Von Abdeckvliesen über Gourmet-Pommes bis zum Messenger für Kinder: Welche Geschäftsideen heute in der Vox-Show präsentiert werden.

Alles Ramsch? „Endstation Grabbeltisch“ betitelte die Verbraucherzentrale NRW vergangene Woche eine Pressemitteilung zur Vox-Show „Die Höhle der Löwen“. Die etwas seltsame Kritik der Verbraucherschützer: Frisch in der Sendung vorgestellte Produkte seien Monate später oft deutlich günstiger zu bekommen. Zudem beklagten sich viele Käufer in Amazon-Bewertungen über die Qualität. Vox hat die pauschale Kritik wenig überraschend deutlich zurückgewiesen – und verwies darauf, dass viele Produkte auch sehr gut bewertet werden.

Unstrittig ist indes: Viele der Start-ups in der TV-Show zielen tatsächlich auf den Einzelhandel – und erhoffen sich von der Ausstrahlung neben Kapital vor allem einen Vertriebsschub. Welche Gründer in Vorbereitung auf die siebte Folge (20:15 Uhr, Vox) ihre Server verstärkt haben dürften, verrät unsere Vorschau:

 

Abdeckblitz
Mario Ballheimer aus Bad König weiß als selbständiger Maler- und Lackierermeister mit über 20-jähriger Berufserfahrung wie viel Zeit das ordentliche Abkleben von Fenstern, Lichtschaltern oder Böden vor dem eigentlichen Streichen in Anspruch nimmt. Mit seinem „Abdeckblitz” soll das nun der Vergangenheit angehören. Das selbstklebende Schutzvlies besteht aus einem robusten Material mit einer rutschhemmenden Oberfläche, welches einfach ausgelegt, angedrückt und zugeschnitten wird. Der „Abdeckblitz” soll auf nahezu allen Oberflächen haften und zudem reißfest, wasserbeständig, chemikalienfest und wiederverwendbar sein. Seine Erfindung hat Mario Ballheimer bereits zum Patent angemeldet. Um auf dem Markt durchzustarten benötigt der 48-Jährige Kapital in Höhe von 100.000 Euro und bietet dafür zehn Prozent der Firmenanteile.

Kaiserschlüpfer
Nach einer Kaiserschnittgeburt war für Juli Steinbach der Druck herkömmlicher Kleidung auf ihre OP-Narbe kaum auszuhalten. Gemeinsam mit ihrer Hebamme Daniela Westberg-Heuer entwickelte die Marketingfachfrau einen speziellen Slip mit einer integrierten Tasche, in die ein Kühlpad eingelegt werden kann. Zudem sitzt der Stützbund besonders hoch. 2016 haben die beiden Frauen das Unternehmen Kaiserschlüpfer gegründet, um den Slip zu vermarkten. Seither haben sie sechs weitere Varianten entwickelt. Bisher verkaufen die Gründerinnen ihre Produkte hauptsächlich über ihren Online-Shop, möchten jetzt aber auch in den stationären Handel. Um die nötige Vertriebsstruktur auszubauen, erhoffen sich die Hamburgerinnen eine Finanzspritze von 100.000 Euro und bieten dafür 15 Prozent an ihrem Unternehmen.

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Frittenlove
2011 erhielt Koch Sascha Wolter mit seinem Restaurant einen Michelin-Stern – doch irgendwann beschloss er, nur noch Pommes zu machen. „Frittenlove“ war geboren. Von Massenprodukten wollte sich Wolter deutlich abheben: Er experimentierte mit allerlei Zutaten, um den Kartoffelprodukten einen besonderen Geschmack zu geben. Mittlerweile bietet sein Unternehmen, das er zusammen mit seiner Frau Ina betreibt, unter anderem Fritten mit Kichererbsen, Kürbiskernen und Truffelöl an. Zu den Abnehmern gehört der Großhandel, der die Gastronomiebranche beliefert. Mit einem Investment von 60.000 Euro wollen die Gründer aus Backnang bei Stuttgart die Produktionskapazitäten erhöhen und Marketingaktivitäten ausbauen. Sie bieten zehn Prozent der Firmenanteile.

Privalino
Einen Messenger für Kinder zwischen sechs und zehn Jahren stellt das Start-up Kitext aus Frankfurt vor. Die Besonderheit von Privalino: Im Hintergrund analysiert ein komplexer Algorithmus den Schreibstil der Chat-Partner – und soll so erkennen, wenn das Kind unwissentlich mit einem Erwachsenen chattet. Der Grund: Immer wieder werden Kinder Opfer von sogenannten Cyber-Groomer, also (erwachsenen) Menschen, die versuchen, über anonyme Chatplattformen sexuelle Kontakte anzubahnen. Erkennt die künstliche Intelligenz von Privalino gefährliche Muster, bekommt das Kind einen Warnhinweis. Bei mehreren verdächtigen Nachrichten werden auch die Eltern kontaktiert und der Chat unterbrochen. Die Gründer Patrick Scheider und Nicolai Erbs würden gegen ein Investment von 250.000 Euro 15 Prozent ihrer Firmenanteile abgeben.

Kuchentratsch
Katharina Meyer und Anna Bründermann servieren den „Löwen” selbst gebackenen Kuchen – gebacken von Oma Anni und Opa Norbert. Kuchentratsch ist ein soziales Start-up, bei dem mittlerweile über 35 Seniorinnen und Senioren Kuchen backen. Gemeinsam stehen sie in der Münchner Backstube, können neue Kontakte knüpfen und sich gleichzeitig etwas zur Rente dazu verdienen. Die fertigen Backwaren werden an Münchner Cafés und über den eigenen Onlineshop an Firmen und Privatkunden geliefert. Von den „Löwen“ erhoffen sich die Gründerinnen ein Investment von 100.000 Euro, um die Versandverpackung und den Onlineshop zu optimieren. Als Beteiligung bieten sie zehn Prozent des Unternehmens.