Bayern Kapital beteiligt sich am Münchener Unternehmen, das KMU bei der Digitalisierung und Automatisierung ihrer Geschäftsprozesse unterstützen will.

Der Mittelstand und die Digitalisierung: Es ist ein stets aktuelles – und stets hochsensibles – Thema. Im April veröffentlichte die staatliche Förderbank KfW eine Untersuchung, der zufolge 30 Prozent der deutschen 3,76 Millionen Mittelständler zwischen 2015 und 2017 Geld in den Einsatz neuer oder verbesserter digitaler Technologien gesteckt haben. Das sei zwar ein Anstieg zu den Jahren, aber nach wie vor seien ein Drittel von ihnen auf diesem Gebiet „ausgesprochene Nachzügler“, so die Studienautoren.  

„Das Gros des deutschen Mittelstands hat noch ein Digitalisierungsproblem“, sagen auch Alexander Woelke und Maximilian Hanrieder, Gründer von Daypaio: “Viele Mittelständler müssten in allen kundenorientierten Prozessen wie Leadgenerierung, Marketing, Kundenmanagement und CRM, Angebotserstellung, Rechnungsstellung, Auftrags- und Servicemanagement viel mehr machen, um den Anforderungen ihrer Kunden Schritt zu halten.“ Die hohen Kosten und der Aufwand schreckten jedoch viele ab. Die Folge: Viele tun einfach nichts. Eine Lücke, in die die beiden Münchener nun vordringen wollen.

Investment von Bayern Kapital und fünf Business Angels

Mit Daypaio bieten sie eine cloudbasierte Software-as-a-Service-Lösung (SaaS) an, mit der kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) ohne große Vorarbeit oder Einführungsprojekte alle wichtigen Geschäftsprozesse in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Kundenservices in einem durchgängigen System digitalisieren und automatisieren können.

Wie WirtschaftsWoche Gründer exklusiv vorab erfuhr, beteiligt sich nun Bayern Kapital gemeinsam mit fünf namentlich nicht genannten Business Angels im Rahmen einer Serie-A-Finanzierungsrunde am im vergangenen Jahr gestarteten Unternehmen. Es handelt sich um einen „niedrigen siebenstelligen Betrag“, so CEO Alexander Woelke gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Die genaue Summe will das Start-up nicht veröffentlichen. 

Im Zuge der Finanzierung soll das aktuell 20-köpfige Team weiter ausgebaut werden. Im Fokus soll die technische Weiterentwicklung des Produkts sowie der Ausbau des Vertriebs stehen: „Auch in den Bereichen Qualitätsmanagement und Marketing benötigen wir weitere Mitarbeiter.“

Firmen aus den Bereichen Produktion, B2B-Dienstleistung und IT

Roman Huber, Geschäftsführer von Bayern Kapital, begründet das Investment wie folgt: „Kleinere und mittlere Unternehmen in Deutschland sind zwar das Rückgrat der Wirtschaft, arbeiten aber teilweise noch analog. Es gibt hierzulande mehrere hunderttausend dieser Unternehmen mit starker Kundenausrichtung, die ihre Prozesse digitalisieren müssen. Daher sehen wir in der Software von Daypaio großes Potential, um dem Mittelstand dank einer leicht verständlichen, skalierbaren Lösung den Schritt Richtung Digitalisierung zu ermöglichen.”

Beide Gründer bringen Erfahrung im Bereich KMU mit. Maximilian Hanrieder war Gründer einer Digitalagentur und entwickelte mit seinem Team für viele kleinere und mittelgroße Unternehmen Technologien und digitale Marketingkampagnen. Wölke arbeitete in der Technologiebranche als Berater bei Capgemini, bevor er gemeinsam mit Partnern zwei Softwareunternehmen gründete, die er an namhafte Softwareanbieter in den USA verkauft hat. Danach verschlug es ihn erneut auf die Beratungsseite, diesmal mit dem Schwerpunkt der Digitalisierung von Vertrieb und Marketing bei mittelständischen Unternehmen in unterschiedlichen Branchen.

Wie viele Kunden die Software von Daypaio aktuell bereits nutzen, wollen die Gründer nicht verraten. Mit der Auftragslage sei man aber zufrieden, zurzeit fokussiere man vor  allem auf Unternehmen bis 50 Mitarbeitern aus den Bereichen Produktion, B2B-Dienstleistung und IT.