„Das Ausbildungssystem ist kaum auf digitale Inhalte und Kompetenzen ausgerichtet. Start-ups übernehmen diese Ausbildungsfunktion im Rahmen von Praktika und tragen dadurch per se schon hohe Kosten, die der gesamten Digitalwirtschaft zu Gute kommen“, sagt auch Constanze Buchheim, Gründerin und Geschäftsführerin von i-potentials und BVDW-Präsident Ehrlich weist darauf hin: „Gerade Start-ups geben Einblick in neue innovative Geschäftsmodelle und bieten die Chance, schnell in den qualifizierten Arbeitsmarkt hineinzukommen.“ Denn häufig bringen Praktika nach dem Studienabschluss den ersten versicherungspflichtigen Job – wie etwa bei Helming: „Bei DaWanda sind heute viele verantwortungsvolle Positionen durch ehemalige Praktikanten und Werkstudenten besetzt. Uns war es immer wichtig, talentierte Kandidaten zu halten und weiter zu fördern.“
Das könnte sich bei manchen aber ändern, wenn Start-ups sich das Praktikantengehalt nicht leisten können, warnt der BVDS. Einen Mindestlohn von rund 1300 Euro plus Lohnnebenkosten liege über den finanziellen Möglichkeiten der meisten Start-ups, so der BVDS. Das bestätigt auch der Geschäftsführer eines Internet-Start-ups, der anonym bleiben möchte. Bei ihm bekamen Praktikanten ohnehin Geld, aber eben weniger: „Es wäre eine extreme Mehrbelastung, wenn wir jetzt den Praktikanten auch noch Mindestlohn zahlen müssten. Das können wir als relativ junges Unternehmen auf Dauer überhaupt nicht stemmen.“ Die Konsequenz: Interessierte können bei dem Online-Portal nur noch Pflicht- und Drei-Monats-Praktika absolvieren. „Die Regelung wird damit zur Bremse für die gerade aufkeimende Startup-Szene und zur Bedrohung für Innovation und Wachstum in Deutschland. Sie löst einen Pakt, über den bisher die Ausbildung für die Digitalwirtschaft gewährleistet wurde“, so Buchheim. Damit dürften zahlreiche Praktika ab sofort schlichtweg wegfallen. Ein Nachteil für die Unternehmen und auch die Studenten.