Von dem Boom will auch Windcloud profitieren. Das Unternehmen ist auf der Cebit einer der 450 Aussteller in der für Start-ups reservierten Halle 11. Die Gründer erhoffen sich Aufmerksamkeit für ihr im nordfriesischen Braderup gebautes Rechenzentrum. Dieses bezieht seine Energie vorrangig von einem benachbarten Windpark. Eine Biogasanlage und ein Batteriespeicher sollen Flauten ausgleichen. Ab dem Sommer will das Unternehmen den Strombedarf für seine Cloudangebote vollständig mit regenerativ erzeugter Energie decken. Das Angebot soll auch der Energiewende nutzen: Überschüssiger Windstrom, der wegen fehlender Trassen nicht abtransportiert werden kann, wird in Bits und Bytes umgewandelt.

Nach Einschätzung Hintemanns haben Cloud & Heat, Windcloud und ähnliche Jungunternehmen realistische Chancen, sich zu etablieren: „Auf dem wachsenden Markt entstehen neue Nischen.“ Profitieren könnten die Start-ups von einem neuen Megatrend. „IT-Giganten setzten zwar meist auf riesige Serverfarmen in klimatisch günstigen Ländern mit niedrigen Strompreisen“, sagt der Experte. „Gleichzeitig werden aber dezentrale Rechenzentren immer wichtiger, um schnelle Reaktionszeiten sicherzustellen.“ Als Treiber gelten Anwendungen wie das vernetzte Fahren.

Server im Heizungskeller

Cloud & Heat setzte schon früh auf dezentrale Rechenzentren. Ursprünglich verkauften die Dresdener Serverschränke, die in Ein- und Mehrfamilienhäusern gleichzeitig als Heizungsunterstützung dienen. Die gebündelten IT-Kapazitäten bilden eine sogenannte Public Cloud – die Rechen- und Speicherkapazitäten können also von jedem Unternehmen gebucht werden. Durch die regionale Streuung sollen die Dienste besonders schnell sein. Das Angebot bleibt zwar erhalten, der Fokus der Gründer hat sich aber leicht verschoben: „Wir konzentrieren uns momentan darauf, Unternehmen beim Aufbau kosten- und energieeffizienter Rechenzentren zu unterstützen“, sagt Röhrs.

Neben Innogy konnte das Start-up nun auch Commerz Real als neuen Kunden gewinnen. Die Immobilientochter der Commerzbank ist Eigentümerin des Frankfurter Büro- und Hotelhochhauses Eurotheum. Hauptmieter war bis 2015 die Europäische Zentralbank (EZB). „Bis September werden wir das ehemalige EZB-Rechenzentrum umbauen“, so Röhrs. Neue Geschäfte erhofft sich das 40 Mitarbeiter große Unternehmen zudem international: Abnehmer des auf der Cebit ausgestellten Containers ist Envirotech aus Norwegen. Die Firma konzipiert und vertreibt energieeffiziente Rechenzentren.