In unserer Kolumne berichten Digital Hubs von ihrer Arbeit. Heute spricht Ute Richter vom Cybersecurity Hub Darmstadt über Trends und Wünsche.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge berichten Vertreter der über das ganze Land verteilten Digital Hub Initiative in einem standardisierten Fragebogen, wie es um das Start-up-Ökosystem in den jeweiligen Schwerpunktbranchen steht. Heute erklärt Ute Richter vom Cybersecurity Hub Darmstadt, warum sie sich mehr finanzielle Untertsützung von Unternehmen wünscht und wieso die Rhein-Main-Metropol-Region das heimliche Silicon Valley Deutschlands ist.

Was läuft im Ökosystem dieses Hubs besser als gedacht?
Wir im vergangenen Jahr viel Energie auf den Ausbau unseres Netzwerkes gelegt. Das hat ziemlich gut geklappt. Wir haben jetzt schon einige erfolgreiche Formate etabliert, zum Beispiel den [email protected], den ersten deutschen Preis für Start-ups mit Fokus auf Cybersicherheit und Datenschutz, unsere Hub Nights oder das Matchmaking. Gut läuft auch die Zusammenarbeit mit anderen Hubs. Auch die Unterstützung durch unsere Träger Fraunhofer SIT, TU Darmstadt, IHK und die Wissenschafts- und Digitalstadt Darmstadt ist gut.

Und was läuft schlechter als erhofft?
Cybersecurity-Experten sind extrem gesucht. Um noch mehr potentielle Gründer zu aktivieren, braucht eine starke intrinsische Motivation und sehr gute Rahmenbedingungen. Cybersecurity-Start-ups müssen oft schnell skalieren, um nachhaltig und auch international zu wachsen. Aus unserer Sicht ist das Finanzvolumen in Deutschland jedoch oftmals nicht hoch genug. Wir haben starke Industriepartner, wünschen uns aber noch mehr Unternehmen, die Projekte und Programme konkret, finanziell unterstützen oder als Referenzkunden zur Verfügung stehen.

Warum ist dieser Hub ausgerechnet an diesem Ort?
Die Rhein-Main-Metropol-Region ist das heimliche Silicon Valley Deutschlands und die Region um Darmstadt das Security Valley bzw. das CyberSecValley. Mit dem Nationalen Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit CRISP haben wir am Standort das europaweit größte Kompetenzzentrum für IT-Sicherheitsforschung. CRISP ist ein Forschungszentrum der Fraunhofer-Gesellschaft für ihre beiden Darmstädter Institute SIT und IGD unter Beteiligung der Technischen Universität Darmstadt und der Hochschule Darmstadt. Wir sitzen außerdem in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas – das ist für Start-ups im Hinblick auf die Nähe zu Kunden superspannend. Die Community ist extrem gut vernetzt, gründungserprobt und zeichnet sich durch ein besonderes lebendiges Netzwerk aus.

Und auf welchen Ort/welche Region blicken Sie neidisch?
Natürlich vergleichen wir in unserem Bereich immer mit Israel oder den USA, da haben wir noch Aufholbedarf. In Deutschland haben einige unserer Schwesterhubs sehr gute Programme. Und ein wenig begehrlich werden wir schon, wenn wir sehen, wie andere Hubs personell oder finanziell ausgestattet sind. Aber für die Kürze der Zeit und die Mittel haben wir ziemlich viel bewegt.

Welche bestehenden Gesetze müssten sich ändern? 
Es gibt in der IT-Sicherheit zahlreiche Gesetze und Regeln, zum Beispiel CyberAct, Datenschutz, Hackerparagraph, IT-Sicherheitsgesetz, Haftung, Urheberrecht, Lizenzbestimmungen, Schutzrechte etc. Zusätzlich kommen dann oft noch branchespezifische Regelungen zum Tragen. Für die Start-ups ist das nicht immer leicht, weswegen wir entsprechend beraten: Es kann ein riesiger Wettbewerbsvorteil sein, diese Anforderungen richtig und agil umzusetzen. Aber natürlich sind Steuerfreiheit bzw. -vergünstigungen für alle Start-ups ein Thema.

Kooperationen: Sind Mittelständler und Konzerne eher Freund oder Feind?
Freunde. Sie können sich vielfältig beteiligen: In Projekten wie unseren Acceleratoren, als Pilotkunden oder durch strategische Partnerschaften. Wir finalisieren gerade in Anlehnung an die Aktivitäten des Hubs in Dortmund ein StartIn-Programm, das Mittelständler gezielt bei konkreten Digitalisierungsprojekten unterstützt. Mit mittelständischen Unternehmen arbeiten wir zudem eng über die IHK zusammen. Sie unterstützt die Start-ups in unterschiedlicher Art und Weise, etwa bei der Partnersuche und durch einen eigenen Co-Working Space Hub31.

Was wird das nächste große Ding in der Cybersicherheit?
Eines der großen übergreifenden Themen ist die Automatisierung durch KI in der Security – das reicht von der Netzwerksicherheit über das autonome Fahren bis hin zur Absicherung von kritischen Infrastrukturen. In Darmstadt gibt es durch die Forschung bereits einen großen Erfahrungsschatz, etwa bei der Anwendung von Machine Learning zur Betrugserkennung. Wir sehen deshalb gerade eine große Nachfrage an Pilotprojekten und langfristigen Ideen, die deutlich über den Hype hinausreichen.