Für die Suche entschied er sich dabei für einen neuen Player auf dem Mentorenmarkt: Mentorlane, ein Start-up aus Frankfurt. Die Gründer Colin Berr, Fabian Golle und Martin Kreitschmann nennen ihr Mentorenprogramm „eine Mischung aus Dating- und Recruiting-Plattform“, da sie die Gründer für die Suche nach dem perfekten Mentor einen Fragebogen ausfüllen lassen, der sowohl eine Art Persönlichkeitstest ist als auch Branchen- und Gründungsfragen stellt. Seit November ist die Beta-Version online. Zwischen 50 und 60 Tandems sind in dieser Zeit schon gestartet. In den nächsten Wochen soll der richtige Launch folgen. Auch die Mentorlane-Gründer sehen ihren Vorteil gegenüber anderen (häufig kostenlosen) Programmen darin, dass diese Angebote zumeist klein und lokal begrenzt sind. Ziel sei es, das Matching möglichst perfekt zu machen, und dafür sei eben ein großes Netzwerk notwendig. „Ich würde nicht die Qualität anderer Mentoring-Programme in Frage stellen, aber ihre Reichweite sind sie limitiert“, so Berr.

Beim Mentoring ginge es nicht darum alle Antworten zu finden, sondern die richtigen Fragen zu stellen, beschreibt es Berr. „Dabei ist es wichtig, dass der Mentor ein kritischer Freund ist, der zuhört, Fragen stellt, von seinen eigenen Erfahrungen berichtet und gemeinsam mit dem Mentee eine neue Perspektive schafft.“

So wie bei Galljamow und seinem Mentor: Titus Kaletta ist erfahrener Senior-Manager und hat selbst Erfahrung auf beiden Seiten des Tandems – als Mentor und Mentee. Seine Zusammenarbeit mit Galljamow und wie die zwei zusammen gefunden haben, ist auch für ihn etwas Besonderes: „Ich kannte meine Mentoren schon vorher gut. Jetzt, wo wir quasi zusammengewürfelt wurden, bin ich begeistert wie gut auch das klappt.“ Er habe das Gefühl, dass der Austausch sehr gut funktioniere. „Wir haben beide sehr viel Spaß bei unseren Treffen und sie dauern immer viel länger als geplant“, so Kaletta.

Das aktuelle Projekt seines Mentees: die Mobile-Networking-Plattform „Foundr“. Dort sollen sich Gründungswillige treffen und finden, um gemeinsam Gründungsprojekte verwirklichen zu können. Eine Gründerpartnersuche online sozusagen. Launch ist am 1. Mai. Nebenher versucht Galljamov sein Mechatronik-Studium an der Uni Darmstadt voranzubringen. Aktuell steht er an einem Scheideweg – Studium abbrechen und voll aufs Unternehmen konzentrieren oder beides parallel schaffen? Auch bei diesen Fragen ist sein Mentor eine Hilfe. „Man hat viele Ideen, wie man die Welt verändern kann und die motivieren einen, aber wenn man es nicht schafft, steht man ohne alles da und um da Entscheidungen zu treffen, dafür brauche ich meinen Mentor auch“, sagt Galljamow.

Uni, Gründerzentrale, kommerzielle Vermittler oder Inkubator – am Ende ist es grundsätzlich egal auf welche Art sich Gründer am Ende ihren Mentor suchen – letztendlich kommt es auf das jeweilige Tandem an, ob die Zusammenarbeit funktioniert und Früchte trägt. Manfred Troppers Empfehlung an junge Neugründer: „Wäre ich jünger und würde heute nochmal ins Produktgeschäft einsteigen, – und wüsste das, was ich heute weiß – dann würde ich mir auf jeden Fall einen Mentor suchen.“