Das Berliner Start-up will das Buchen von Geschäftsreisen schneller, effektiver und günstiger machen. Zur Ausweitung des Geschäfts gab es frisches Kapital.

Es war ein Rekord: 190 Millionen Mal schickten deutsche Unternehmen ihre Mitarbeiter im Jahr 2018 auf Reisen – so häufig wie nie zuvor. Dafür gaben sie nach Angaben des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) 53,5 Milliarden Euro aus. Damit sind die Reiseausgaben für dienstliche Touren in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 30 Prozent gestiegen.

„Ein Großteil der Unternehmen buchen ihre Geschäftsreisen noch über traditionelle Reiseagenturen, wo Prozesse in der Regel noch manuell abgearbeitet werden. Jeder fünfte Mittelständler wickelt seine Geschäftsreisen sogar noch komplett analog ab“, sagt Michael Riegel. 2015 gründete der Berliner darum zusammen mit Jannik Neumann und Marko Schilde das Start-up Comtravo, das das Buchen von Dienstreisen digitalisieren will. 

Finanzierungsrunde in Höhe von neun Millionen Euro

Wie heute bekannt gegeben wurde, konnte Comtravo für diese Mission frisches Kapital einsammeln und die letzte Finanzierungsrunde aus dem September 2019 um weitere neun Millionen Euro auf insgesamt 30 Millionen Euro aufstocken. M12 – Microsofts Venture-Fonds und Joop Drechsel beteiligen sich jetzt neben den bestehenden Investoren Endeit Capital, Deutsche Bank, Creandum, Project A, btov, AER Ticket und Jan Valentin an der Series-B-Finanzierungsrunde. Joop Drechsel, der auch dem Beirat beitritt, ist ehemaliger weltweiter Geschäftsführer von BCD Travel, das zweitgrößte Travel-Management-Unternehmen der Welt.

Das Geld fließe in die Weiterentwicklung der Technologie, sagte CEO Michael Rieger gegenüber WirtschaftsWoche Gründer: „Dazu gehört der Ausbau des Backends, um zusätzliche Direktanbindungen zu Reiseanbietern zu ermöglichen. Außerdem wird unser Produkt-Team weiter daran arbeiten, manuelle Prozessschritte zu automatisieren und damit effizienter zu gestalten, um die Kosten pro Buchung zu reduzieren.”

Kein Erfolg ohne menschlichen Support

Bisher würden bereits 60 Prozent, vor allem Standardanfragen wie Flug- und Hotelbuchungen, automatisch durchgeführt, während komplexere Fälle, etwa Gruppenbuchungen, nach wie vor von Reise-Spezialisten erledigt würden. Genau auf dieser Kombination beruhe der Erfolg vom Comtravo, so Riegel:

 „Wir glauben, dass auch in zehn Jahren ein sehr guter Kundenservice und menschlicher Support noch eine wichtige Rolle im Geschäftsreisebereich spielen wird. Die Technologie kann zum Beispiel keine Streiks eigenständig verarbeiten, gerade hier ist aber die Unterstützung der Kunden wichtig. Dieser Multi-Kanal-Ansatz erfüllt besonders die Anforderungen von Mittelständlern und großen Corporates“, so Michael Riegel. 

Eigenen Angaben zufolge nutzen über 900 mittelständische Unternehmen aus der DACH-Region das Angebot, die ein Reisevolumen von 50 bis 1500 Buchungen im Monat haben. Darunter Nagel-Group, Fleurop, Kienbaum, Schalke 04, Home24, WeWork oder HelloFresh.

Geschäftsreisen mit der Bahn

Bei allen Buchungen sei auch die weltweite Klimabewegung mittlerweile ein Thema: Immer mehr Unternehmen und Geschäftsreisende wählten den Zug für ihre Reisen oder suchten nach Reiseprogrammen, bei denen sie die CO2-Emission ausgleichen können. „Es gibt bereits einige Unternehmen, die Lösungen wie z. B. Spenden an Klimaschutzprojekte anbieten, um die Auswirkungen auf die Umwelt zu kompensieren. Wir arbeiten bereits mit einer dieser Lösungen zusammen und streben auch weitere Kooperationen an”, so Riegel. 

Angst, dass die Anzahl an Geschäftsreisen zurückgehen könnten, habe man dagegen nicht: „Video-Calls können nicht den persönlichen und vertrauensvollen Vor-Ort-Termin ersetzen. Auch das Erlebnis live vor Ort auf einer Messe oder Konferenz zu sein und dort neue Kontakte zu schließen ist anders als das Erlebnis einer Online-Konferenz.“