Um während des Studiums Einblicke ins Design Thinking zu bekommen, gibt es aber inzwischen mehrere Anlaufstellen. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) können angehende Wirtschaftsingenieure und Informationswirte im Master-Studium Design Thinking als neunmonatigen Kurs wählen. Der Aspekt Interdisziplinarität fällt dabei etwas geringer aus, jedoch nicht ganz weg. Denn die Studierenden arbeiten über das internationale Sugar-Netzwerk – einer Initiative des HPI – mit Kommilitonen anderer Design-Thinking-Schulen zusammen. Auch die Hochschule Mannheim ist Teil des Netzwerkes. Sie bietet Design Thinking als Wahlmodul im Studium an oder als Summer School. Bekanntes und etabliertes Sugar-Mitglied ist zudem die Schweizer Hochschule St. Gallen.

An der Macromedia Fachhochschule in München gibt es seit 2014 sogar einen eigenen, dreisemestrigen Master-Studiengang für die Denke der Designer (Kosten etwa 19.000 Euro). Hier könnten Studierende von jemanden lernen, der genau weiß, wie es im Design-Thinking-Vorzeige-Unternehmen Nummer eins zugeht: Ideo. Ideo ist eine Agentur, die 1991 von den Design-Thinking-Pionieren im Silicon Valley gegründet wurde und Unternehmen hilft, Innovationen zu entwickeln. Der Industriedesigner Thomas Stegmann hat dort zur Jahrtausendwende vier Jahre lang gearbeitet. Heute ist er Professor an der Macromedia School und gibt seine Erfahrungen weiter.

Personalauswahl: Design-Thinker erkennen

Stegmann beklagt wie Claudia Nicolai vom HPI, dass Design Thinking heute oft auf den Prozess beschränkt werde. „Viele denken, wenn sie den fünf oder sechs Schritten folgen, hätten sie ich ein tolles Ergebnis – das ist aber nicht immer so“, meint der 47-Jährige. Der Prozess lasse sich zwar gut an Manager und Unternehmen verkaufen, sei aber alleine nicht erfolgreich. „Auf die Einstellung kommt es an“, meint Stegmann. Nämlich die Einstellung, verschiedene Dinge auszuprobieren und Fehlschläge nicht als Scheitern zu stigmatisieren, sondern offen darüber zu sprechen. „Für ein erfolgreiches Start-up braucht man die richtigen Leute“, meint Stegemann.

Ob jemand ein Design-Thinker ist oder nicht, lässt sich sogar mit einem psychologischen Fragebogen herausfinden. Aussagen wie „Ich suche nach Anregungen von Leuten mit anderen Perspektiven als meiner“ und „Beim Problemlösen schaue ich auf die Beziehung zwischen den Dingen“ machen demnach einen Design-Thinking-Charakter aus. Beim HPI heißen sie „T-shaped People“: Menschen, die nicht nur tiefgehende Fähigkeiten haben (die Vertikale), sondern auch fachübergreifend denken (die Horizontalte). Ein anderer Ausdruck für das interdisziplinäre Denken ist Hybrid Thinking.