Das heißt, was müsste die Politik in Ihren Augen angehen?

Wir denken, dass man mit wenigen Maßnahmen einen gesetzlichen Rahmen schaffen könnte, um es Gründern leichter zu machen. Der BVK hat dazu einen Gesetzentwurf für ein Venture-Capital-Gesetz vorgelegt. Dieser Vorschlag  sieht Verbesserungen im Aufsichtsrecht und im Steuerrecht vor. Diese Änderungen sind wichtig, damit wir im Vergleich zu europäischen Nachbarn nicht länger im Nachteil sind.

Zudem brauchen wir ein besseres Anreizsystem für diejenigen, die in Venture Capital  investieren. Zum Beispiel mit steuerlichen Anreizen, wie die Franzosen es erfolgreich vormachen. Ein anderes Modell wären etwa Garantien von Seiten des Staats. Sprich für jeden Euro, der in einen Venture-Capital-Fonds investiert wird, gibt es eine Garantie. Das könnte insbesondere für institutionelle Investoren ein interessantes Modell sein. Insgesamt stellen wir aber fest: Viele Venture-Capital-Fonds in Deutschland sind recht erfolgreich – der Name Risikokapital ist da eigentlich falsch gewählt.

Verfolgt man Ihre Kommentare zu den Äußerungen der Bundeskanzlerin in Bezug auf Start-up-Investitionen, so freuen Sie sich teilweise über die Zustimmung, die von Angela Merkel immer mal wieder zu hören ist, andererseits geht es Ihnen aber nicht schnell genug, oder?

Das haben Sie richtig erkannt. Natürlich freue ich mich darüber, wenn die Bundeskanzlerin sich für Verbesserungen, zum Beispiel beim Thema Verlustvortrag, ausspricht. Im Koalitionsvertrag haben beide Parteien vereinbart, ein Venture-Capital-Gesetz vorzulegen, aber wir merken, dass im Ergebnis bisher nichts passiert ist. Wir haben noch nicht einmal ein Eckpunkte-Papier für ein solches Gesetz. Deshalb sind wir nicht zufrieden: Den Worten im Koalitionsvertrag müssen jetzt auch Taten folgen.

Ist es denn nur die Politik oder hat auch die Wirtschaft hier Nachholbedarf?

In der Wirtschaft herrscht Einigkeit darüber, dass wir verbesserte Rahmenbedingungen brauchen. Die großen DAX-Konzerne, der Mittelstand und insbesondere auch die großen Medienunternehmen müssen sich den neuen Bedingungen durch die Digitalisierung anpassen. Zu diesen neuen Bedingungen gehören Start-ups, die diese Neuerungen in die Unternehmen tragen. Die Wirtschaft hat das erkannt und fordert deswegen ebenfalls Verbesserungen in diesem Bereich. Die Akzeptanz ist  eindeutig da. Wir sehen den Handlungsbedarf eindeutig bei der Politik.