SAP und Salesforce sind unter den Investoren einer Runde über mehr als 70 Millionen Euro. Das Start-up spielt digitale Inhalte von Konzernen an den passenden Stellen aus – und will selbst ganz groß herauskommen.

Bevor Corona kam, war die Software von Contentful auch auf hoher See im Einsatz: Kreuzfahrtschiffe bespielten mit dem System des Start-ups die zahlreichen Bildschirme – welcher Hafen wird heute angelaufen, welche Ausflüge stehen an? Nun liegen die allermeisten Schiffe ohne Passagiere auf Reede – und die Contentful-Software hilft dabei, die Kunden der Veranstalter über Apps, Newsletter oder auf Webseiten zu informieren.

Das 2011 gegründete Start-up mit Büros in Berlin und San Francisco liefert die Infrastruktur, mit der Unternehmen digitale Inhalte an ihre Kunden verteilen können. „Wir sind die Zulieferer für Unternehmen, die damit ihre Portale und Produkte bespielen können“, erklärt Mitgründer und Co-Chef Sascha Konietzke das Konzept im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Als sogenanntes Content-Management-System ist die Software nach eigenen Angaben bereits bei 2200 Kunden weltweit im Einsatz. Darunter Konzerne wie Spotify, Bang & Olufsen oder Lenovo.

70 Millionen Euro von SAP und Salesforce

Nun gibt das Start-up eine erneute Finanzierung über etwas mehr als 70 Millionen Euro bekannt. Angeführt wird die Runde von Sapphire Ventures, der Beteiligungsgesellschaft des Software-Giganten SAP, sowie dem US-Risikokapitalgeber General Catalyst. Ebenfalls erneut dabei ist der erbitterte SAP-Konkurrent Salesforce mit seiner Venture-Tochter.

Die beiden Software-Konzerne waren Ende 2018 bei Contentful eingestiegen. Wie Konietzke im Gespräch berichtet, brachten sie nicht nur wichtiges Kapital mit: „Salesforce und SAP haben uns auch dabei geholfen, uns mehr auf Großkunden auszurichten.“ Größere oder global tätige Unternehmen legen mehr Wert auf Themen wie die Sicherheit der Inhalte, Privatsphäre-Einstellungen oder die Rechteverwaltung.

Wachstum im Einhorn-Umfeld

Zu welcher Firmenbewertung die aktuelle Finanzierungsrunde erfolgte, will Contentful nicht bekanntgegeben. Gerne verweist das Start-up aber darauf, dass es von Analysten zumindest auf dem Weg zum Einhorn gesehen wird. So werden nicht börsennotierte Start-ups bezeichnet, deren Firmenwert eine Milliarde Dollar übersteigt. „Wir sind auf jeden Fall in dem Gebiet von einem Einhorn“, verrät Konietzke im Gespräch. Damit ist Contentful auf den Spuren des Münchener Software-Start-ups Celonis, das diese Schwelle vor zwei Jahren übersprang. Auch Celonis wuchs dabei gerade zu Beginn dank einer engen Verbindung zu SAP.

Mit den prominenten Partnern im Rücken will Contentful jetzt weiter wachsen. Das lässt sich das Start-up einiges an Geld kosten. Die langfristigen Verträge mit Großkunden sorgten jedoch für eine hohe Planungssicherheit, so Konietzke. „Wenn wir merken, wir möchten profitabel werden, dann könnten wir schnell in diese Richtung einsenken.“

Auch in der jüngeren Vergangenheit nahmen SAP oder Salesforce große Summen in die Hand, um passende Tech-Firmen aufzukaufen. Contentful mit aktuell 400 Mitarbeitern setzt aktuell jedoch auf ein eigenständiges Wachstum: „Für uns ist eher das Ziel, das nächste SAP oder Salesforce selbst zu sein“, sagt Konietzke. „Wir möchten die Plattform für Verwaltung von Inhalten sein.“