Das junge Unternehmen will die Buchung von Dienstreisen digitalisieren. Investoren stützen den Plan mit 21 Millionen Euro. Mit dabei: Die Deutsche Bank – als Geldgeber und Vertriebspartner.

Morgen nach Böblingen, übermorgen nach Berlin und kommende Woche nach Bangkok: 116 Millionen Mal buchten Arbeitnehmer von deutschen Firmen im vergangenen Jahr bei Reisebüros ihre Dienstreisen. Das zeigen Zahlen des Deutschen Reiseverbands. Fast acht Milliarden Euro gaben die Unternehmen 2018 dafür aus, um ihre Mitarbeiter zu Konferenzen, Vertriebsterminen oder Service-Einsätzen zu schicken.

Ein Viertel dieser Reisen wurde bereits online gebucht. Start-ups wie das Berliner Unternehmen Comtravo arbeiten daran, dass dieser Anteil steigt – ebenso wie der Umsatzanteil, den sie sich durch ihre Arbeit versprechen. Comtravo bietet seit 2015 eine Software an, über die Angestellte ihre Tickets buchen können, via Selbstbuchungs-Tool, E-Mail oder Callcenter.

Schneller buchen dank KI

Im Hintergrund setzt das Start-up auf Spracherkennung und Machine Learning, um Standardanfragen automatisiert zu beantworten. Vergütet wird Comtravo selbst über eine Servicegebühr pro Ticket oder einen Paketpreis. Gegen die Konkurrenz – Start-ups wie Lanes&Planes und Traverlperk oder etablierte Anbieter wie BCD Travel oder HRS – will sich das Start-up mit diesem Technologievorteil durchsetzen.

Etwa 700 Unternehmen gehören nach eigenen Angaben bereits zu den Kunden des Start-ups. Der klare Fokus liegt dabei auf dem Mittelstand. „Es ist zwar aufwändiger, hier Vertrauen als noch junge Firma aufzubauen, jedoch ist dann im Nachgang die Zusammenarbeit sehr angenehm und strategisch orientiert“, sagt Gründer und Geschäftsführer Michael Riegel gegenüber WirtschaftsWoche Gründer.

Hoffen auf kostenorientierte Kunden

Sorgen vor einem möglichen Abschwung der Wirtschaft – der meist mit einem Einbruch der Dienstreisen einhergeht – hat Riegel nicht: „Wir denken, dass in einem wirtschaftlichen Abschwung Kunden preis-sensitiver werden, was uns in die Karten spielt, da wir sehr kostenorientiert arbeiten und hier auch klare Wettbewerbsvorteile haben.“

Daher will Comtravo jetzt die Wachstumsgeschwindigkeit sogar noch erhöhen: Investoren stellen 21 Millionen Euro bereit, um die Expansion zu finanzieren. Eine ganze Reihe Bestandsinvestoren, darunter die Risikokapitalgeber Project A, Creandum und btov Partners, beteiligen sich nach einer Finanzierungsrunde vor gut zwei Jahren erneut.

Dazu kommt eine Mischung aus institutionellen und strategischen Investoren. Zum einen die Venture-Capital-Gesellschaft Endeit, zum anderen der Flugtickethändler AER Händler und Jan Valentin, ehemaliger Spitzenmanager bei der Flugsuchmaschine Kayak. Außerdem beteiligt sich die Deutsche Bank mit einem nicht näher bezifferten Anteil.

Deutsche Bank vertreibt die Software

Das Institut hat bislang vor allem in Start-ups investiert, die näher am Kerngeschäft liegen – etwa das Maklernetzwerk Hausgold oder das Zinsportal Deposit Solutions. Die Beteiligung an dem Traveltech Comtravo soll jedoch auch strategisch genutzt werden: „Wir arbeiten hier über die Mittelstandsplattform der Deutschen Bank zusammen“, sagt Riegel.

Das bedeutet: Comtravo wird online von der Deutschen Bank beworben. Und auch offline sollen die Firmenkundenberater Werbung machen: Es würden „auch Bank-Berater vor Ort gebriefed und können so Ihre mittelständischen Kunden informieren“, sagt Riegel.