Das Start-up aus München und San Francisco ermöglicht digitale Verkaufsgespräche. In der Zeit von Kontaktbeschränkungen wächst die Nachfrage. Jetzt legen Investoren knapp sieben Millionen Euro nach.

Ein Solarpanel-Verkäufer, der eigentlich von Haustür zu Haustür zieht. Oder ein Möbelladen, der bislang ausschließlich Kunden in seinem Geschäft bediente: Zwei Beispiel-Unternehmen, deren Vertriebsstrategie in den Zeiten der Kontaktbeschränkungen lahmgelegt waren. Und die ihre Arbeit dann ins Digitale verlagerten – mit Hilfe des Software Start-ups Demodesk. Die junge Tech-Firma ermöglicht ein virtuelles Verkaufsgespräch. Dafür führt sie auf einem Bildschirm alle wichtigen Informationen zusammen: Von Produktbildern oder -videos für den Kunden bis zu CRM-System für den Verkäufer.

Genauso wie der Videokonferenzdienst Zoom durch Corona einen Boom erlebte, so spürte auch Demodesk in den vergangenen Monaten einen Wachstumsschub. Der Kundenstamm habe sich in diesem Jahr verdoppelt, teilt das Start-up mit. 150 Unternehmen zahlen bereits für die Softwarelösung. Jetzt haben Investoren noch einmal nachgelegt. Demodesk konnte eine Finanzierungsrunde über acht Millionen Dollar (umgerechnet knapp sieben Millionen Euro) abschließen.

Investor hofft auf Potenzial der Spezial-Zooms

Angeführt wurde die Runde vom US-Risikokapitalgeber Balderton Capital, der sich jüngst am E-Bike-Start-up Vanmoof beteiligt hatte. Daneben investiert auch der in Berlin ansässige Fonds Target Global. Demodesk bediene die Schnittstelle von zwei Trends, sagt Balderton-Partner James Wise: „Passend zugeschnittene Videodienste und stärker datengetriebene Vertriebsstrategien“. Neben allgemeinen Anwendungen wie eben Zoom oder Microsoft Teams kämen nun anwendungs- oder branchenspezifische Programme häufiger zum Einsatz.

Auf den maßgeschneiderten Einsatz im Vertrieb fokussiert sich das Demodesk-Team seit 2017. So wirbt das Start-up mit einem möglichst einfachen Einsatz der Software – potenzielle Kunden müssen nur auf einen Link klicken, statt sich Extra-Programme herunterzuladen. Und mit automatisierten Terminerinnerungen will das Programm verhindern, dass der Vertriebsmitarbeiter allein vor dem Bildschirm sitzen muss.

Beratung über den Bildschirm

Im ersten Schritt sieht Demodesk dabei viel Potenzial für das eigene Produkt bei anderen Digitalfirmen: „In erster Linie arbeiten wir mit Software- und Technologiefirmen, die bereits digitale Vertriebsprozesse erfolgreich etabliert haben“, sagt Mitgründerin Veronika Riederle im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Doch Unternehmen wie der Solarpanel-Verkäufer oder das Möbelgeschäft sollen keine Exoten bleiben. Man sehe viele Möglichkeiten im Energie- und Immobiliensektor oder in der Luxusgüterbranche. „Also überall dort, wo der Kunde während des Kaufs beraten werden muss, um die richtige Entscheidung zu treffen“, so Riederle.

Regional will das junge Team dabei sowohl in den USA als auch in Europa um zahlende Nutzer werben. Riederle und Mitgründer Alex Popp trafen sich im Studium am Center for Digital Technology and Management, einer gemeinsamen Gründerschmiede der Technischen Universität und der Ludwigs-Maximilian-Universität in München. Bereits Ende 2018, etwa ein Jahr nach der Gründung, wurde Demodesk in den renommierten Y-Combinator aufgenommen und schaffte so den Sprung in die USA. Über dieses Netzwerk kamen auch einige der ersten Investoren zusammen, darunter der etablierte Risikokapitalgeber Kleiner Perkins.

Um das Wachstum zu stemmen, soll nun auch das derzeit 20-köpfige Team kräftig wachsen. Aktuell sind 13 Stellen auf der Homepage des Start-ups ausgeschrieben. Das Ziel für das Recruiting ist ambitioniert: Man suche nach Mitarbeitern, die „gemeinsam mit uns die Online-Meeting-Welt revolutionieren wollen“, sagt Riederle.