Mit dem Wunsch vom eigenen Unternehmen sind Obretenov und Serbes nicht alleine. „Generell haben wir in der ausländischen Bevölkerung und bei den Neuzuwanderern eine höhere Quote von Selbstständigen als bei uns“, sagt der Migrationsforscher Herbert Brücker am Institut für Arbeitsmarkt- Berufsforschung. Grund seien die deutlich schlechteren Chancen, auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. In ihr Heimatland zurückzugehen, ist für viele trotzdem keine Option: „Ich kann mich da nicht weiterentwickeln, die wirtschaftliche Situation ist in Bulgarien nicht so gut“, sagt Obretenov.

Vor allem die deutsche Wirtschaft profitiert von den teils schlechten Perspektiven der Menschen. Einer KfW-Studie des vergangenen Jahres zufolge gab es im Jahr 2013 bundesweit rund 868 000 Gründer – 21 Prozent davon waren Migranten. Einige von ihnen haben inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft erworben.

Migranten beschäftigen der Studie zufolge häufiger von Anfang an Mitarbeiter, schaffen so neue Arbeitsplätze und erhöhen den Erneuerungs- und Effizienzdruck auf bestehende Unternehmen. Vor allem der Handel ist beliebt – hier entsteht etwa jedes vierte Unternehmen. „Es ist anzunehmen, dass sie den Markt für Waren aus ihren Herkunftsländern besser einschätzen können und bei günstigen Geschäftsgelegenheiten aktiv werden“, sagt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.