Noch vor dem Marktstart bekommt das Start-up 15 Millionen Euro von Investoren – nicht zuletzt wegen des erfahrenen Gründertrios.

Dass sie Start-ups groß machen können, haben die Dance-Gründer bereits unter Beweis gestellt: Eric Quidenus-Wahlforss und Alexander Ljung haben mit Soundcloud eine weltweit genutzte Musikplattform aufgebaut. Christian Springhub wiederum hat mit seinem Homepage-Baukasten Jimdo Erfolge gefeiert. Der Umfang der kürzlich veröffentlichten Finanzierungsrunde von Dance überrascht dennoch: Satte 15 Millionen Euro hat der neue E-Bike-Verleihdienst eingesammelt  – obgleich sich dieser noch der Probephase befindet.

Das Berliner Start-up bietet E-Bikes im Abo an: Nutzer zahlen eine monatliche Gebühr, wenn Reparaturen anfallen oder das Rad gestohlen wird, gibt es schnellen Ersatz. Der finanzielle Anschub für Dance kommt vor allem vom renommierten deutschen Wagniskapitalgeber HV Holtzbrinck Ventures. „Nach einer umfassenden Analyse des gesamten Mobilitätsmarktes und der Prüfung aller gängigen Business-Modelle haben wir gefunden, wonach wir gesucht haben“, gibt General Partner Rainer Maerkle zu Protokoll. Dance stehe für eine „bei weitem zukunftsträchtige Form des Fahrradverkehrs.“

Rückenwind für Fahrrad-Start-ups

Tatsächlich ist der Fahrradmarkt seit Jahren auf Wachstumskurs – die Coronakrise, in der viele Menschen Bus und Bahn meiden, hat der Branche noch einmal starken Rückenwind gegeben: Nach Einschätzungen des Zweirad-Industrie-Verbands ist der Absatz in Deutschland im ersten Halbjahr um 9,2 Prozent auf 3,2 Millionen Fahrräder gestiegen. Das E-Bike-Segment legte demnach sogar um knapp 16 Prozent zu.

Das starke Wachstum hat zuletzt das Interesse zahlreicher Wagniskapitalgeber geweckt. So hat das belgische Start-up Cowboy im Sommer 23 Millionen Euro eingeworben, beim niederländischen Konkurrenten Vanmoof waren es im September sogar 34 Millionen Euro. Beide Unternehmen verkaufen im Direktvertrieb E-Bikes, die im Vergleich zu vielen Modellen etablierter Hersteller deutlich schlanker sind und sich mit dem Smartphone verbinden lassen – etwa um die Räder zu entsperren.

Dance will mit einem noch futuristischeren Design punkten: Auf der Webseite kann man das computergenerierte Bild eines E-Bikes bewundern, bei dem der Akku im Rahmen verschwindet und die Laufräder nur je drei Speichen haben. Die Realität sieht indes noch anders aus: Bei den E-Bikes, die in dem im Juli in Berlin gestarteten Probelauf zum Einsatz kommen, handelt es sich um reichlich unspektakuläre Stadträder mit externem Akku. Gegenüber dem Portal Gruenderszene gab Mitgründer Quidenus-Wahlforss an, das eigene Modell befinde sich noch in der Entwicklung und solle im kommenden Jahr auf den Markt kommen.

Vorbild Swapfiets

Das wachsende Investoren-Interesse an Fahrrad-Start-ups erinnert an den Hype um E-Scooter. Noch vor dem durch gesetzliche Neuregelungen ermöglichten Marktstart im Juni 2019 konnten zahlreiche Newcomer millionenschwere Finanzierungen einfahren. Auch HV Holtzbrinck Ventures sprang auf den Zug auf und stieg bei Wind Mobility ein. Das Start-up fiel gegenüber Wettbewerbern wie Tier Mobility und Voi aber schnell zurück: Weil zu Beginn noch Zulassungen fehlten, konnte der E-Scooter-Dienst erst in diesem Jahr in Deutschland starten.

Solche Hürden gibt es im E-Bike-Markt nicht – und auch die direkte Konkurrenz für Dance ist noch überschaubar. Größter Player ist bisher Swapfiets. Das niederländische Start-up hat in Europa mehr als 200.000 Kunden für seinen Abo-Dienst gewonnen. Bisher handelt es bei den Fahrrädern, die durch den blauen Vorderreifen im Stadtbild auffallen, vor allem um herkömmliche City-Bikes. Swapfiets bietet inzwischen aber auch E-Bikes an. Das aktuelle Modell kostet 73 Euro monatlich.