350 Millionen Euro stecken Investoren in einen neuen Topf. Technologisch bleibt der Fokus nah am Kerngeschäft des Mutterkonzerns – doch die Gesellschafter werden internationaler.

Cloud- und Netzwerkinfrastruktur, 5G, die vernetzte Industrie, Cybersicherheit, Künstliche Intelligenz und Marketing-Technologie: Der Fokus der Start-ups, in die Deutsche Telekom Capital Partners (DTCP) investiert, liegt in aller Regel nah an den Geschäftsbereichen des magentafarbenen Mutterkonzerns. Doch das kürzlich vier Jahre alt gewordene Investment-Vehikel öffnet sich auch für externe Geldgeber.

Im zweiten Fonds der Gesellschaft, dessen Schließung in dieser Woche öffentlich wurde, stecken 350 Millionen Dollar (knapp 310 Millionen Euro). Und das nicht ausschließlich von der Telekom. Mit an Bord sind zum einen institutionelle Anleger. Zum anderen beteiligen sich auch der deutsche Optik-Konzern Zeiss sowie mit SK Telecom ein großer koreanischer Mobilfunkbetreiber.

Investieren auch in Asien

Der gibt einen Hinweis auf den regionalen Fokus von DTCP, der sich verbreitert. Mit Büros in Hamburg, im Silicon Valley und in einem Vorort von Tel Aviv waren die Schwerpunkte bislang klar abgesteckt. Von den insgesamt 78 Beteiligungen (darunter auch an weitere Fonds und in Ausgündungen der Telekom), die DTCP auf seiner Homepage auflistet, stammt ein knappes Drittel aus Deutschland, viele andere aus den USA und Israel.

Von einem neuen Büro in Seoul aus soll nun auch der asiatische Markt nach lohnenden Beteiligungen durchforstet werden: „Die Kollaboration mit SK Telecom ist der Schlüssel für die Ausweitung unserer Aktivitäten in den asiatischen Markt“, lässt sich DTCP-Chef Vicente Vento in einer Pressemitteilung zitieren.

Doppelmandat für DTCP

Viele Investmentgesellschaften von großen Konzernen zielen auf strategische Beteiligungen: Mit einer Finanzierung erhalten die etablierten Firmen Zugriff auf Köpfe und Ideen von relevanten Start-ups. Ein finanzieller Erfolg einer Beteiligung wird gerne gesehen, ist aber nicht in allen Fällen entscheidend für die Erfolgsbewertung. Der Softwarekonzern Salesforce hat etwa vor kurzem einen solchen Fonds neu für Europa aufgelegt.

DTCP ist dagegen mit einem Doppelmandat ausgestattet: „Die Investments der DTCP sind in erster Linie finanziell motiviert – DTCP soll Anteile an Unternehmen kaufen, diese wachsen sehen und die Anteile mit Gewinn wiederverkaufen“, heißt es im aktuellen Geschäftsbericht der Deutschen Telekom. Spätestens mit der Beteiligung weiterer Geldgeber rückt die Rendite für die Investment-Teams noch weiter in den Fokus.

Gleichzeitig sieht die Telekom auch einen inhaltlichen Nutzen der Investment-Tochter: „Durch den Fokus auf finanzielle Rendite hat DTCP die Möglichkeit, sich an sehr erfolgreichen Unternehmen zu beteiligen, die den Konzern auch strategisch voranbringen“, heißt es weiter im Geschäftsbericht. Bei dem Exit an der Portfolio-Firma Relayr dürfte sich das verbunden haben. Das Start-up entwickelt innovative Geschäftsmodelle für das vernetzte Internet – die Telekom stieg hier im Februar 2018 im Rahmen einer „strategischen Partnerschaft“ ein. Bereits im Herbst 2018 übernahm der Rückversicherer Munich Re für 300 Millionen Euro alle Anteile an dem Start-up.