Der Prozess soll nicht nur einmal durchlaufen werden, sondern immer wieder. Dabei kann man auch zwischen einzeln Punkten hin und her springen, ohne zwingend in der Reihenfolge zu bleiben. Beim vierten Punkte, dem Ideen finden, sollen Design Thinker möglichst viele Ideen und Ansätze andenken (auch zunächst abwegig erscheinende), um erst danach einen aus ihnen herauszufiltern, der getestet werden soll. Im umfassenden Brainstorming liegt ein weiterer Unterschied zum Lean Start-up, bei dem bereits ein Business Plan vorliegt.

Mehr als Lean-Start-up II: Interdisziplinarität

Was im Prozess allersind nicht auftaucht ist ein weiterer Unterschied: die Interdisziplinarität. „Viele sagen, sie machen Design Thinking, aber wenden eigentlich nur die Prozessschritte an“, meint die Akademische Leiterin der Potsdamer HPI-School of Design Thinking Claudia Nicolai. Ein Team nur aus Kommunikations-Designern oder nur aus Informatikern können kein Design Thinking machen. „Dann fehlt das Interdiziplinäre und damit die Varianz“, sagt Nicolai. An der HPI D-School achte man daher darauf, stets Studierende unterschiedlicher Disziplinen zu haben. Wunderflats, das inzwischen 14 Mitarbeiter beschäftigt, hatte die Vielfalt bereits im Gründerteam: Jamposki kommt aus den Finanzwissenschaften, Hase ist Informatiker.

Spacedeck-Gründer Güther empfindet die Interdisziplinarität im Nachhinein sogar als besonders prägend am Design-Thinking-Studium: „Nutzerorientierung und Prototyping kann man auch aus Bücher lernen, aber wirklich professionsübergreifend zu arbeiten, das kannte ich vorher nicht,“ beschreibt Güther die Erfahrung. „Wir waren ein Team von sechs Leuten und darin nur ein Informatiker, nämlich ich.“ Der Rest seien Geisteswissenschaftler, Künstler, Betriebswirte gewesen; Männer und Frauen ganz unterschiedlicher Charaktere. „Das hat die Kreativität unheimlich gefördert“, meint Güther.

Empirische Studien zur Effektivität von Design Thinking sind rar und meist von Design-Thinking-Befürwortern durchgeführt. Doch glaubt man dem, wenden Absolventen von Design Thinking-Schulen und -Studiengängen die Methode tatsächlich im Arbeitsalltag an. Laut einer Befragung von CEOs thailändischer börsennotiert Firmen erhöht Design Thinking wie gewünscht die Innovativität und dadurch die finanzielle Performanz und Kundenzufriedenheit.

Design Thinking lernen: HPI, KIT und Macromedia

Design Thinking zu lernen, wird Gründern jedenfalls kaum schaden. Das HPI ist dafür die etablierteste und bekannteste Institution in Deutschland. Das Studium ist zudem erschwinglich: 750 Euro kostet das erste Semester (Basic Track). Das zweite Semester (Advanced Track), in dem an einem konkreten Problem eines Auftraggebers gearbeitet wird, ist kostenlos (es nützt ja auch dem Auftraggeber). Alternativ werden kürzere Workshops angeboten, auch für Teams.