Erneute Bewegung auf dem heiß umkämpften Markt für Medizin-Cannabis: Ein Berliner Start-up erhält sieben Millionen Euro. Auch europäische Risikokapitalgeber werden mutiger. 

Im nächsten Sommer soll es losgehen: Irgendwo in der Nähe von Dresden will das Start-up Demecan mit dem Anbau von medizinischem Cannabis beginnen. Mit offizieller Erlaubnis – und einer frisch abgeschlossenen Finanzierungsrunde: Das eigentlich in Berlin ansässige Start-up ist eines von nur drei Unternehmen, die erstmals legal in der Bundesrepublik die Pflanze für medizinische Zwecke kultivieren dürfen. Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte hatte die Erlaubnis in diesem Frühjahr erteilt.

Neben Demecan erhielten die Unternehmen Aphria und Aurora diese Erlaubnis – beides Tochterfirmen von großen kanadischen Cannabis-Konzernen. Die haben in ihrem Heimatmarkt bereits hohe Umsätze mit legalisierten Cannabis-Produkten verbucht. Und hoffen auch auf den deutschen Markt: Die Prognosen über das Umsatzvolumen gehen weit auseinander – Demecan selbst spricht von einem Marktpotenzial in Deutschland von 1,2 Milliarden Euro in den kommenden fünf Jahren. Schon heute sei Deutschland der drittgrößte Markt für medizinisches Cannabis, sagt Demecan-Mitgründer Constantin von Groeben.

Vom Importeur zum Produzenten

Den Markt geöffnet hatte die Legalisierung von medizinischem Cannabis vor gut zwei Jahren. Seitdem versuchen sich zahlreiche Unternehmen an der Beschaffung und Verarbeitung des Wirkstoffs, das hohe Margen verspricht. Bislang sind die Firmen vor allem im Import und als Großhändler tätig. Start-ups wie Cannamedical, die Sanity Group oder auch Demecan heute suchen nach Bezugsquellen für die Blüten im Ausland – und vertreiben das verarbeitete Produkt dann an Apotheken. Das Frankfurter Start-up Farmako verkündete zudem recht ehrgeizig, Cannabis auch synthetisch herstellen zu wollen – musste sich nach einem turbulenten Start aber erst einmal selbst neu sortieren.

Unter staatlicher Aufsicht soll nun bald auch Nachschub aus Deutschland kommen. Über vier Jahre sollen zehn Tonnen Cannabis hierzulande angebaut werden. Demecan darf knapp ein Viertel davon produzieren und will mit der internationalen Konkurrenz mithalten. Und wird jetzt von Investoren gestützt. Sieben Millionen Euro hat das Start-up in einer Finanzierungsrunde erhalten.

Risikokapitalgeber werden mutiger

Zur Hälfte stammt das Geld von der Vermögensverwaltung einer deutschen Unternehmerfamilie. Über die wird nur verraten, dass sie ihre „Wurzeln in einem erfolgreichen Fast-Moving-Consumer-Goods-Unternehmen“ hat. Die anderen Hälfte stammt aus dem privaten Investorennetzwerk des Risikokapitalgebers btov Partners.

Dieses Investment zeigt, dass auch europäische Risikokapitalgeber das Thema mutiger beurteilen. Lange Zeit hatten sich Geldgeber zurückgehalten. Zuerst bremste die unklare Rechtslage viele Investoren aus, danach verhinderten Investment-Richtlinien bei einigen Fonds die Beteiligungen an Start-ups mit Themen wie Drogen oder Alkohol.

Gründer und Investoren hoffen auf eine reiche Ernte

Das 15-Millionen-Investment von Cannamedical etwa stammte noch von einem amerikanischen Fonds. Bei Farmako ist Company Builder Heartbeat Labs mittlerweile mehrheitlich beteiligt, bei der Sanity Group stammt Kapital auch von Holtzbrinck Ventures und Atlantic Labs. Jetzt zieht btov Partners nach. Man habe sich den Markt gründlich angeschaut und sei vom Marktpotenzial in Deutschland überzeugt, heißt es auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer. „Wir glauben, das Unternehmen hat einen First-Mover-Vorteil in einem stark regulierten Marktumfeld“, sagt Jennifer Phan von btov Partners.

Das Kapital soll nun bei Demecan helfen, den Großhandel auszuweiten und den Ausbau der streng regulierten Produktionsanlage zu finanzieren. Gründer und Investoren hoffen in den Folgejahren dann auf eine reiche Ernte.