So sind es auch vor allem die Kleinen, an die sich Plattformen wie Newcoventure, Comatch oder Projectchamps richten: Sie wollen zunächst Mittelständler und freiberufliche Berater zusammenführen. Thomas Nugel, Gründer und Geschäftsführer von Projectchamps, erfuhr die Notwendigkeit dafür am eigenen Leib, als er nach langen Jahren aus dem M&A-Beratungsgeschäft, also aus dem Bereich Fusionen und Übernahmen, bei großen Finanzinstituten in die Freiberuflichkeit wechselte. „Ich habe viel zu viel Zeit in die Akquise investieren müssen, ehe ich Projekte angehen konnte“, sagt er.

Zeit, die er lieber anders genutzt hätte. Denn wie Untersuchungen des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater zeigen, müssen sich gerade kleine und mittelständische Beratungshäuser fachlich immer stärker spezialisieren, um sich vom Wettbewerb abgrenzen zu können. Durch diesen Aufwand wird nochmal verstärkt, dass ihnen die Strahlkraft der großen Marken fehlt, um neue Kunden auf sich aufmerksam machen zu können. Diese Zwickmühle ist niemandem so gut bewusst wie den Beratern selbst: Auch Newcoventure und Comatch wurden von ehemaligen Consultants gegründet.

Passende Verbindung

Die Geschäftsmodelle der drei Start-ups gleichen sich: So können Berater ihre digitale Visitenkarte inklusive Spezialgebieten und Berufserfahrung hinterlassen. Umgekehrt können Unternehmen angeben, bei welchem Vorhaben oder Problem sie externen Rat benötigen.

Bei Newcoventure können die Kunden dann selbst nach geeigneten Beratern suchen, bei Comatch und Projectchamps sollen Algorithmen – mitunter mit etwas menschlicher Unterstützung – geeignete Pärchen finden. Bei Comatch und Projectchamps werden die Vermittler am Projektumsatz beteiligt. Newcoventure ist in der Basisversion kostenlos, will aber in Zukunft die Vernetzung und den Vergleich zwischen den Beratern verstärken und unter anderem eine automatisierte Rechnungsabwicklung anbieten – dafür wird dann eine Gebühr fällig.

Beobachter sehen durchaus Potenzial für die jungen Plattformen: „Für kleine Beratungshäuser und Freiberufler mag es interessant sein, weil sie sich so leicht präsentieren können“, urteilt Personalberater Derakhchan. Relevanz für weltweit tätigen Beratungen der Kategorie McKinsey, Boston Consulting Group oder Oliver Wyman sieht er hingegen weniger. „Wenn es um bedeutende strategische Projekte geht, würde ich als Unternehmen eher nicht darauf zurückgreifen“, sagt er.