Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche tritt heute der Gründer von CorTec, Jörn Rickert, an. Mit einem Implantat will er eine direkte Kommunikation zwischen Gehirn und Technik ermöglichen. Wie urteilt der Investor?

Jörn, du hast eine Minute im Fahrstuhl mit einem möglichen Geldgeber. Wie lautet dein Elevator Pitch?
Wir entwickeln, produzieren und verkaufen Implantate für die direkte Kommunikation von Gehirn und Technik. Anders als unser US-Konkurrent Neuralink führen wir keine Elektroden in das Gehirn ein, sondern nutzen Folien aus Silikon mit Platin-Iridium-Kontakten, die auf der Oberfläche von Gehirn oder Nerven liegen. Sie messen die elektrischen Ströme der Nerven und können diese elektrisch stimulieren. Mit unserer Plattform können Unternehmen und Forscher neue Therapien für Krankheiten entwickeln. Querschnittsgelähmte könnten so künftig wieder gehen, Depression, Bluthochdruck, Diabetes oder Schlaganfall besser behandelt werden.

Wie bist du auf die Idee gekommen?
Ich hatte als Neurobiologe in Freiburg ein Team aus Ingenieuren und Medizinern aufgebaut, das Gehirn-Computer-Schnittstellen und die Dekodierung neuronaler Signale erforscht hat.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Wir haben eine Reinraumfertigung eingerichtet, verkaufen erste Komponenten der Technik an Firmen und Forscher. Das Gesamtsystem, bestehend aus Software und Hardware, ist noch nicht ganz fertig, wird gerade in präklinischen Untersuchungen getestet.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) Bei den Implantaten müssen wir natürlich sehr perfektionistisch sein. Aber wir sind auch nerdig und visionär.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Der Frauenanteil liegt bei 50 Prozent, wird sind vom Alter her gut durchmischt, werden immer internationaler.

Was war euer größter Rückschlag?
Bei der EU-Zulassung unserer ersten Elektrode fiel die sterile Verpackung durch. Wir mussten das Sterilisationsverfahren ändern, alle Tests wiederholen. Indessen hatten sich die Gesetze verschärft, wir sollten eine klinische Studie mit 100 Patienten durchführen. So was kostet Millionen. Da haben wir die Zulassung in den USA eingereicht.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann ist unser Vorsprung gegenüber Neuralink gewachsen und Top-Kliniken testen erste neue Therapien.

Fakten zum Start-up

Kunden: Rund 100 weltweit
Finanzierung: Wagniskapital, laufende Umsätze und Fördermittel
Gründung: 2011 in Freiburg
Mitarbeiter: 63

Würde der Profi investieren?

Idee: 5/5
Geschäftsmodell: 3/5
Timing: 4/5

Urteil: „Extrem spannende Vision, technisch und regulatorisch eine Herausforderung. Es ist toll, dass sich auch in Deutschland Teams solche großen Ideen vornehmen – nicht nur Amerikaner wie Elon Musk!“
Florian Heinemann ist Partner der Wagniskapitalfirma Project A und früherer Geschäftsführer bei Rocket Internet.

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