Eine verschobene Oberbürgermeister-Wahl, eine abgesagte Fashion-Messe und viele überraschende Investitionen: Diese Woche hatte es in sich. 

Die Stadt Köln muss – wegen zu kleiner Schrift – die Oberbürgermeister-Wahl verschieben. Das ist nicht nur peinlich, sondern kostet auch mehr als eine Million Euro. Es ist dabei nicht die erste Panne bei einer Wahl. Schon bei den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr waren in einem Briefwahlbezirk die Stimmen von CDU und SPD vertauscht worden. Die Folge: SPD und Grüne verloren im Stadtrat ihre Ein-Stimmen-Mehrheit. Die aussichstreichsten Kandidaten müssen sich jetzt noch vier Wochen länger gedulden. Genug Zeit, um über ihre digitalen Strategien nachzudenken, die sie bei erfolgreicher Wahl für Gründer umsetzen wollen. Da gibt es noch Nacholbedarf.

Und auch ein anderes politisches Thema hat die Start-up-Szene wieder berührt, die Flüchtlingsdebatte. Zalando hat die Messe Bread & Butter in dieser Woche – nach einigen Querelen – nun doch abgesagt. Der Berliner Senat prüft derzeit, ob Flüchtlinge in den Hallen des ehemaligen Flughafens Tempelhof untergebracht werden können. Der Modehändler plante dort im Januar das Event und war entsprechend wenig begeistert.

Aber es gab in dieser Woche auch viel Verständnis: “Vielleicht sollten wir überdenken, was wir mit Flüchtlingen assoziieren und den amerikanischen Traum nach Deutschland bringen”, schreibt der Journalist Filipp Piatov. Auf seiner Facebook-Seite postet er dazu ein Bild des StudiVZ-Gründers Ehssan Dariani. Auch der gebürtige Iraner kam einst als Flüchtling nach Deutschland und baute dann das Unternehmen auf, heute ist er Millionenschwer und hilft anderen Start-ups beim Aufbau. In dieser Woche war er in Köln auf dem Pirate Summit. Zwei Tage lang wird dort beratschlagt, verhandelt und gefeiert. Im Mittelpunkt stehen Vorträge vieler renommierter Sprecher, Diskussionen, Vorträge und auch ein Pitch. 2010 ist das Event im Kölner Norden mit 150 Besuchern gestartet, in diesem Jahr waren es schon 1000 Personen.

Dass es für die deutsche Start-up-Szene ohnehin gut läuft, zeigen auch die Finanzierungsrunden dieser Woche: Dubsmash, mit 75 Millionen Nutzern eine der populärsten Apps, hat in dieser Woche ihre erste Finanzierungsrunde abgeschlossen. Das Berliner Start-up sammelt 5,5 Millionen Dollar ein. Einen ähnlich hohen Betrag gab es in dieser Woche auch für das digitale Laborbuch Labfolder. Sie haben einen nicht näher genannten siebenstelligen Betrag eingesammelt und planen nun die Internationalisierung. Das Berliner Unternehmen Decimo, das Selbstständigen und kleinen Unternehmen Rechnungen abkauft, erhält eine sechsstellige Summe von einem der Intershop-Mitgründer, wie Decimo am Mittwoch in einer Mitteilung bekannt gab.

Die Höhle der Löwen hat auch in dieser Woche wieder viele Menschen begeistert – und das nicht nur im Fernseher. Für das Hamburger Start-up Spottster lief es am Dienstag alles andere als gut, zu hohe Ziele und dann auch noch eine unvollständige Marktanalyse. Dabei wurde ausgerechnet ein Start-up vergessen, in das Juror Frank Thelen investiert hat. Nach der Sendung lief es besser: Die Nutzerzahlen stiegen um 60 Prozent an, mehr als 200 „positive und motivierende Mails“ gingen bei den beiden Gründern ein. Im Interview erzählt Freya Oehle, warum sie gar keine Zeit für Enttäuschung hatte, wie sich die „Höhle der Löwen“ von richtigen Finanzierungsrunden unterscheidet und wie Spottster trotz der Skepsis der Vox-Geldgeber noch einen Investor fand.

Es war nicht das einzige Start-up, das nach der Höhle der Löwen eine Positiv-Nachricht vermelden konnte – mit dem Unterschied, dass es schon in der Sendung gut für das Unternehmen lief: Der Gründer des Accessoire-Start-ups Von Floerke konnte mit Frank Thelen, Vugal Öger und Judith Williams gleich drei der „Löwen“ für sich gewinnen, auch die anderen beiden hätten ihm noch ein Gegenangebot gemacht. Er entschied sich aber für seine Wunsch-Löwen. Eine gute Entscheidung: Am Donnerstag wurde bekannt, dass der Gründer nicht nur 100.000 Euro erhält, wie in der Sendung vereinbart, sondern 180.000 Euro. Der Unternehmensanteil, den er an Von Floerke abgeben muss, bleibt aber mit einem Drittel gleich.

Und zum Schluss: Wir haben eine neue Kolumnistin, die unter anderem aus ihrem Alltag als Nebenbei-Gründerin erzählt. Meike Haagmans ist Stewardess und Gründerin. Das ist nicht immer leicht, aber sie würde niemals einen der beiden Jobs aufgeben. Warum das so ist? Sie erzählt es in ihrer ersten Kolumne.