Über die Seite können Bitcoin-Besitzer ihr Digitalgeld automatisiert an risikobewusstere Nutzer verleihen. Jetzt stützt der High-Tech Gründerfonds das Portal.

Ein paar Prozent hoch, viele Prozent runter – oder umgekehrt: Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether unterliegen in der Regel deutlich stärkeren Kursschwankungen als Euro oder Dollar. Das Mannheimer Start-up Coinlend will hier eine Brücke zwischen konservativen und risikobewussten Anlegern bauen. Der halbstaatliche Frühphasenfinanzierer High-Tech Gründerfonds (HTGF) hat jetzt im Rahmen einer Anschubfinanzierung eine sechsstellige Summe investiert.

Damit soll das Produkt des kleinen Coinlend-Teams weiter ausgebaut werden: Bitcoin-Besitzer können hier ihr Digitalkapital bereit stellen. Wer mit komplexeren Hebelgeschäften auf sinkende oder fallende Kurse spekulieren will, kann sich auf der anderen Seite Kryptowährungen leihen – und zahlt für diese meist kurzfristigen Kredite Zinsen.

Eine Bot für die Bitcoin-Verleihe

Das soll überwiegend automatisiert geschehen: Coinlend arbeitet an einer Software, die das Kapital der konservativen Bitcoin-Besitzer nach deren Vorgaben verleiht. Der „Cryptocurrency Lending Bot“ soll so möglichst gute Renditen für die Nutzer ermöglichen. „Die User-Reichweite, gepaart mit der solide entwickelten Software hat uns beeindruckt“, sagt Tobias Schulz vom HTGF.

Der Frühphasenfinanzierer investierte zuletzt häufiger in Start-ups rund um Kryptowährungen – im Januar etwa in Iconiq Lab, im Februar in Agora Innovation. „Wir sind überzeugt davon, dass Finanzintermediäre zunehmend wegfallen“, sagt Schulz.

Coinlend wurde im Jahr 2017 von Jan Pumpe gestartet, der zuvor unter anderem als Programmierer für den Softwarekonzern SAP arbeitete. Dank des Investments wolle man das „Wachstum weiter beschleunigen und die dominierende Position gegenüber der Konkurrenz weiter festigen“, lässt sich der Gründer in einer Pressemitteilung zitieren.

Mittler zwischen den Währungswelten

Nach Angaben des Start-ups lag der durchschnittliche Zinssatz für den Verleih von Bitcoin im vergangenen Jahr bei rund sechs Prozent, im trubeligen Kryptowährungsjahr 2017 mit heftigen Kursschwankungen sogar bei 25 Prozent. Coinlend selbst will Geld verdienen, indem es zwischen drei und fünf Prozent des erzielten Zinses einbehält. Für Nutzer mit kleinerem Krypto-Wallet soll der Dienst kostenlos sein, für einen „Business“-Account mit mehr Funktionen müssen laut Angaben auf der Homepage dagegen mindestens Tokens im Gegenwert von 100.000 Dollar hinterlegt sein.

Coinlend gehört damit zu den Start-ups, die als eine Art Mittler den Zugang zu und den Umgang mit der Welt der Kryptowährungen erleichtern wollen. Dazu zählen etwa der Handelsterminal Margin oder die Börsen-App Bux, die auch den Handel mit Bitcoin & Co unterstützt.