Trotzdem kommen Jungunternehmer eher noch an das Geld für die Unternehmensgründung als an Wachstumskapital, wie es Smartvie im Moment braucht. Denn gerade Unternehmen aus der Internetbranche sind erst relativ spät profitabel. Selbst der Online-Versandhändler Zalando ist erst jetzt – nach einem erfolgreichen dritten Quartal – „auf Kurs für ein konzernweit profitables Geschäftsjahr 2014“. Vorher floss alles Geld in das Wachstum.

Doch einem Unternehmen, das keine oder nur sehr geringe Gewinne erwirtschaftet, gibt kaum jemand eine weitere Finanzspritze. Das belegen die Statistiken: Laut dem Deutschen Start-up Monitor brauchen die deutschen Start-ups im Jahr 2015 mindestens 650 Millionen Euro, um allein in Wachstum und Fortschritt zu investieren. Kapitalgeber steckten im vergangenen Jahr in Deutschland allerdings nur 411 Millionen Euro in Gründungsprojekte.

Für viele Start-ups kann der Staat auf der Suche nach einem Geldgeber die Lösung sein. Wer Kapital braucht – unabhängig ob für die Grundsteinlegung oder die Expansion –, kann sich unter anderem an den Staat wenden. Im Jahr 2013 hat die Bundesregierung mehr als 100 Millionen Euro für die Förderung von jungen, innovativen Unternehmen zur Verfügung gestellt. Die Palette der staatlichen Förderangebote reicht dabei von Zuschüssen über Kredite bis hin zu Beteiligungen. Doch nur eines von drei Start-ups nutzt auch die Möglichkeiten der staatlichen Förderung, wie der DSM- und der KfW-Gründungsmonitor zeigen.

Unübersichtliche Wettbewerbe mit hohen Preisgeldern

Gründer können sich natürlich auch über die Teilnahme an entsprechenden Wettbewerben finanzieren. Laut der Studie „Gründerwettbewerbe und Top Start-ups 2014/2015“ der Plattform Für-Gründer.de vergaben Gründerwettbewerbe im letzten Jahr 3,2 Millionen Euro an Start-ups. Die Wettbewerbe selbst sehen sich als „einen wertvollen Beitrag zur Gründungsförderung in Deutschland“, sagt etwa der Geschäftsführer von Für-Gründer.de, René S. Klein.

Auch bei den Wettbewerben müssen Gründer einige Regeln beachten, um an Geld zu kommen. Die Betreiber der Plattform analysierten 124 Wettbewerbe. Das Resultat: Regionalität zieht. 79 Wettbewerbe in Deutschland küren die besten Gründer eines Bundeslandes oder einer noch enger gefassten Region.

Die höchsten Preisgelder der regionalen Wettbewerbe gibt es in Baden-Württemberg: Hier können Gründer bei sieben Wettbewerben rund 245.000 Euro gewinnen. 45 Wettbewerbe rufen deutschlandweit zu Bewerbungen auf. Sie sind in Bezug auf die Preisgelder spendabler und stehen trotz der geringeren Anzahl für 50 Prozent der ausgeschütteten Gesamtsumme. Doch Für-Gründer.de-Geschäftsführer Klein warnt auch, dass die Wettbewerbslandschaft „sehr unübersichtlich“ sei.

Die Beispiele zeigen, wie schwierig die Suche nach Geld für Start-ups ist. Das weiß auch Azim von Smartvie zu berichten, der sich bereits einmal Kapital von der Crowd besorgt hat. „Die Anstrengung wird unterschätzt“, sagt er. Schwarmfinanzierung sei mit viel Aufwand verbunden – sowohl vor als auch während der Kampagne.

Bei der aktuellen Kampagne bittet Azim die potentiellen Investoren sogar ins Unternehmen, um mit Vorträgen und im persönlichen Gespräch zu überzeugen. Ein eher ungewöhnlicher Weg. Wer an das Geld privater Investoren möchte, sollte jedoch kreativ sein.