Bis dahin war es allerdings kein einfacher Weg: Reishunger hat viel ausprobiert. „Gerade im Printbereich lief bei Reishunger auch mal was schief“, sagt Uhlmann. Die Preise für Print-Produkte seien im Vergleich zur digitalen Welt sehr hoch und nicht selten überstiegen die Kosten sogar die Umsätze, so Uhlmann. Umso wichtiger sei daher die kontinuierliche Überwachung der Aktivitäten gewesen. Gerade das scheint vielen anfangs nicht wichtig. „Zu wenige junge Unternehmen messen von Anfang an den Erfolg ihrer Inhalte“, sagt Michael Firnkes, Berater für Blog- und Content-Marketing.

Experimentieren – aber nicht ohne Monitoring

Dabei sind Monitoring-Tools für jedes Unternehmen ein Muss, um Strategien zu verfolgen und zu optimieren oder schlimmstenfalls schnell zu beenden. So erkennen die Start-ups schnell, welche Inhalte gut angekommen, welche gerne geteilt werden – und wo vielleicht an der Überschrift noch einmal gefeilt werden muss. „Gerade neue Formate, die noch nicht von Mitbewerbern erprobt wurden, sollten hinsichtlich ihres Erfolgs beobachtet werden“, rät Firnkes. Experimentiert wird etwa mit Whats-App-Newslettern oder dem Livestreaming in sozialen Netzwerken. Zwar sind Start-ups durch kürzere Entscheidungswege oft flexibler als große Unternehmen und können daher auch beim Marketing mal experimentieren. Der Erfolg darf jedoch nicht ausbleiben, gerade wegen des oft geringen Budgets.

Bei Chronext, einem E-Commerce-Start-up für Luxusuhren, teilten die Gründer Philipp Man und Ludwig Wurlitzer das Marketingbudget aus diesem Grund von Anfang an genau ein. Um nachzuverfolgen, durch welche Kanäle der einzelne Kunde zu Chronext kommt und welche Marketingformate erfolgreich sind, nutzt das Start-up interne Tracking-Systeme. „Uns war von Anfang an klar, dass wir als Onlinehändler für Luxusuhren neben dem kurzfristigen Performance-Marketing auch Content-Marketing zur langfristigen Kundenbindung benötigen“, so Man. Denn bis Kunden eine vertrauensvolle Bindung aufgebaut haben, um eine teure Uhr online zu kaufen, dauere es manchmal bis zu einem Jahr, so die Erfahrungen des Start-ups.

Mit Videos zum Wohlgefühl

Schon kurz nach der Gründung 2013 richteten sie dafür unter anderem einen YouTube-Kanal ein: Durch die Videos sollen den Kunden die Uhren detailliert präsentiert und Einzelheiten wie die Farbe des Ziffernblatts besser vermittelt werden. „Sie sollen ein Gefühl dafür entwickeln, wie sich das Modell in der Hand anfühlen wird“, sagt Man. Denn viele würden sich eine hochwertige Uhr passend zu einem besonderen Lebensereignis wie einer Hochzeit kaufen – dann, wenn emotionale Gefühle im Spiel sind. „Ein Video transportiert dieses Gefühl, das mit einer Uhr verbunden wird, besser als jeder Text und sogar besser als Fotos”, sagt Man.

Ob der Inhalt auf YouTube erfolgreich ist, zeigt sich schnell an den Klickzahlen. Die fallen bei Chronext sehr unterschiedlich aus: Während einige fünfstellige Aufrufe zählen, wurden andere nur rund 1.000 Mal geklickt. Chronext hat jetzt investiert, um die Zahlen in die Höhe zu treiben. Künftig soll der YouTube-Kanal noch intensiver bespielt werden – dazu hat das Start-up kürzlich ein eigenes, professionelles Videostudio im Kölner Standort eingerichtet.