In junge Start-ups werden in Europa immer größere Summen investiert. Auch in Deutschland hat sich das Niveau gesteigert – zwei andere Ländern ziehen dennoch davon.

Deutsche Start-ups erhalten im Schnitt europaweit die höchsten Anschubfinanzierungen – doch insgesamt wird hierzulande deutlich weniger und seltener in Frühphasen-Unternehmen investiert als in Frankreich und Großbritannien. Das zeigen Ergebnisse eines europaweiten Branchenreports des Fintechs Stripe, des Acceleratorprogramms Techstars und des Marktforschungsunternehmens Tech.eu (hier geht es zum Report).

Insgesamt hat sich dabei das Finanzierungsvolumen in frühen Start-up-Phasen europaweit deutlich erhöht. Für das erste Halbjahr 2015 summierten sich die Investmentrunden laut der Studie auf 876 Millionen Euro, für das erste Halbjahr 2018 wurden 3,6 Milliarden Euro gezählt. In einer “Frühphase” befinden sich laut der Definition des Reports dabei Start-ups, die maximal fünf Millionen Euro Risikokapital eingesammelt haben und noch keine größeren Umsätze verbuchen. Grob werden damit die so genannten Seed- und ein Großteil der Series-A-Finanzierungen betrachtet.

70 Frühphasenfinanzierungen pro Quartal

In diesem Jahr wurde dabei jeweils ein Vierte der gesamten Finanzierungssumme in Großbritannien und Frankreich investiert. Auf deutsche Start-ups in frühen Entwicklungsstadien entfielen danach knapp 13 Prozent des Risikokapitals. Diese Summe, in den letzten Quartalen jeweils mehr als 200 Millionen Euro für deutsche Start-ups, verteilte sich zuletzt auf um die 70 Investments pro Quartal hierzulande. In Frankreich und Großbritannien wurde die jeweilige Summe zum Teil auf in doppelt so vielen Runden vergeben.

Obwohl sie seltener stattfänden, so die Autoren des Reports, seien die einzelnen Runden im Schnitt in Deutschland größer als anderswo in Europa. Immer wieder stecken Risikokapitalgeber auch kurz nach der Gründung Millionensummen in deutsche Start-ups – Beispiele aus diesem Jahr sind etwa die etwa neun Millionen Euro für den Geschäftskonten-Anbieter Penta oder eine siebenstellige Finanzierung für die Management-Plattform Bunch.

Neben einigen privaten Risikokapitalgebern mit Frühphasenfokus wie Project A trägt in Deutschland auch der High-Tech Gründerfonds zu diesem Ergebnis bei. Der halbstaatliche Fonds hatte im vergangenen Jahr die Summe, die in ein einzelnes Start-up investiert werden kann, deutlich erhöht. Geht es dagegen um hohe Finanzierungssummen, um ein erfolgreich getestetes Geschäftsmodell schnell wachsen zu lassen, kritisieren immer noch viele Gründer die schwache Ausstattung deutscher Risikokapitalgeber.