Wie kann man erfolgreiche Frauen aus unterschiedlichen Branchen auf Networking-Events zusammenbringen? Unsere Kolumnistin Tijen Onaran weiß es.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt wieder Tijen Onaran. Sie ist Gründerin von startup affairs, einer PR und Public Affairs Beratung für Start-ups, Venture Capitals und Unternehmen. Mit Women in Digital e.V. vernetzt Onaran Entscheiderinnen der Digitalbranche und macht diese sichtbar. Vor der Gründung von startup affairs war sie als Leiterin Kommunikation beim Onlinehandelsverband Händlerbund und in unterschiedlichen Funktionen für Bundestags-, Europaabgeordnete sowie das Bundespräsidialamt tätig.

„400 Einladungen verschickt – 15 Teilnehmerinnen“, erzählt mir meine Gesprächspartnerin beim Networking-Dinner. Sie arbeitet bei einem Technologie-Konzern, der einen Versuch gestartet hat, Frauen in Führungspositionen zu einem exklusiven Networking-Event zusammenzubringen. Die Resonanz: ernüchternd. Es ist nicht das erste Mal, dass mir jemand erzählt , dass der Aufbau – und in diesem Fall allein die Mobilisierung – einer Community schwerer ist als gedacht. Wie geht das also: Community aufbauen, mobilisieren und damit Formate schaffen, die gut besucht, aber noch besser nachhaltig sind?

Community aufbauen heißt: Geduld haben

Vor circa zweieinhalb Jahren habe ich damit angefangen, Frauen aus unterschiedlichen Branchen zusammenzubringen und miteinander zu vernetzen. Angefangen haben wir in einem Restaurant in Berlin – ohne Agenda und ohne Power-Point. Dahinter stand zunächst kein Plan, sondern nur die Idee, dass all diejenigen Frauen, die mir im Laufe meiner beruflichen Stationen begegnet waren, sich treffen und vernetzen müssen. Wir wurden von Mal zu Mal mehr und es entstand schnell die Idee, dass wir fortan den Worten einer aus unserem Netzwerk lauschen und uns daraus Inspiration für den eigenen Weg ableiten. Wer eine Community aufbauen möchte, darf und sollte nicht warten, dass das von heute auf morgen geschieht. Geduld ist hier das Zauberwort. Es lohnt sich im kleinen Rahmen anzufangen, um dann etwas Größeres zu etablieren.

Viel hilft nicht immer viel

400 Einladungskarten zu verschicken füllt noch lange nicht die Hütte. Vielleicht ist meine Zielgruppe so exklusiv, dass sie nun einmal auch schwer zu bekommen ist? Wenn ich den Anspruch habe, die oberste Führungsriege anzusprechen, muss ich auch damit rechnen, dass ein Großteil keine Zeit hat. Der Faktor Zeit ist beim Community-Building ein nicht zu unterschätzender. Wichtig ist: habe ich eine Zielgruppe, die über ein flexibleres Zeitbudget verfügt, kann ich die Events, die Kommunikation und die Mobilisierung der Community darauf abstimmen und bspw. verstärkt auf Interaktion mittels Kommunikationstools setzen. Habe ich eine stark eingebundene und wenig flexible Zielgruppe, muss ich auf kurze und knackige Kommunikation setzen. Vor allem aber muss ich Formate schaffen, die es dieser Zielgruppe ermöglichen, daran teilzuhaben ohne einen größeren Zeitrahmen zu sprengen. Der Anspruch, dass die Events immer ausgebucht und überbordend gut besucht sein müssen, ist an der Stelle auch der Falsche. Wichtiger ist doch, dass diejenigen, die Teil der Community sind, sich wohlfühlen, gerne teilhaben und beim Wachsen helfen. Es kommt oftmals auf die Qualität und nicht auf die Quantität an. Wie oft habe ich im politischen Berlin Veranstaltungen erlebt, bei denen immer nur die gleichen Menschen sind – egal, ob diese beruflich mit dem Einladenden zu tun haben oder nicht. Das Karussell dreht sich im Kreis und mit ihm die gleichen Menschen. Manchmal hilft es, viele Events zu besuchen und zu schauen, was hätte ich anders gemacht.

Egal ob Start-up, etabliertes Unternehmen oder Non-Profit Organisation: Community lebt von Menschen. Von denen, die diese Community ins Leben rufen, Zeit, Geduld und Energie investieren, um sie wachsen zu lassen. Und von denen, die die Community prägen, sie unterstützen, als Botschafter fungieren und Türen öffnen. Wenn ein Unternehmen sich dazu entschließt, Community-Building zu betreiben und es dazu Menschen im Unternehmen damit betraut, die ohnehin schon eine lange To-Do-Liste haben, wird die Community höchstwahrscheinlich als ein lediglich weiterer Punkt auf der Liste laufen. Wenn ich aber das Community-Building als einen wichtigen Bestandteil meiner Unternehmensstrategie definiere, dann muss ich den Projektverantwortlichen entsprechende Freiräume gewähren. Ich erlebe oft, dass der Aufbau einer Community als zusätzliches Aufgabenfeld bestimmt wird und dementsprechend nicht mit voller Energie gemacht werden kann. Und viel wichtiger: Diversity schadet auch beim Community-Building nie. Oftmals erreiche ich durch die Mischung viel mehr, als nur immer die gleichen Leute, mit dem gleichem Hintergrund und aus der gleichen Branche einzuladen. Community-Building bedeutet sich zu vernetzen, über Branchen, Trends und Themen hinweg.

Auf starke Partner setzen

Ein Netzwerk kann nie schaden, eine Community erst recht nicht. Produkte und Dienstleistungen leben von Menschen, die in Social Media oder in ihrem Umfeld über das Unternehmen bzw. Produkt positiv sprechen. Veränderungen können nur mittels einer möglichst breiten Community herbeigeführt werden. Oftmals ist es Unternehmen aber nicht möglich mit eigenen Mitteln eben diese aufzubauen. Starke Partner gehören deshalb durchaus dazu. Es gibt so viele Netzwerke, die von Menschen getragen werden. Deshalb: Sucht Euch einen Partner, der bereits Erfahrung im Community Building hat und mit seiner Community zu Euch passt. Was in der Produktion gilt, gilt auch beim Community-Building. Arbeitsteilung ist ein Vorteil. Der eine Partner bringt Ideen, Produkte und sicherlich auch das Geld ein, der andere hat eine leidenschaftliche Community, die durchaus spannend ist. Deshalb mein Tipp, egal ob Start-Up oder Konzern: Lasst Euch inspirieren, schaut Euch um und sucht Euch bestehende Communities als Partner. Auch wenn der Slogan aus dem Bankenmarketing kommt: „Gemeinsam sind wir stark.“