Das IoT-Start-up entwickelt eine Software, um Daten in der vernetzten Fabrik zu schützen. In diesem Jahr soll das Team auf doppelte Größe wachsen – und einen zweiten Standort eröffnen.

Hacker legen ganze Produktionslinien lahm, Wirtschaftsspione greifen sensible Informationen ab: In der vernetzten Fabrik sind viele düstere Szenarien vorstellbar. Die Risiken will das Hamburger Start-up Cybus reduzieren und entwickelt eine Software für den Datenschutz in der Industrie. Um wachsen zu können, erhalten die Gründer mehr als zwei Millionen Euro von Investoren, wie das 2015 gegründete Unternehmen in dieser Woche bekanntgab. Bis Ende des Jahres soll sich die Teamgröße auf mehr als 20 Personen verdoppeln, sagte Geschäftsführer Pierre Manière im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Das IoT-Start-up unterstützt Unternehmenskunden dabei, Daten aus der Produktion zu erfassen und stattet dafür beispielsweise Maschinen mit Zugängen zum vorhandenen IT-System aus. Zudem kümmert sich Cybus darum, dass die erfassten Daten ausschließlich an die zuständigen Stellen im Unternehmen fließen und vor einem Zugriff durch Fremde geschützt sind. Beispielsweise soll die Software erkennen, ob sich ein externes Gerät als Produktionsmaschine ausgibt und versucht, in das IT-System einzudringen.

Zugleich positioniert sich das Start-up als Schnittstelle zu den Cloud-Plattformen, die mit den übertragenen Daten arbeiten. Ziel ist es, eine Barriere einzurichten: Die Cloud-Anwendung darf nicht unmittelbar auf die Maschine zugreifen – und womöglich die Produktion beeinflussen – und andersherum. Um für viele Unternehmen interessant zu sein, soll die Software in der Lage sein, möglichst viele Maschinen und Plattformen verschiedenster Hersteller miteinander zu verbinden. „Die Fabriken bekommen von uns eine Lösung, die deren Unabhängigkeit wahrt und Kontrolle darüber gibt, wer welche Daten aus der Produktion nutzt“, sagte Cybus-Geschäftsführer Manière zu WirtschaftsWoche Gründer.

Einfachere Anwendung gefragt

In den kommenden Monaten will sich das Start-up darauf konzentrieren, seine Lösung in die breitere Anwendung zu bringen: „Wir decken momentan zwar schon viele Schnittstellen ab, können aber – als junges Unternehmen – noch nicht von der Stange alles mit allem verbinden. Deshalb richten wir nach und nach weitere Schnittstellen ein“, so Manière, der die junge Firma mit Marius Schmeding und Peter Sorowka führt. Zudem arbeite Cybus daran, den Einstieg in die Arbeit mit seiner Software zu erleichtern. Konkret soll die Anwendung einfacher verständlich werden, um die Einarbeitungszeit über Anleitungen und Video-Schulungen zu verkürzen. Derzeit begleitet das Start-up einige Kunden zu Beginn noch mit ein bis zwei Mitarbeitern vor Ort.

Mit Hilfe des frischen Kapitals will Cybus sein Wachstum vorantreiben und hält derzeit Ausschau nach einem zusätzlichen Standort. Ein zweites Büro zu eröffnen, sei noch in diesem Jahr angedacht, so Manière. „Ein interessanter Standort wäre Stuttgart, da wir dort näher an viele bestehende und potenzielle Kunden rücken.“ Das Geld aus der aktuellen Finanzierungsrunde stammt aus dem Industrial Technologies Fund des Risikokapitalgebers btov Partners und mehreren privaten Investoren. Bisher finanzierte sich das Start-up laut Manière aus seinen Umsätzen sowie Kapitalspritzen von Kunden, zu denen die Industrieunternehmen Schunk und B. Braun gehören. 

Fachkräftemangel als Hürde

Ob sich der angepeilte Wachstumskurs wirklich einhalten lässt, hängt vom Erfolg bei der Personalsuche für Vertrieb und Entwicklung ab. „Die richtigen neuen Mitarbeiter zu finden, ist für uns – trotz unseres innovativen Themas – auf jeden Fall eine Herausforderung“, sagte der Geschäftsführer im Interview. Deshalb suche die junge Firma außer in Hamburg auch in anderen deutschen Städten und im Ausland. „Einen Softwareentwickler aus den USA konnten wir vor Kurzem gewinnen“, so Manière. Offene Stellen haben derzeit viele Start-ups zu besetzen – geeignete Kandidaten sind nicht immer zu finden, wie eine heute veröffentlichte Umfrage des Digitalverbandes Bitkom zeigt.

Im Bereich der IoT-Lösungen finden sich schwergewichtige Wettbewerber: 300 Millionen Euro legte etwa der Münchener Rückversicherer Munich Re auf den Tisch, um das Berliner Sensorik-Start-up Relayr zu übernehmen, wie im September vergangenen Jahres bekannt wurde. Mit Verschlüsselungs- und Blockchain-Technologie wirbt Rivale Ubirch um Industriekunden. Um seine Datenschutz-Lösung verbessern zu können, erhielt die Firma mit Sitz in Köln und Berlin erst Ende April einen einstelligen Millionenbetrag von Investoren.