Das Personenbeförderungsgesetz und mangelnde Wirtschaftlichkeit zwingen Clevershuttle zum teilweisen Rückzug – doch das Start-up hat schon neue Standorte im Blick.

Neuausrichtung für CleverShuttle: Wie das Start-up bekannt gab, bleiben seine in Stuttgart, Hamburg und Frankfurt eingesetzten Busse zukünftig in der Garage. Die 330 Fahrer, die aufgrund der Einstellung des Dienstes ihren Job verlieren, sollen eine Umschulung angeboten bekommen, um etwa als Busfahrer arbeiten zu können. Hinter dem Schritt stecken unterschiedliche Gründer, so Sprecher Fabio Adlassnigg gegenüber WirtschaftsWoche Gründer: “In Frankfurt gab es von Anfang an Schwierigkeiten mit dem Personenbeförderungsgesetz: Der Dienst ist dort nie formal genehmigt worden, sondern nur geduldet gewesen. Wir haben jeden Tag darauf gewartet, dass die Behörde sich äußert – aber vergeblich.” Auch in Stuttgart habe es restriktive bürokratische Hindernisse gegeben, so dass man sich schlussendlich zu einem Rückzug aus der baden-württembergischen Hauptstadt entschieden habe.

In Leipzig auf dem Weg zur Profitabilität

In Hamburg dagegen habe die Entscheidung wirtschaftliche Gründe: Hier sei die Entwicklung nicht verlaufen, wie erhofft. Das liegt wohl vor allem an der Konkurrenz durch Moia, den Shuttle-Dienst von Volkswagen, der seit April ist auf den Straßen der Hansestadt unterwegs ist.

Als Niederlage sehe man den Rückzug aus den drei Städten nicht, betonte Fabio Adlassnigg, denn an den anderen Standorten in Berlin, München, Leipzig, Dresden und Kiel entwickele sich das Geschäft positiv. Eigenen Angaben zufolge befördert das Start-up 300.000 Fahrgäste pro Monat in ganz Deutschland: “Am erfolgreichsten sind wir zurzeit in Leipzig, dort wollen wir bis zum Ende des Jahres profitabel sein – schon jetzt gelingt uns das an fünf von sieben Tagen in der Woche.”

Expansion in weitere Städte geplant

Und CleverShuttle will weiter expandieren, sagte Fabio Adlassnigg: “Ab Mitte November findet man unsere Busse in Düsseldorf, bis Mitte des kommenden Jahres werden wir außerdem in weiteren Städte in NRW an den Start gehen.”

Das im Jahr 2014 gegründete Clever Shuttle bietet Fahrten per App-Bestellung an. Diese bringt durch einen Algorithmus Menschen mit ähnlichem Ziel zu Fahrgemeinschaften zusammen. Der Dienst verspricht bequemer als  die öffentlichen Verkehrsmitteln und günstiger als ein Taxi zu sein. Gleichzeitig müssen Fahrgäste einen längeren Weg in Kauf nehmen, da zwischendurch andere Fahrgäste ein- oder aussteigen. 2015 stieg die Deutsche Bahn als Investor in das Start-up ein, im September des vergangenen Jahres übernahm sie die Mehrheit

Im Zuge der Entwicklung von CleverShuttle ist auch die Diskussion um eine Reform des Personenbeförderungsgesetzes wieder entflammt: “Wir fordern das Verkehrsministerium auf sich baldmöglichst zu dem Gesetz zu äußern, um für die Zukunft Unsicherheiten zu beseitigen, die nicht nur uns, sondern auch andere Start-ups aus der Branche betreffen”, so Fabio Adlassnigg. Gegenwind kommt indes vom Taxi-Gewerbe, das eine Liberalisierung aus Angst um die Jobs seiner Fahrer ablehnt.