Nach einer Finanzierungsrunde will das dänische Legaltech nun international wachsen. Unter den Investoren ist ein bekannter Business Angel aus Köln.

Das papierlose Büro mag mehr und mehr Realität werden. Doch wenn es um juristische Angelegenheiten geht, türmen sich in Unternehmen noch immer die Aktenordner. Die Mission von Niels Martin Brochner, Jarosław Owczarek und Viktor Heide ist es, das zu ändern. Das Trio hat das dänische Start-up Contractbook gegründet – und vertreibt eine Cloud-Software, die sich als digitale Heimat von Verträgen aller Art andient. Unternehmen können aber nicht nur bestehende Dokumente online speichern, sondern auch neue Verträge erstellen und signieren.

Kern der Software ist eine Art Baukastensystem, mit dem sich entweder manuell oder mit vorgefertigten Modulen Vorlagen erstellen lassen. Diese können dann beispielsweise für neue Kunden oder Lieferanten angepasst werden. Das Start-up wirbt damit, dass das dank Künstlicher Intelligenz (KI) auch automatisiert auf Basis von Fragebögen geht. Ein Link zum fertigen Vertrag kann per E-Mail verschickt – und digital unterschrieben werden. Unternehmen können zudem externe Anwälte auf die Plattform einladen, um Dokumente gemeinsam zu bearbeiten oder prüfen zu lassen.

Gegründet 2015, wird Contractbook eigenen Angaben zufolge mittlerweile von 45.000 Nutzer in Unternehmen genutzt. Bisher gibt es neben einer dänischen auch eine englische Version. Nach einer 3,5 Millionen Euro schweren Finanzierungsrunde will das Unternehmen nun die internationale Expansion vorantreiben. „Mit dem neuen Kapital sind wir bereit, die Präsenz von Contractbook weltweit auszubauen“, sagt Brochner. Geplant ist den Angaben zufolge auch ein deutscher Ableger.

Konkurrenz für deutsche Start-ups

Unterstützung kommt dabei von einem Business Angel aus Köln: Tim Schumacher, bekannt als Gründer der Domain-Handelsplattform Sedo und des Werbeblockers AdBlock Plus, ist im Zuge der Finanzierungsrunde bei dem dänischen Start-up eingestiegen. „Contractbook hat mich als elegante und performante Lösung beeindruckt, mit der Unternehmen und Kanzleien ihren Workflow in Bezug auf Dokumente digital im Griff haben können“, sagt Schumacher, der aktuell an 25 Unternehmen beteiligt ist. Weitere Geldgeber bei Contractbook sind die Google-Tochter Gradient Ventures, die vornehmlich in KI-Start-ups investiert, sowie der in Kopenhagen und im Silicon Valley vertretene Frühphaseninvestor ByFounders.

Die Expansionspläne der Dänen dürften auch einige deutsche Start-ups, die als sogenannte Legaltechs die Digitalisierung im Rechtswesen vorantreiben, aufmerksam verfolgen. So ist beispielsweise Legal OS in einem ganz ähnlichen Gebiet unterwegs: Das Berliner Unternehmen baut derzeit eine „codebasierte Bibliothek juristischer Inhalte“ auf mit dem Ziel die Erstellung von Verträgen zu erleichtern. An einem Automatisierungs-Baukasten für Juristen arbeitet Bryter ‑ auch hier sind Verträge ein möglicher Anwendungsfall.