beinhaltet die Pflicht für alle Unternehmen, die Zahlung des Mindestlohns zu dokumentieren – etwa indem Arbeitsbeginn, Stundenzahl und Arbeitsende in Plänen festgehalten und zwei Jahre aufgehoben werden muss.

„Für Unternehmen mit etablierten Strukturen ist das teilweise schon ein Problem, für Start-ups dagegen ein erheblicher Mehraufwand“, sagt Ehrlich. „Dass dies sogar in der Politik erkannt ist, zeigt auch die aktuelle und kontrovers geführte Diskussion in der Koalition“, so Ehrlich. Immerhin: In puncto Dokumentationspflicht könnte Ministerin Nahles sich bald erweichen lassen. Vor wenigen Tagen kündigte sie mögliche Änderungen in diesem Bereich für den Sommer an.