Zwei Hamburger Gründer haben ein Zugangssystem für Mehrfamilienhäuser entwickelt, das Barcodes auf Paketsendungen ausliest.

Die Paketflut nimmt stetig zu: 3,52 Milliarden Sendungen haben die Kurier-, Express- und Paketunternehmen in Deutschland im vergangenen Jahr befördert, so der Branchenverband BIEK. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Wachstum von knapp fünf Prozent, für 2019 wird eine ähnliche Steigerung erwartet. Das altbekannte Problem für die Zustelldienste: In vielen Fällen treffen sie den Empfänger zu Hause nicht an.

Während die Deutsche Post gerade angekündigt hat, 3000 zusätzliche Packstationen aufzubauen, will Uniberry das Problem auf anderem Wege abmildern. Das Hamburger Start-up bietet unter dem Markennamen Comydo (vormals Cido) ein Zugangssystem für große Mehrfamilienhäuser an, das Eigentümer fest in der Nähe der Klingelanlage einbauen. Einmal installiert, müssen Zusteller nur den Barcode des Pakets an den Scanner halten – und gelangen so ins Gebäude. Drinnen können sie das Paket entweder an einen vereinbarten Ort legen oder spezielle Ablagesysteme nutzen. Mit Paketbutler oder Paksafe gibt es etwa diebstahlgeschützte Taschen, die sich Mieter an ihre Türe hängen können. In manchen Neubauten sind neben Briefkästen auch schon Ablageboxen für größere Sendungen vorhanden.

Kooperationen mit großen Zustelldiensten

„Das Paket wird zum Schlüssel für die Eingangstür“, sagt Julian Wulf, der Uniberry zusammen mit Felix Ueckermann gegründet hat. Für die Zustelldienste sei der Anpassungsbedarf minimal, da die Software an die ohnehin existierende Sendungsverfolgung andockt. Die Bereitschaft zur Kooperation deswegen groß, sagt Wulf. Aus rechtlichen Gründen darf das Start-up derzeit nicht mit den Namen der Kooperationspartner werben. Nur soviel: „Wir decken 95 Prozent des B2C-Paketmarkts in Deutschland ab.“ Damit dürften sowohl DHL als auch Hermes an Bord sein.

Vertrieben werden die Comydo-Systeme seit Anfang des Jahres – wie viele bereits installiert sind, wollen die Gründer nicht verraten. Kennengelernt haben sie sich and der Uni Hamburg: Wulf arbeitete nach der Promotion am Institut für Logistik und Transport, Ueckermann schrieb dort seine Bachelorarbeit. Über die Gründungsberatung der Uni wurde ihnen ein Exist-Gründerstipendium vermittelt, im Anschluss sicherten sie sich eine Finanzierung der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB Hamburg).

Sechsstellige Finanzierungsrunde

Nun hat das im Juli 2017 gegründete Unternehmen mit dem  High-Tech-Gründerfonds (HTGF) und dem auf Proptechs spezialisierten Wagniskapitalgeber Anyon zwei neue Investoren gefunden. Im Zuge einer Finanzierungsrunde im „hohen sechsstelligen Bereich“ hat sich zudem die IFB Hamburg mit ihrem Innovationsstarter Fonds Hamburg erneut beteiligt. „Im Bereich Zugangsmanagement gibt es schon einige Anbieter, aber keiner hat bislang auf so brillant einfache Weise wie Comydo das Bottleneck der Haustüröffnung bei der Paketzustellung adressiert“, kommentierte HTGF-Investment-Managerin Daniela Bach. „Damit löst das Team ein wesentliches Problem bei der Last Mile Delivery.“

Uniberry will nun das bisher fünfköpfige Team aufstocken und sich vor allem im Bereich Marketing und Vertrieb verstärken. Primär zielt das Start-up auf Immobilien- und Wohnungsbaugesellschaften – angepriesen wird das Zugangssystem dabei aber nicht alleine als Türöffner für Paketboten. Auch Handwerker und andere Dienstleister können digitale Zugänge bekommen. Für diesen Zweck erzeugt das System QR-Codes, die Hausverwalter beispielsweise per E-Mail verschicken können. „Die Unternehmen interessiert es vor allem, die Verwaltungskosten zu senken“, sagt Ueckermann.

Vertriebspartnerschaft mit Vodafone

Anfragen erhält das Start-up inzwischen auch von Unternehmen abseits des Wohnungsmarktes: Die Technik können etwa Co-Working-Anbieter nutzen, auch für digitale Dienstausweise in Unternehmen oder Abholstationen bei Händlern für online bestellte Sendungen bietet sich der Barcode-Scanner an. „Wir haben schon jetzt Schnittstellen zu dutzenden Systemen geschaffen“, sagt der Gründer. Die Hardware funktioniert dabei weitgehend ortsunabhängig – zwar muss ein Stromanschluss vorhanden sein, für die Datenverbindungen werden aber Mobilfunkmodule genutzt.

Das Konzept hat auch Vodafone auf das Start-up aufmerksam werden lassen. Der Telekommunikationsriese, der im „Internet der Dinge“ großes Wachstumspotenzial sieht, hat Uniberry in sein Accelerator-Programm Uplift aufgenommen. Eine direkte finanzielle Förderung sei damit zwar nicht verbunden, so Wulf. „Die Vertriebspartnerschaft hilft uns aber sehr, das Vertrauen von Kunden zu gewinnen.“