Rund 80 Startups sind aus der Potsdamer D-School laut internen Unterlagen inzwischen hervorgegangen, darunter Wunderflats. Für konkrete Unterstützung vermittelt das Institut hausintern Kontakt zur sogenannten E-School, der HPI-Studieneinrichtung für Entrepreneurship. Zudem können junge Wissenschaftler mit Gründungsinteresse an einem Summer Camp teilnehmen, bei dem Design Thinking ein Baustein ist.

Die Idee für Wunderflat ist laut Jampolski zwar nicht direkt aus dem Workshop entstanden, doch die Methode habe geholfen. „Das Wichtigste ist für mich, das Produkt ständig zu hinterfragen und zu testen.“ Ähnlich wie Designer ihre Ideen schnell visualisieren, um sie im wahrsten Sinne des Wortes fassbar zu machen., Dann wird verbessert. So war Wunderflats eigentlich zunächst für Studierende gedacht. „Doch wir haben gemerkt, dass auch Berufseinsteiger und Freiberufler Interesse an dem Angebot haben,“ berichtet Jampolski.

Mehr als Lean-Start-up I: Nutzerorientierung

Zu der Erkenntnis ist der Gründer nicht nur durch Testen des Angebots gekommen. Sondern auch durch Analyse der Kundenbedürfnisse. Kunden und andere Stakeholdern eingehend zu erkunden ist ein weiterer wichtiger Punkt beim Design Thinking. Die starke Nutzerorientierung unterscheidet die Methode – zumindest im eigenen Selbstverständnis – von Lean Start-up, Rapid Prototyping, Agile Projektmanagement und anderen Konzepten, bei denen es vor allem darum geht, schnell Prototypen zu testen und per Trial-and-Error zu lernen.

Um die Kunden- und Nutzerbedürfnisse zu ergründen, setzen Design Thinker nicht auf große Befragungen und Fokus-Gruppen wie in der klassischen Marktforschung. Stattdessen arbeiten sie mit ethnografischen und qualitativen sozialwissenschaftlichen Methoden, etwa Tiefeninterviews und sogenannten Teilnehmende Beobachtungen. Lieber einen möglichen Nutzer intensiv kennen und verstehen lernen als viele nur oberflächlich, lautet das Motto.

„Man muss die wahren Probleme eines Nutzers erkennen. Wenn man das nicht schafft, braucht man auch keine Firma gründen“, sagt Martin Güther. Güther hat ein Semester Design Thinking am HPI studiert. Als Informatiker wollte er mehr über Kreativ- und Innovationsprozesse lernen. Und tatsächlich kam ihm dabei eine kreative Idee. In die möglichen Nutzer konnte Güther sich besonders gut hineinversetzen, stand er doch selbst vor dem Problem, das er nun zu lösen versucht: „Wir haben mit Studierenden im Ausland zusammengearbeitet und dabei gemerkt, dass wir ein Tool brauchen könnten, das unsere Kreativarbeit online unterstützt“, berichtet Güther. Herausgekommen ist Spacedeck, ein virtuelles Whiteboard im Internet.

Die sechs Schritte des Design Thinking

Deutlich wird die Mischung aus Nutzerorientierung und Prototyping im Design-Thinking-Prozess, der – ähnlich wie beim Lean-start-up – als mehrschrittige How-to-Anleitung daherkommt. Die Anzahl und Bezeichnung der Schritte unterscheidet sich teilweise zwischen verschiedenen Design Thinking-Akteuren. Das HPI nennt: verstehen, beobachten, Sichtweise definieren, Ideen finden, Prototypen entwickeln und testen.