Mehr Finanzierungsrunden – und viel mehr Geld: Laut einer Studie wurden 2017 bereits 2,16 Milliarden Euro in deutsche Start-ups investiert. Die Aussichten bleiben gut.

Neues Geld für weiteres Wachstum: 264 Mal konnten sich deutsche Start-ups in den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 über den Abschluss einer Finanzierungsrunde freuen, ein Plus von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Insgesamt investierten Risikokapitalgeber 2,16 Milliarden Euro in die jungen Unternehmen – fast die Hälfte der Summe floss in E-Commerce-Start-ups, dahinter folgten Fintechs und Health-Start-ups.

Das zeigt die aktuelle Ausgabe des Start-up-Barometers, den die Beratungsgesellschaft EY heute veröffentlicht hat. „Die deutsche Start-up-Szene hat sich im ersten Halbjahr wieder sehr lebhaft entwickelt“, sagt Peter Lennartz, Partner bei EY. „Das starke erste Halbjahr zeigt, dass Investoren an die Skalierbarkeit und Wachstumschancen deutscher Start-ups glauben und die Szene weiter voranbringen.“ Mit den aktuellen Zahlen kam im vergangenen Halbjahr doppelt so viel Geld für Start-ups zusammen wie im Vorjahreszeitraum. Sogar die bisherigen Rekordmonate – Januar bis Juni 2015 mit 1,95 Milliarden Euro investiertem Kapital – konnten getoppt werden.

Goldener Mai zieht Zahlen nach oben

Für den massiven Anstieg waren vor allem auch die drei Finanzierungsrunden in einem goldenen Mai verantwortlich, die jeweils mehr als 100 Millionen Euro betrugen: Kreditech konnte 110 Millionen Euro einsammeln, Auto1 verbuchte 360 Milliarden Euro neues Kapital und Delivery Hero erhielt mehr als 385 Millionen Euro.

Neugierig blicken die Berater jedoch auch auf die umfangreiche Zahl der ersten Wachstums-Finanzierungen im Bereich zwischen einer und fünf Millionen Euro – davon wurden in den ersten sechs Monaten mehr als 130 gezählt. „Damit stehen die Chancen gut, dass es auch in Zukunft eine größere Zahl von Jungunternehmen gibt, die das Potenzial haben, sich zu großen und erfolgreichen Mittelständlern oder gar zu sogenannten Einhörnern zu entwickeln, von denen es in Deutschland bislang nur wenige gibt“, sagt EY-Partner Peter Lennartz.

In den vergangenen Wochen und Monaten hatten zudem einige Risikokapitalgeber angekündigt, neue Fonds in Rekordhöhen zur Verfügung zu haben – darunter etwa der High-Tech Gründerfonds. Die Berater vermuten zudem, dass der gerade realisierte Börsengang von Delivery Hero auch wieder Geld in die deutsche Gründerszene spülen könnte, weil einige Business Angels neu zu Millionären geworden sind.

Nächste Seite: Berlin schlägt weiter den Rest der Republik


Etwa drei Viertel der investierten Gelder flossen im ersten Halbjahr 2017 in junge Unternehmen, die ihren Hauptsitz in Berlin haben. Mit 1,5 Milliarden Euro verbuchtem Risikokapital bleibt die Stadt die Start-up-Zentrale von Deutschland. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop kündigte in einem Statement an, dass Berlin sich weiter für die Belange der Gründer ins Zeug legen wolle – etwa mit mehr Flächen, die rund um das Flughafengelände in Tegel entstehen sollen. „Berlin braucht diesen Platz, um die Wirtschaftsentwicklung zu verstetigen, und nicht durch Flächenknappheit abzuwürgen”, sagt Pop. Auch ein Fintech-Hub, der noch in diesem Sommer starten soll, solle die starke Position der Hauptstadt stärken.

München ist “Best of the Rest”

Weit abgeschlagen hinter Berlin folgt Bayern – mit einer starken Konzentration von Tech- und Industrie-Start-ups in und um München. Hier wurden bislang in diesem Jahr 215 Millionen Euro investiert. Hamburg sichert sich mit 178 Millionen Euro Platz drei – hier sorgte allerdings der Kreditech-Deal für einen starken Sondereffekt.

In Nordrhein-Westfalen sank die Zahl der Transaktionen – von 22 auf 18 – als auch das Investitionsvolumen, welches sich um etwas mehr als ein Viertel auf 54 Millionen Euro verringerte. In Baden-Württemberg beobachteten die Berater eine umgekehrte Entwicklung: Hier stieg das Investitionsvolumen um 43 Prozent auf 67 Millionen Euro, die Zahl der Deals wuchs um ein Drittel auf 16.