Um den Zugang für Bankkunden attraktiver zu gestalten, geht Comeco aus Stuttgart mit Unterstützung mehrerer Institute an den Start.

Banking und Online-Shopping auf einem Kundenportal: Mit dem Ansatz will das Stuttgarter Start-up Comeco Banken und E-Commerce-Anbieter zusammenbringen – und somit Instituten im Niedrigzinsumfeld bei der Suche nach neuen Geschäftsmodellen für das Online-Banking helfen. Zusätzlich soll die Kundenbindung im Wettbewerb mit Direktbanken steigen. Ein Wachstum von derzeit 20 Mitarbeitern auf bis zu 50 sei im kommenden Jahr geplant, erklärt Comeco-Geschäftsführer Stefan Bisterfeld im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Eine Anlaufstelle für Finanzangelegenheiten im Alltag: Einige Banken bieten bereits jetzt einzelne Services über das Online-Banking an, so lässt sich etwa Handy-Guthaben über den Bankzugang aufladen. Comeco zielt auf ein breiteres Angebot ab: Endkunden sollen damit in Zukunft nicht nur Überweisungen über ihren Online-Banking-Zugang tätigen, sondern gleichzeitig Car-Sharing-Fahrzeuge und Reisen buchen, Gutscheine laden oder bei Einzelhändlern im Netz einkaufen. Seit heute tritt das Start-up offiziell am Markt auf – einige der beteiligten Finanzierer bieten ihren Kunden nun einen Wechsel zu dem neuen Online-Banking-Portal an. Im Herbst soll eine App an den Start gehen.

Investoren-Kreis zeigt sich offen

Das Stuttgarter Start-up geht aus einem Projekt zur Neukonzeption des Online-Bankings bei der Sparda-Bank Baden-Württemberg hervor. Gründer Bisterfeld war dort bis Ende September als Bereichsleiter für den Direktvertrieb zuständig und leitet seitdem die eigenständige Gesellschaft. Das nötige Startkapital stellt ein Kreis aus mehreren Sparda-Banken zur Verfügung: Beteiligt sind die Institute in Augsburg, München, Nürnberg sowie Hessen, Ostbayern und West. Zur Höhe der Anschubfinanzierung macht das Unternehmen keine Angaben. Das Kapital soll neben dem Team-Aufbau in Marketing-Kampagnen fließen, unter anderem in sozialen Netzwerken.

Als Sparda-Bank-Projekt gestartet, gibt sich Comeco offen für weitere Investoren. Das Ziel ist nach eigener Aussage, bis 2025 ein führendes Ökosystem im europäischen Raum aufzubauen, das auf Online-Banking basiert. Dabei positionieren sich die Stuttgarter als Dienstleister für Banken, die den Aufwand scheuen, ein eigenes digitales Angebot zu entwickeln. Dahinter steht laut Geschäftsführer Bisterfeld ein Kerngedanke: Die Endkunden der Institute melden sich regelmäßig bei ihrem Benutzerkonto an, um zum Beispiel Überweisungen anzustoßen. „Wir nutzen die Frequenz des Kontaktpunktes, um über das Banking hinauszugehen und zusätzliche Dienstleistungen anzubinden“, sagt Bisterfeld. Technisch funktioniert das über Programmierschnittstellen, sogenannte APIs, zu den E-Commerce-Anbietern. Zu den Partnern zählen laut dem Geschäftsführer aktuell mehr als 20 Marken.

Hürden für die technische Entwicklung

Unterstützung für die Idee zu erhalten, sei anfangs nicht einfach gewesen, so der Comeco-Geschäftsführer. Um vergleichbare Großprojekte innerhalb einer klassischen Bankengruppe vorantreiben zu können, müsse die Idee sehr stark sein. So stammten die meisten Rechenzentren aus den 70er-Jahren, die Umsetzung neuer Ideen auf der bestehenden IT-Infrastruktur sei schwierig. „Deshalb bauen wir auf der Grünen Wiese eine völlig neue Plattform“, sagt Bisterfeld. Das Portal soll künftig weiteren europäischen Banken und Finanzdienstleistern offenstehen.