Zuhause am Knotenpunkt für IT-Sicherheit – aber ein klares Ungleichgewicht unter den Geschlechtern: IT-Seal berichtet aus dem Start-up-Ökosystem in Hessen.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge erzählen Start-ups, die sich in den über das ganze Land verteilten Digital Hubs engagieren, aus ihrem Ökosystem. Den Abschluss unserer Rundreise durch Deutschland macht heute Alex Wyllie (Bildmitte) von IT-Seal. Das Start-up hilft Firmen dabei, ihre Mitarbeiter für Gefahren aus dem Netz zu sensibilisieren. Das Unternehmen ist Teil des Cybersecurity Hubs in Darmstadt.

Ihr seid Teil des Cybersecurity Hubs Darmstadt. Warum?
Der Hub verknüpft alle wichtigen Stakeholder im Bereich Cybersecurity. Das schafft er sowohl auf einer lokalen, als auch auf einer nationalen Ebene, und das macht ihn so interessant für uns. Am hilfreichsten sind die Netzwerkevents wie die Hub Night, ob vor Ort oder virtuell. Dort kommen jedes Mal über 50 Partner aus Forschung, Forschung, Wirtschaft und Gründerszene zusammen und es entstehen wertvolle Kontakte.

Was gefällt euch am Ökosystem vor Ort? Was sind die Stärken der Region?
Darmstadt ist für uns der perfekte Ort für unsere Gründung, denn Darmstadt ist Europas größter Knotenpunkt für Cybersecurity. Nirgendwo sonst arbeiten so viele Forscherinnen und Forscher in diesem Bereich. Weiter entwickelt sich die Gründerszene stark. Seit 2014 sind wir Teil der Szene und beobachten, wie sie von Jahr zu Jahr größer und stärker wird. Es wurde eine richtige Infrastruktur aufgebaut, um Startups zu unterstützen und Gründerinnen und Gründer von morgen zu mit Know-how und Netzwerk fördern, beispielsweise durch Gründerzentren, Hubs und Entrepreneurship-Kurse für Studierende.

Woran mangelt es?
Die lokale Gründerszene ist durch die technischen Universitäten und Hochschulen teils sehr männerdominiert. Es sollten vielleicht gezielt mehr weibliche interessierte Entrepreneurinnen angesprochen und gefördert werden. Von einem vielfältigen, bunten Austausch profitieren wir alle.

Was konntet ihr von anderen Gründern lernen?
Wir alle laufen eine Treppe hoch, teils mit leichten, teils mit schwierigen Stufen. Manche Start-ups sind weiter oben, mache weiter unten, aber wir haben die gleichen Herausforderungen: Jeder geht seinen Weg, Schritt für Schritt, Stufe für Stufe. Der Austausch in der Cybersecurity Szene ist sehr fruchtbar, da wir im B2B-Sektor alle die gleichen Ansprechpartner überzeugen müssen: Den IT-Sicherheitsbeauftragten und die Geschäftsführung. Alle finden etwa die gleichen Entscheidungswege beim Kunden vor und genau hier ist ein Austausch Gold wert.

Wie leicht findet ihr in eurer Region Mitarbeiter?
Durch die vier Hochschulen in Darmstadt sind wir sehr nah an den Nachwuchskräften dran. Allerdings konkurriert man natürlich immer mit den Jobs in der Industrie. Man muss als Start-up zeigen, welchen klaren Mehrwert man liefern kann: Die Talente können mit dem Unternehmen wachsen, wir arbeiten sehr agil und tragen ein offenes Mindset. Außerdem ist die Sichtbarkeit des Start-ups entscheidend.

Und wie steht es in eurem Ökosystem um den Zugang zu Kapital?
Im Bereich Cybersecurity ist sie auf institutioneller Seite aktuell sehr gut, beispielsweise hat das Bundesforschungsministerium einen attraktive Förderung für Cybersecurity Unternehmen. Hier investiert der Staat, das ist wichtig und richtig. Zwischen 750.000 und 1,5 Millionen wird es schwieriger, ein altes Lied: Man ist zu früh für VCs, mit Business Angels kann man es auch nicht stemmen. Für uns war es sinnvoll, eine strategische Partnerschaften mit etablierten Partnern zu festigen.

Wie gut gelingt die Zusammenarbeit mit Mittelständlern und Konzernen?
Sehr gut. Wir haben da natürlich eine Lernkurve durchlaufen: Wie ticken Mittelständler und Konzerne, wer sind die Stakeholder und wie kommunizieren sie untereinander. Vertrauen ist im Bereich Cybersecurity das Wichtigste, gerade im deutschen Mittelstand. Für uns im Bereich Security Awareness muss man alle Stakeholder transparent und respektvoll abholen. Wenn man das schafft, dann funktioniert es sehr gut.

Würdet ihr euch von – lokalen oder regionalen – Behörden und Verwaltungen mehr Unterstützung wünschen?
Wir sind sehr zufrieden, wir erfahren auf lokaler Ebene, auf Landesebene und Bundesebene viel Zuspruch, Unterstützung und großzügige Förderung. Natürlich gibt es bei finanzieller Unterstützung  auch immer nervige Bürokratie, das gehört dazu. Insgesamt verspüre ich viel Dankbarkeit für die Chancen, die uns ermöglicht werden.

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