Die Plattform für Schwarm-Unternehmensfinanzierung steht künftig nur noch professionellen Investoren offen. Der Markt hat zuletzt an Schub verloren.

Kleinanleger als Start-up-Investoren: Mit diesem Ansatz als Crowdinvestment-Portal gestartet, stellt sich das Berliner Start-up Companisto nun neu auf und verabschiedet sich teilweise vom Schwarm. Die junge Firma beschränkt den Zugang zu seiner Plattform auf professionelle Investoren sowie Privatinvestoren, sogenannte Business Angels. In dem Zuge konzentriert sich Companisto künftig auf Eigenkapital-Finanzierungsrunden und nimmt somit Abstand vom Modell der Nachrangdarlehen.

Das Portal richtet sich an junge Unternehmen auf der Suche nach frischem Kapital. Das Berliner Start-up bringt sie mit potenziellen Anlegern zusammen. Beim sogenannten Crowdinvesting erwerben registrierte Nutzer Anteile an einer Firma und können so von den Gewinnen oder einem Unternehmensverkauf profitieren. Diese Anlageform gilt wegen teils hoher Ausfallraten als sehr riskant und verlor zuletzt an Dynamik, wie aktuelle Studien zeigen. So hat der Markt in Deutschland im vergangenen Jahr zwar um 50 Prozent gegenüber 2017 zugelegt, wächst damit aber deutlich langsamer als in den Vorjahren.

Companisto nennt knapp 100.000 registrierte Investoren. 2012 gegründet, hat das Portal nach eigenen Angaben bereits mehr als 50 Millionen Euro für Start-ups aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zur Verfügung gestellt.

Kundenfokus schärfen

Als Gründe für den Abschied vom Crowdinvesting gibt Companisto Wünsche der Investoren nach stärkerer Vernetzung und detaillierterer Information über die ausgewählten Deals an. „Die Investmentanalyse unterstreicht die veränderte Unternehmensstrategie von Companisto. Wir bewegen uns damit aus der Rolle des Intermediärs in Richtung eines kuratierten Angebots“, lässt sich Christoph Schweizer, Verantwortlicher bei Companisto für die Auswahl der Beteiligungsunternehmen, in einer Pressemitteilung zitieren.

Die Berliner wollen außerdem stärker in die Position eines Business-Netzwerks rücken und etwa Foren einrichten, in denen sich Investoren untereinander und mit Unternehmen direkt austauschen können. „Wir reagieren damit auch auf den Wunsch unserer Investoren, einfacher miteinander in Dialog treten zu können“, erklärt Companisto-Geschäftsführer David Rhotert laut Presseinformation. Er führt die junge Firma mit Mitgründer Tamo Zwinge.

Neues Eigenkapitalmodell

Die Investments auf der Schwarmfinanzierungsplattform laufen seit der Umstellung in zwei Phasen ab: In einer ersten, geschlossenen Runde sammelt Companisto Geld von Mitgliedern des sogenannten Angel Clubs ein, der im vergangenen Jahr aufgebaut wurde. Für Summen von jeweils mindestens 10.000 bis 300.000 Euro erhalten die Investoren sogenannte A-Shares und werden damit Gesellschafter. Im Anschluss erhalten in einer öffentlichen Runde alle registrierten Kapitalgeber die Möglichkeit, sogenannte B-Shares zu erwerben. Dabei fließen pro Anleger jeweils Beträge von 1.000 bis maximal 25.000 Euro, die Anteile sind vergleichbar mit herkömmlichen Wertpapieren im Depot.

Die jungen Firmen auf dem Markt für Schwarmfinanzierungen spüren harten Konkurrenzdruck und hatten in den vergangenen Jahren mit Umsatzeinbußen und teils hohen Verlusten zu kämpfen. Einen zu Companisto ähnlichen strategischen Ansatz verfolgt etwa das Wiener Unternehmen Primecrowd, das Anfang des Jahres ein neues Büro in München eröffnet hat. Aktiv sind auf dem Gebiet beispielsweise auch Seedmatch und Kapilendo. Das Hamburger Portal Exporo spezialisiert sich auf die Immobilienbranche und konnte damit Risikokapitalgeber zu einem Investment in Höhe von 43 Millionen Euro bewegen, wie erst vor einigen Tagen bekannt wurde.