Als eines der ersten deutschen Fintechs geht Creditshelf an die Börse. Im Interview erklärt Mitgründer Tim Thabe, warum es dabei nicht nur ums Geld geht.

von Jule Zentek

Der eine braucht Geld, der andere will investieren – Creditshelf will diese beiden Parteien zusammenbringen. Das läuft über die Online-Plattform des Frankfurter Fintechs: Unternehmen stellen dort ihr Projekt vor. Nach einer Prüfung können Investoren um die Finanzierung des Projekts bieten – der zinsgünstigste Angebot setzt sich durch. Seit dem Start Ende 2014 hat Creditshelf eigenen Angaben zufolge knapp 130 Kredite mit einem Volumen von 58 Millionen Euro vermittelt.

Nun gehen die Creditshelf-Vorstände Tim Thabe, Daniel Bartsch und Mark Währisch selbst auf die Suche nach neuen Investoren: Als eines der ersten deutschen Fintechs wagt das Unternehmen einen Börsengang. Heute endet die Zeichnungsfrist, am kommenden Mittwoch (25. Juli) soll die Aktie erstmals im Prime Standard der Frankfurter Börse gehandelt werden. Angepeilt ist ein Erlös von 15 bis 20 Millionen Euro.

Was sich Creditshelf von dem Börsengang verspricht und wie das Unternehmen künftig weiter wachsen will, erklärt Mitgründer und CEO Tim Thabe im Interview mit WirtschafsWoche Gründer.

Herr Thabe, Fintechs in Deutschland haben aktuell gute Chancen, Wagniskapitalgeber für sich zu gewinnen. Warum will sich Creditshelf Geld an der Börse holen?
Die große Rolle spielt etwas anderes: Wir wollen so Transparenz und Vertrauen schaffen, was für das Geschäft mit KMUs wichtig ist. Das sind teilweise Weltmarktführer in ihren Nischenbereichen, die sich aber noch nicht dementsprechend digitalisiert haben. Außerdem wollen wir Investoren und Kooperationspartnern dadurch zeigen: Wir sind morgen nicht weg! Gleichzeitig ermöglicht uns der Börsenhandel, unsere Mitarbeiter besser zu binden, als es uns als GmbH möglich wäre.

Geld einnehmen wollen Sie aber auch – angepeilt sind mindestens 15 Millionen Euro. Was soll mit dem Erlös passieren?
Unter anderem wollen wir unsere Kreditanalyse weiter ausbauen. Wir haben zwar schon immer in innovative Technologien investiert, aber wir wissen auch: Da geht noch mehr. Denkbar sind unter anderem die weitere Implementierung von maschinellem Lernen und Künstlicher Intelligenz. Wir stehen da erst am Anfang. Ich denke, in den nächsten fünf Jahren wird in dem Bereich viel passieren. Außerdem wollen wir unsere Produktpalette und Banken-Kooperationen erweitern und das natürlich auch technisch begleiten.

Creditshelf bringt Mittelständler und Geldgeber zusammen – machen Sie den Banken damit nicht Konkurrenz?
Wir sehen es als beste Lösung, wenn Banken und Fintechs sich zusammentun. Das Interesse zur Kooperation besteht beiderseits. Durch die Finanzkrise ist Kreditfinanzierung für KMUs deutlich unter Druck geraten. Für Banken sind unbesicherte Kredite teilweise zu teuer oder risikohaft. Gleichzeitig wollten immer mehr Investoren in den Mittelstand investieren, doch die Möglichkeiten am Kapitalmarkt sind eher begrenzt.

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Wie entwickelt sich die Nachfrage?
Im ersten Quartal 2017 hatten wir Anfragen in Höhe von insgesamt 66 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2018 stieg das Anfragevolumen auf über 250 Millionen. Dementsprechend sehen wir hier eine gute Grundlage für weiteres organisches Wachstum. Mittelfristig peilen wir ein jährliches, über unsere Plattform arrangiertes Kreditvolumen von 500 Millionen Euro an.

Als Vorreiter für digitale Finanzierungslösungen gilt der britische Markt. Woran liegt das?
Es stimmt, der britische Markt ist definitiv weiter, was die Digitalisierung von Finanzierungen angeht. Das liegt sicher an den Erfahrungen durch die Finanzkrise, als die vier größten Banken dort die Kreditvergabe eingeschränkt haben. Es liegt aber möglicherweise auch an einer kulturell bedingten Finanzaffinität. In Großbritannien werden mittlerweile rund zehn Prozent des Finanzierungsgeschäfts digital abgewickelt – in Deutschland wird das mittelfristig auch so weit sein. Wir hängen hier noch so zwei Jahre hinterher, denke ich.

Wäre es nicht für Creditshelf attraktiv, selbst in Großbritannien oder anderen Wachstumsmärkten aktiv zu werden?
Mit unserer Strategie konzentrieren wir uns aktuell klar auf den deutschen Markt. Aktuell sehen wir hier auch noch keine Wachstumsbeschränkung. Eine Expansion ins Ausland stellt uns vor Abwägungen: Wie viel größer wäre der Markt und wie viel größer unser Business? Aktuell gleicht der Kreditmarkt in Europa außerdem einem Flickenteppich, weil jedes Land seine eigenen Regeln hat. Daher hoffen wir auf eine Vereinheitlichung.

Sie selbst müssen sich mit dem Börsengang auch mehr Regeln beugen. Haben Sie keine Angst, dass die höhere Transparenz sich als Nachteil herausstellt?
Natürlich ist ein Listing nicht ohne Risiko. Aber wir wollen unser Unternehmen professionell aufbauen. Der Schritt zu mehr Glaubwürdigkeit geht nicht ohne mehr Transparenz. Das sind nun mal die Bedingungen, denen wir uns im Hinblick auf die Vorteile gerne unterwerfen.