Lange mussten Gründer ohne Risikokapitalgeber auf das versprochene staatliche Hilfsprogramm warten. Jetzt steht der Rahmen. Bis Geld fließt, wird es trotzdem noch dauern.

Die Pressemitteilung der KfW gestern ließ zahlreiche von der Krise gebeutelte Start-ups aufhorchen: „Zweite Säule der Start-up-Hilfen der Bundesregierung steht“ informierte die staatliche Förderbank. Doch auf allzu rasche Hilfe sollten junge Digitalunternehmen nicht hoffen: „Das heißt nicht, dass ab sofort die Förderangebote für Start-ups bereitstehen“, sagte Beate Siewert vom Bundesverband öffentlicher Banken (VÖB) heute in einer Videokonferenz des Bundesverbands Deutscher Startups (Startup-Verband).

Die Herausforderung: Im ersten Schritt schließt die KfW nun Globaldarlehensverträge mit Förderinstituten der jeweiligen Bundesländer ab. Diese Darlehen sind seit gestern freigegeben. Nun müssen die regionalen Institute jedoch noch konkrete Programme ausarbeiten. Es werde parallel und intensiv daran gearbeitet, betonte Siewert. Zeit braucht diese Arbeit dennoch: „Wir sprechen da eher von Ende Juni bis Anfang Juli, bis die Angebote überall zur Verfügung stehen.“

Start-ups warten auf Staatshilfe

Damit sitzen zahlreiche Start-ups weiterhin auf dem Trockenen. Sie fallen durch die Raster der Corona-Kredite, weil sie in der Aufbauphase planmäßig defizitär arbeiten. Früh hatte der Startup-Verband daher Alarm geschlagen – und war auf offene Ohren im Finanz- und Wirtschaftsministerium gestoßen. Vor drei Wochen wurde dann die sogenannte Säule 1 beschlossen: Stellt ein Risikokapitalgeber aufgrund der Corona-Krise weniger Kapital bereit als benötigt wird, kann die Finanzierungssumme von der KfW über die „Corona Matching Fazilität“ proportional vergrößert werden.

Keine finale Lösung gibt es bislang jedoch für das Gros der Start-ups, die sich aus eigenen Mitteln oder mithilfe von Business Angels finanziert haben. Auch Tech-Unternehmen, bei denen sich Investoren gänzlich zurückgezogen hatten, half das bisherige Angebot nicht weiter. Die Verhandlungen zwischen Bund, KfW und Förderinstituten zogen sich länger hin als angekündigt. Parallel hatten einige Landesförderinstitute und Landesministerien – etwa in Berlin, NRW oder Baden-Württemberg – eigene Hilfsprogramme für Start-ups aufgelegt. Andere Gründer gingen jedoch leer aus.

Nun steht der Rahmen für die Säule 2: „Wir freuen uns, dadurch jetzt auch den dringenden Bedarf von kleinen und mittleren Start-ups und Mittelständlern ohne Zugang zu Wagniskapitalinvestoren adressieren zu können“, lässt sich Finanzstaatssekretär Jörg Kukies zitieren.

Regionale Unterschiede bei den Programmen

Es geht aber weiterhin um die Details der Förderprogramme. In den meisten Fällen werden stille oder offene Beteiligungen zum Einsatz kommen. Das könnte etwa über Wandel- oder Nachrangdarlehen geschehen. Neben den Bundesmitteln müssen auch die Länder eigene Gelder und Garantien beisteuern. Der Umfang und die Ausgestaltung können sich daher regional deutlich unterscheiden. Um Zeit zu sparen, werde man häufig versuchen, bereits bestehende Programme zu verbessern – „und noch einen Schnaps oben drauf zu geben“, wie es Förderbanken-Vertreterin Siewert heute formulierte.

Einige Rahmenbedingungen müssen jedoch in allen Bundesländern gelten: Dazu zählt etwa eine staatliche Maximalförderung von 800.000 Euro pro Start-up, mehr ist nach EU-Beihilferecht in der Krise nicht erlaubt. Zudem werden Start-ups umfangreiche Unterlagen vorweisen müssen, um Betrug mit den Staatshilfen zu vermeiden. Ein Jahresabschluss von 2019, eine positive Fortführungsprognose und einen Nachweis über die Einbußen durch die Corona-Krise dürften zu den angeforderten Unterlagen gehören. Stehen die bereit, könnte die sehnlich erwartete Unterstützung zumindest dann zügig fließen, wenn die Programme stehen: „Der Wille, schnell zu helfen, ist absolut da“, sagte Siewert heute.