In der Praxis erlebt Lampl immer wieder ratlose Gründer, die zwar finanziert werden wollen, aber noch nicht einmal die Eckdaten ihres Unternehmens kennen. „Es gibt kaum Schlimmeres als Leute, die nicht mal wissen, wofür sie die Gelder überhaupt ausgeben wollen“, sagt sie. Doch selbst, wenn die Grundstruktur klar sei, der Markt ordentlich analysiert wurde und der Business-Plan stehe, weiß Lampl aus Erfahrung: „Die meisten vergessen komplett den Vertrieb, ihr eigenes Gehalt und die Kosten für Berater und Rechtsanwälte in ihre Kalkulation einzurechnen.“ Komme es dann zum worst case, sei meist nicht genug Geld da, um das Start-up am Laufen zu halten.

Dennis Konczak hat das Geld. Zumindest noch für ein paar Monate. Vor drei Monaten gründete der 32-jährige Kölner zusammen mit drei Freunden ein eigenes Unternehmen, das aufladbare Handy-Akkus verleiht. Überall in Deutschland – an Kiosken, in Hotels, auf Messen, in Restaurants und auf Festivals – soll sich nach der Vision von Konczak schon bald jeder einen Handy-Akku to go mitnehmen können, wenn sich die Energie des Smartphones mal wieder dem Ende zuneigt und keine Steckdose in Sicht ist. 20 Euro Pfand soll der Akku, ein sogenannter Power Jack, kosten. Sieben Tage lang kann man den Akku, der über ein Mikro-USB-Kabel mit dem Handy verbunden wird, ausleihen. Danach gibt man ihn einfach wieder an den Verleiher zurück.

„Investoren haben die Aufmerksamkeit eines Sechsjährigen“

Finanziert wurden die kleinen Helfer über das Eigenkapital der vier Gründer. 500 Power Jacks liegen bereits an einigen Orten in Köln und Düsseldorf zur Testphase aus. „Wir sind lean gestartet und wollen erstmal schauen, ob der Markt unser Produkt auch annimmt“, sagt Konczak. Um seine Kosten möglichst gering zu halten und den Traum vom eigenen Start-up wahr werden zu lassen, führt er auch mit 32 Jahren noch einen studentischen Lebensstil. „Lieber lebe ich arm aber glücklich, als mich in einer Beratungsfirma tot zu arbeiten.“

Hilfe bekommt Konczak vor allem durch Berater und Anwälte, die ihm bei Business-Plan-Wettbewerben an die Seite gestellt werden. Trotzdem fehlt auf Dauer Geld. Viel Geld. Der ehemalige Finance-Student schätzt, dass er eine halbe Million Euro braucht, um sein Start-up hochzuziehen.

„Wer so viel Geld von Investoren verlangt, muss sich gut vorbereiten“, sagt Vidar Andersen. Er ist einer der Experten, die an „Dein Tag zum Finanzieren“ Gründern wie Konzcak in Köln helfen. Der norwegische Entrepreneur gilt als wichtige Persönlichkeit der deutschen Gründerszene und weiß als Pitch-Coach, was Geldgeber sehen wollen. „Investoren suchen Zahlen und Fakten. Wer mit einer bloßen Vision Gelder einsammeln will, ohne bereits erste Erfolge vorweisen zu können, hat sofort verloren.“

Eine der wichtigsten Stationen auf dem Weg zu einem erfolgreichen Unternehmen ist deswegen der Pitch. In dieser Präsentation müssen Gründer Investoren beweisen, warum sie es verdienen, finanziert zu werden. 13 Seiten, mehr nicht, rät Andersen allen Gründern. „Investoren haben die Aufmerksamkeit von Sechsjährigen“, sagt er. „Alles, was sie nicht innerhalb kürzester Zeit interessiert, fällt durch.“