Mit Schmiermitteln für Frachtschiffe hat sich ein Hamburger Gründerteam einen speziellen Markt ausgeguckt. Für das Start-up haben sich Schifffahrts- und Plattform-Experten zusammengetan.

Für Außenstehende ist es einfach ein Frachtschiff, für die Betreiber eine schwimmende Fabrik: Und die will auf ihrer Route stetig mit Schmiermitteln versorgt werden, um reibungslos zu laufen. 80.000 Dollar kosten alleine die verschiedene Öle, die ein Schiff pro Jahr benötige, wollen die Gründer der Hamburger Plattform Closelink ausgerechnet haben.

Den Austausch zwischen Reedern und Schmiermittel-Lieferanten wollen sie mit ihrem Marktplatz  transparenter gestalten. „Das ist ein absoluter Nischenbereich, aber genau das haben wir als unsere Strategie festgelegt“, sagt Closelink-Gründer Philippe Lavarde im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Plattform statt Rahmenverträgen

Die Schiffsbetreiber können auf der Plattform nach den verfügbaren Lieferanten entlang ihrer Route suchen – und auch Preisvergleiche anstellen. Denn je nach Hafen könnten sich die Preise deutlich unterscheiden, so Lavarde. Bislang seien starre Rahmenverträge aufwändig im direkten Kontakt zwischen Reedern und Distributoren ausgehandelt worden.

„Wir haben die Lieferanten von Anfang an mit an Bord geholt“, sagt Lavarde. „Die Plattform soll nicht dazu führen, dass sie Marge verlieren, sondern Neugeschäft für sie generieren.“  Eine Provision der Ölkonzerne und -distributoren wird daher auch nur fällig, wenn sie tatsächlich über Closelink einen neuen Kunden beliefern. Manche Reeder, so Lavarde, benutzten die Software auch einfach, um den Kontakt zu ihren bestehenden Lieferanten einfacher zu verwalten.

Die wichtigste Einnahmequelle ist daher aktuell die Lizenzgebühr: 500 Euro pro Schiff und Jahr müssen die Reeder zahlen, um Closelink zu nutzen. Eine Reihe privater Investoren hat jetzt eine Million Euro investiert, um das Start-up zu stützen – zuvor hatte das Ende 2016 gestartete Closelink bereits eine Viertelmillion Euro in einer ersten Finanzierungsrunde eingesammelt.

Ziel für 2019: 1000 Schiffe an Bord holen

Mit der Investition will das Start-up nun vor allem den Vertrieb stärken. 300 Schiffe seien bislang angemeldet, auf 1000 will man im Laufe des Jahres kommen. Verfügbare Händler habe man aktuell in 1200 Häfen weltweit gelistet, berichtet der Gründer. Das Wachstum des digitalen Geschäfts führt vor allem über den persönlichen Kontakt: Das Closelink-Team sucht immer wieder auf Messen und Veranstaltungen den Austausch mit der Branche. „Die Schifffahrt ist ein Dorf – aus einem Gespräch ergeben sich häufig drei neue Kontakte“, berichtet Lavarde.

Im Gründerteam trifft sich die Erfahrung aus beiden Welten: Lavarde hat zuvor viele Jahre für BP maritime Schmierstoffe verkauft und dabei erlebt, wie intransparent und ineffizient der Markt sein kann. Für den Aufbau von Closelink kamen dann noch Eike Lawatsch und Tobias Schumacher dazu, die am Aufbau der Plattform MyTaxi beteiligt waren. Sieben Leute arbeiten aktuell für das Team, ein achter Angestellter soll demnächst dazukommen.