Jetzt haben Sie ja Ihren Vorschlag für einen Gesetzentwurf bereits Ende Januar präsentiert. Ist seitdem etwas passiert?

Es gibt Bewegung. Das Thema ist wieder stärker ins Bewusstsein gerückt und wir spüren mehr Dynamik. Viele, die das Thema in den Koalitionsvertrag geschrieben haben, fordern jetzt von der Regierung, dass endlich eine Umsetzung erfolgen sollte. Unser Gesetzentwurf stellt lediglich eine Diskussionsgrundlage dar. Ich bin weit davon entfernt, dass er eins zu eins übernommen werden soll. Ich warte jetzt eigentlich darauf, dass die Politik etwas vorlegt. Der Ball liegt jetzt bei ihr.

Müssen denn auch die Gründer noch etwas tun, um das Thema präsenter zu machen?

Gründer und Investoren ziehen an einem Strang. Hier stellen wir fest:  Das Hauptproblem von Gründern ist nicht die Finanzierung in der sogenannten Seedphase. Da gibt es relativ gut ausgestattete Gründerprogramme. Wenn die Unternehmen allerdings erfolgreich werden und wachsen und in die zweite und dritte Finanzierungsrunde gehen, wird es schwierig. Das heißt: Wir tun sehr viel dafür, das Kind auf die Welt zu bringen, aber wenn es laufen lernen soll, lassen wir es allein. In dieser Entwicklungsphase  ist privates Kapital gefragt. Davon gibt es in Deutschland leider zu wenig. Diese bestehende Lücke in der Anschlussfinanzierung müssen wir durch verbesserte Rahmenbedingungen schließen. Deutschland kann es sich dauerhaft nicht leisten, dieses Potenzial ungenutzt zu lassen. Es ist noch ordentlich Saft in der Zitrone!

In den vergangenen Jahren war es ein Auf und Ab mit den Investitionen auf dem deutschen Venture-Capital-Markt. Wie blicken Sie in die Zukunft?

Durch die Dynamik in der Politik und dem Streben nach einer Gründerkultur gehe ich davon aus, dass wir mehr Finanzierungsrunden bekommen werden. Wichtig ist hierfür die Voraussetzungen zu schaffen. Es gibt zwei, drei Steuerthemen, die dazu führen, dass die vielen ausländischen Investoren sich hier nicht engagieren. Wenn wir diese Hindernisse aus dem Weg räumen, bin ich guten Mutes für den Markt in Deutschland.

Und wenn nicht?

Wenn nicht, droht Deutschland den Anschluss zu verlieren. Es ist fünf vor zwölf. Wenn wir jetzt nicht handeln, können wir unsere  Innovationen nicht mehr hier in Deutschland halten. Ein Beispiel: Alle reden derzeit von 3D-Druckern. Die sind die Zukunft und revolutionieren viele Industriebereiche. Dass die 3D-Drucker allerdings in Deutschland entwickelt wurden – zu Beginn finanziert in Bayern, weiß kaum einer. Als die Gründer wachsen wollten, bekamen sie hierzulande keine Weiterfinanzierung – und gingen in die USA. Jetzt herrscht deshalb die gängige Meinung, sie seien in den USA entwickelt worden. Das Beispiel veranschaulicht, wie Spitzentechnologien aus Deutschland abwandern, weil hier die großen Wachstumsfinanzierungen fehlen. Das sollten wir nicht zulassen.