Und bei uns in Deutschland?
Hier gibt’s einen guten Mix. Du hast eine starke Rocket-Internet- und WHU- Absolventen-Szene, aber auch viele internationale Gründer, die herkommen. Es ist bunt.

Sie haben schon sieben Mal gegründet. Was ist der Reiz daran?
Weil du Dinge verändern kannst. Letzte Woche hab ich jemanden dabei beobachtet, wie er verzweifelt mit einem Zuckerstreuer hantiert hat. Innen gibt es ja meistens dieses Metallrohr, wodurch der Zucker dann gestreut wird, und das war verstopft. Schon immer scheint der Streuer so gebaut zu werden und es macht absolut keinen Sinn. Jetzt könntest du sagen: „Ich mache einen besseren Zuckerstreuer.“ So veränderst du was. Das macht Spaß.

Geht es Ihnen oft so, dass Sie Dinge sehen, die Sie verändern wollen?
Ja, sehr oft. Das ist aber wirklich ein Problem, denn ich sehe überall etwas, das sich verbessern ließe. „Nein“ zu sagen ist da sehr schwer, aber als Unternehmer muss man sich auf bestimmte Dinge fokussieren.

Wenn Sie die deutsche Startup-Szene mit anderen vergleichen, wie empfinden Sie die Kultur des Scheiterns hierzulande?
Ich glaube, wir sind im Scheitern besser als immer behauptet wird. Das nicht alle neuen Dinge funktionieren, ist doch ganz klar. Aber man darf sich eben auch selbst keine zu hohe Fallhöhe aufbauen. Wenn du also sagst: Google hat keine Ahnung, ich mache das jetzt besser, baust du dir eine Fallhöhe auf, an der du scheiterst.

Welche Probleme sehen Sie sonst in der deutschen Gründerszene?
Wir haben ein echtes Neid-Problem in der Start-up-Branche. Wenn du wirklich erfolgreich bist, gehen die Leute davon aus, dass du dich nicht an die Regeln gehalten hast. Da wird ein Skandal gewittert, weil man dir unterstellt, dass du einen Erfolg nicht so schnell von allein erzielt haben kannst.

Wir können uns also nichts gönnen?
Ja, genau. Wenn du dir Kommentare von anderen Gründern durchliest, dann schlägt dir der Neid entgegen. Das ist traurig und das nervt mich auch.

Sprechen Sie aus eigener Erfahrung?
Ja. In der Schweiz zum Beispiel ist das ganz anders. Da finden es die Leute gut, wenn du etwas geschafft hast, oder sie sehen das neutral. Aber nicht schlecht, wie hier bei uns.

Gibt es dieses Probleme auch bei Book a Tiger?
Nein, in dieser Richtung nicht. Aber viele Dinge lese ich auch einfach nicht mehr, weil ich mich damit nicht auseinandersetzen will.

Vielen Dank für das Interview.